Der Novemberpogrom in Kärnten - Elvira Friedländer erinnert sich

Vor 80 Jahren begann mit dem Novemberpogrom die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass möchten wir Geschichten der Verfolgung aus allen Bundesländern aufzeigen und in Erinnerung halten.

„Ich war zehn Jahre alt, Schülerin der Volksschule in Klagenfurt und gerade mit meiner Mama allein zuhause. Damals wusste ich nicht, warum mein Papa plötzlich nicht mehr da war, heute weiß ich, man hatte ihn ins KZ Dachau verschleppt, weil er ein Jude war. Es klopfte an der Wohnungstür und eine Gruppe von Männern polterte herein. Als mich meine Mama schützend zu sich nahm schubsten sie mich in die Speisekammer und sperrten die Tür zu. Jetzt war es dunkel um mich herum, ich hörte was vor der Tür in der Küche vorging. Geschirr zerbrach, meine Mutter weinte und bettelte, die Männer schimpften und fluchten. Die Zeit bis es wieder still wurde in unserem Haus kam mir unendlich lang vor. Endlich öffnete meine Mama die Tür und befreite mich aus dem dunklen Gefängnis. Ich erschrak als ich sie sah, ihr Gesichtsausdruck war anders als zuvor.“

 

So erinnert sich Elvira Friedländer an den 10. November 1938 in Klagenfurt. Später, in Palästina, zeigte ihr die Mutter oft das Familienfoto, welches die Randalierer in der Klagenfurter Wohnung beschädigt hatten – ein Symbol der ausufernden Gewalt die über die Familie hereinbrach.

 

Als jüdisches Kind musste Elvira die Volksschule verlassen, mit ungeklärter Zukunft. Sie denkt noch oft an den Tag als Sie mit ihrer Mutter vor der Schulklasse steht und die Mutter den MitschülerInnen erklärt, Elvira würde heute zum letzten Mal am Unterricht teilnehmen und sich daher verabschieden. Sie verstand nicht warum das notwendig war, die historischen Ereignisse waren für das Kind nicht begreifbar.

 

Elviras Vater, Elias Friedländer, betrieb in der Klagenfurter Gabelsbergerstraße eine Strickwarenfabrik. Dort wohnte die Familie auch. Nach der Machtübernahme durch die Nazis, als Jüdinnen und Juden sich in der Öffentlichkeit nicht mehr frei bewegen durften, wurde das Gelände der Strickwarenfabrik der Friedländers zu einem wichtigen Treffpunkt und Zufluchtsort für die jüdischen Kinder und Jugendlichen Klagenfurts. Nach einer kurzen Inhaftierung im KZ Dachau kam Elviras Vater nach Hause zurück und es gelang der Familie die Ausreise nach Palästina zu organisieren.

 

Seit einigen Jahren kommt Elvira Friedländer, die heute verheiratet Elvira Itzhaky heißt, jeden Herbst nach Klagenfurt um an Schulen über Ihre Erinnerungen zu erzählen. Begleitet wird sie dabei von ihren Kindern und Enkelkindern, für die die Reise zu den Wurzeln der Familie ein wichtiges Ritual geworden ist.

 

 

Vor 80 Jahren begann mit dem Novemberpogrom die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass möchten wir Geschichten der Verfolgung aus allen Bundesländern aufzeigen und in Erinnerung halten. Die Berichte stammen Großteils aus unseren Sachbüchern „Nationalsozialismus in den Bundesländern“. Hier finden Sie die Berichte über den Novemberpogrom aus allen Bundesländern: - Link

 

Buch: „Nationalsozialismus in Kärnten: Opfer – Täter – Gegner“ von  Nadja Danglmaier und Werner Koroschitz.

Nadja Danglmaier, _erinnern.at_-Kärnten, hat mit dem ORF Kärnten über den Novemberpogrom in Kärnten gesprochen: - Link

Elvira und Walter Friedländer mit ihrer Mutter in Klagenfurt. Dieses Foto wurde von den Randalieren im Zuge des Novemberpogroms im Haus der Familie beschädigt. (Foto: Elvira Friedländer, Tel Aviv, privat)
Elvira und Walter Friedländer mit ihrer Mutter in Klagenfurt. Dieses Foto wurde von den Randalieren im Zuge des Novemberpogroms im Haus der Familie beschädigt. (Foto: Elvira Friedländer, Tel Aviv, privat)
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