Gedenktafelenthüllung: BRG Ringstraße Krems

Im Gedenken an die vertriebenen jüdischen Schüler des BRG Ringstraße in Krems wurde am 20.11.2015 eine Gedenktafel angebracht.

ORF-NÖ-Bericht (21.11.2015)

"Schüler des BRG Ringstraße in Krems haben sich mit der NS-Vergangenheit ihrer Schule beschäftigt. Um dem Vergessen entgegenzuwirken, wurde im Gedenken an die vertriebenen jüdischen Schüler eine Tafel angebracht.

Die Gedenktafel wurde am Freitag eingeweiht. Zur Einweihung reisten auch Verwandte der ehemaligen jüdischen Schülerinnen und Schüler an. Für die Familienmitglieder war es sehr emotional zu sehen, wie viele junge Menschen es gibt, denen es nicht egal ist, was an ihrer Schule einst geschehen ist.
Reise in die Vergangenheit
Stavi Nemschitz lebt in Israel. Sie sprach oft mit ihrem Vater über seine Flucht. Aber auch über die schöne Zeit, die er und sein Bruder Fritz in Krems hatten:'Natürlich ist es für sie traurig gewesen, an all die Onkel und Tanten zu denken, die nicht überlebt haben. Aber ich denke, sie hatten eine normale Kindheit. Sie sind in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Sie haben sich in der Kremser Nachbarschaft nicht unwohl gefühlt.'
Vor zwölf Jahren hatte sie auch noch die Gelegenheit, Krems mit ihrem Vater zu besuchen. Auch ihr Ehemann und die Kinder waren dabei. Es war aufregend zu sehen, wo er in den Kindergarten gegangen ist und wo die Großeltern einst ihr Geschäft hatten, sagt Stavi Nemschitz: 'Und er hat uns das Fenster gezeigt, von dem aus ihn unsere Großmutter am Weg in den Kindergarten beobachtet hat.'
Alles hat zwei Seiten
Der Kremser Historiker und ehemalige Schüler des BRG Krems, Robert Streibel, führte mit den jüdischen Schülern von damals Interviews, die in Israel, England, Frankreich oder Amerika ihr neues Zuhause fanden. Durch das Aufarbeiten entstanden langjährige Freundschaften und sie besuchten ihre alte Heimat wieder öfter.
Die Tafel soll heute zum Nachdenken anregen, so Streibel: 'Jede Medaille hat zwei Seiten, auch jede Gedenktafel hat zwei Seiten. Wir haben auf die andere Seite die Aussagen von österreichischen Politikern nach 1945 abgedruckt, die eindeutig antisemitisch geprägt sind, um auch zu dokumentieren und zu zeigen, warum es in Österreich so lange gedauert hat, sich der Vergangenheit zu stellen und auch Empathie empfinden zu können.' Man ist überzeugt: Eine kleine Tafel kann Großes gegen das Vergessen tun." (noe.orf.at, 21.11.2015): - link
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