Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust Ausschnitte aus Videointerviews von ZeitzeugInnen online

Am 27. Jänner 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch Sowjetische Truppen befreit. Auschwitz wurde zum Symbol für den „industriellen Massenmord“ unter den Nationalsozialisten. Im Jahr 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Jänner zum „International Day of Commemoration in memory of the victims of the Holocaust“. Aus diesem Anlass haben wir auch heuer wieder zwei weitere Interviews unserer Homepage vorgeschaltet. In diesen kurzen Videoausschnitten erinnern sich aus dem Burgenland vertriebene ZeitzeugInnen an die Wochen im März 1938 und an ihre Flucht. Es sind Ausschnitte aus den Interviews mit Gertrude Hoffer (1921-2010, geb. Gabriel aus Eisenstadt) und mit Jonny Moser (1925-2011, aus Parndorf) zu sehen. Beide Interviews in deutscher Sprache. Diese beiden und weitere Interviews werden auf dem Videoportal VIMEO präsentiert. Der Großteil der Videos entstand in den Jahren 2001 bis 2003 und diente als Vorlage zu unserer Publikation „Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen“, die im Jahr 2004 im Mandelbaum Verlag erschien. - Interview Gertrude Hoffer und Jonny Moser Link zum Kanal: www.vimeo.com/channels/vertrieben Informationen: gert.tschoegl@forschungsgesellschaft.at
24.01.2017 09:00   -  31.01.2017 20:00   |  

Am 27. Jänner 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch Sowjetische Truppen befreit. Auschwitz wurde zum Symbol für den „industriellen Massenmord“ unter den Nationalsozialisten. Im Jahr 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Jänner zum „International Day of Commemoration in memory of the victims of the Holocaust“.

Aus diesem Anlass haben wir auch heuer wieder zwei weitere Interviews unserer Homepage vorgeschaltet. In diesen kurzen Videoausschnitten erinnern sich aus dem Burgenland vertriebene ZeitzeugInnen an die Wochen im März 1938 und an ihre Flucht. Es sind Ausschnitte aus den Interviews mit Gertrude Hoffer (1921-2010, geb. Gabriel aus Eisenstadt) und mit Jonny Moser (1925-2011, aus Parndorf) zu sehen. Beide Interviews in deutscher Sprache.

Diese beiden und weitere Interviews werden auf dem Videoportal VIMEO präsentiert. Der Großteil der Videos entstand in den Jahren 2001 bis 2003 und diente als Vorlage zu unserer Publikation „Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen“, die im Jahr 2004 im Mandelbaum Verlag erschien.

Interview Gertrude Hoffer
Interview Jonny Moser

Link zum Kanal: www.vimeo.com/channels/vertrieben
Informationen: gert.tschoegl@forschungsgesellschaft.at

Gertrude Hoffer wurde 1921 in Eisenstadt geboren. Ihr Vater Wilhelm Gabriel arbeitete schon seit seiner Jugend bei der Firma Leopold Wolf & Söhne in Eisenstadt und wurde schließlich Teilhaber der Firma. Ihre Mutter Helene stammte aus Purbach. So wie ihre Schwester Martha besuchte auch Gertrude nach der jüdischen Volksschule das Gymnasium in Eisenstadt. Die Familie Gabriel gehörte zu den ersten Familien in Eisenstadt, die die Gestapo im März 1938 verhörte, beraubte, aus dem Burgenland und schließlich aus Österreich vertrieb. Nur kurze Zeit konnte sich die Familie in Wien verstecken. Von der Gestapo entdeckt, wurde sie für sechs Wochen in der Roßauer Kaserne inhaftiert. Der Vater wurde verhört und musste unterschreiben, die Heimat zu verlassen. Über Triest konnte die Familie schließlich nach Buenos Aires fliehen. Gertrude Hoffer arbeitete zunächst als Kindermädchen in Buenos Aires. Sie begann auch Nachhilfestunden in Englisch und anderen Fächern zu geben. Im Jahr 1945 ging sie nach Montevideo, Uruguay, wo sie weiterhin Englisch unterrichtete. 1973 wurde sie zunächst als Mitarbeiterin an das österreichische Honorargeneralkonsulat berufen, später war sie österreichische Vizekonsulin und zuletzt Honorarkonsulin in Uruguay. Österreich besuchte sie 1961 zum ersten Mal wieder. Gertrude Hoffer lebte mit ihrem zweiten Mann Carlos, der 1938 aus Wien vertrieben wurde, in Montevideo und unterrichtete an einer Erwachsenenbildungseinrichtung für ältere Menschen. Im Juli 2010 verstarb Gertrude Hoffer in Montevideo. Interview 17:08 Min.

Jonny Moser wurde 1925 als zweites Kind von Josef und Katharina Moser geboren. Sein Vater, Gemischtwarenhändler in Parndorf, trat 1919 vom Katholizismus zum Judentum über, seine Mutter, geborene Neufeld, stammte aus einem religiösen jüdischen Elternhaus. Wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich wurden er und seine Familie zur Gendarmerie gebracht und bei Mörbisch über die Grenze nach Ungarn getrieben. Nach mehrmaligen Abschiebungen seitens der ungarischen und der deutschen Behörden kamen sie wieder nach Parndorf. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 musste die Familie nach Wien fliehen. Im August 1939 wurde der Vater verhaftet und nach Ungarn abgeschoben. Mit der Mutter und seiner Schwester Hermine folgte Jonny im Oktober 1940 nach, aber ohne Papiere. Da sie jedoch ein »affidavit« für die USA erhalten hatten, brauchten sie offizielle Dokumente, meldeten sich bei den Behörden, wurden verhaftet und in ungarische Internierungslager gebracht. Nach der Besetzung Ungarns durch Deutschland im März 1944 begannen die Deportationen der ungarischen Juden nach Auschwitz. Jonny Moser und seine Familie kamen in ein Zwischenlager bei Budapest. Glücklichen Umständen verdankten sie es, dass sie im August 1944 freigelassen wurden. Jonny wurde dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg vorgestellt, der durch das Ausstellen von schwedischen Schutzpässen viele ungarische Juden vor der Deportation retten konnte. Jonny war für Wallenberg als Botengänger, Übersetzer und Assistent tätig. Nach der Befreiung Budapests ging die Familie im Juni 1945 zurück nach Österreich. Er ging in die Politik und wurde Bezirksrat für die SPÖ in Wien. Später nahm er das Studium der Geschichte auf, promovierte 1963 und wurde Vorstandsmitglied und Mitarbeiter im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, sowie Autor zahlreicher Artikel und Studien. Jonny Moser verstarb 2011 in Wien. Interview 26:48 Min.

Die Interviews sind in der Woche vom 24. bis 31. Jänner 2017 auch der Homepage der Burgenländischen Forschungsgesellschaft vorgeschaltet.

Weitere Interviews finden Sie auf unserem Videokanal.

 

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