Neuerscheinung: „Einfach weg. Romasiedlungen im Burgenland“ von Gerhard Baumgartner und Herbert Brett

Das Buch über die Zerstörung der über 120 Romasiedlungen durch den Nationalsozialismus erscheint in Kürze.

Das Buch „'Einfach weg!' – Verschwundene Romasiedlungen im Burgenland" behandelt ein weitgehend ausgeblendetes Kapitel burgenländischer Regionalgeschichte.

Bis zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten bestanden auf dem Gebiet des Burgenlandes über 120 Romasiedlungen, deren historische Wurzeln in zahlreichen Fällen bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Nur einige wenige dieser Siedlungen bestehen heute noch.

Das Buch von Herbert Brettl, _erinnern.at_-Burgenland, und Gerhard Baumgartner, Leiter des DÖW, dokumentiert die Romasiedlungen und ihre Zerstörung durch den Nationalsozialismus.

 

Auszug aus dem Buch: Zur Verfolgung der Roma/Romnija in Rohrbach bei Mattersburg

„[…] Das weitere Schicksal der Rohrbacher Roma ist ungewiss, viele dürften den nationalsozialistischen Völkermord nicht überlebt haben. Einige Überlebende kehrten nach 1945 nach Rohrbach zurück, darunter die Taglöhnerin Anna Mikats, geb. 1907 in Walbersdorf. Sie war 1939 nach Ravensbrück verschleppt worden, wo sie als Zwangsarbeiterin bis 1944 blieb. Danach war sie in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Mauthausen inhaftiert, bis sie 1945 befreit wurde. Sie kehrte nach Rohrbach zurück und verstarb dort 1969. Ihr Mann Johann Horvath, geb. 1904 in Rohrbach, überlebte das KZ Mauthausen und kehrte nach seiner Befreiung in seinen Heimatort zurück. […]“

 

Mörbisch

"Einige Roma, wie beispielsweise Tobias Karoly, seine Gattin und seine beiden in Haft geborenen Kinder, überlebten das Lager Lackenbach. Sie waren zumeist außerhalb des Lagers auf Gutshöfen zur Zwangsarbeit eingesetzt und wurden im April 1945 von der Roten Armee befreit. Nur wenige Mitglieder der Volksgruppe der Roma konnten in anderen Konzentrationslagern überleben.

Einige Roma kehrten nach der Befreiung wieder nach Mörbisch zurück. Die Gemeinde Mörbisch bestätigte im Jahr 1948: 'Die überlebende Juliane Karoly war vom 26. Juli 1939 bis 30. April 1945 im Konzentrationslager, besitzt kein Vermögen und hatte bei ihrer Rückkehr nur das an Kleidern, Wäsche und Schuhe, was sie am Körper trägt.'

Die Häuser der Romasiedlung waren in den 1940er Jahren von der Gemeinde abgerissen worden. Die Rückkehrer wurden daher von der Gemeinde teilweise in einer Gemeindewohnung untergebracht, später teilte man ihnen rund 150m außerhalb des Ortes am so genannten „Schussplatz“ ein Grundstück zu. […]"

 

Trausdorf

"Walpurga und ihre Schwester Stefanie Horvath wurden bei Kriegende im Konzentrationslager Bergen-Belsen, wohin man sie von Ravensbrück verschleppte, im April 1945 von britischen Soldaten befreit. Man brachte die an Typhus erkrankten im Mai 1945 nach Schweden, wo sie in einem Erholungsheim gesund gepflegt wurden. Erst im Oktober 1946 kamen sie von dort wieder nach Trausdorf zurück".

 

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Buchcover
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Das Grab des verstorbenen Johann Horvath befindet sich am Rande des Friedhofes.
Das Grab des verstorbenen Johann Horvath befindet sich am Rande des Friedhofes.
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