Gedenktag 05.05.2020 in Niederösterreich

Zum Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (5. Mai) macht _erinnern.at_ auf Ereignisse um die Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft aufmerksam.

Als zentraler Erinnerungsort für das offizielle Gedenken der Republik Österreich an die Verbrechen des Nationalsozialismus wurde das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen etabliert. „Vergessen“ sollte man jedoch auch nicht die zahlreiche Nebenlager, die sich vor allem auch auf dem Gebiet des heutigen Niederösterreichs befunden haben. In Hinblick auf lokalgeschichtliche Lernprozesse sollten auch diese Orte der Erinnerung stärker in den Fokus rücken. Stellvertretend wird hier die Gedenkstätte in Melk vorgestellt, weil sich dort - in enger Zusammenarbeit verschiedenster Interessensgruppen - ein vitales Zentrum des Erinnerns und Gedenkens, aber auch des Lernens und der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus entwickelt hat.

 

Die Geschichte des Konzentrationslagers Melk

Zwischen dem 21. April 1944 und dem 15. April 1945 bestand in der Freiherr von Birago-Pionierkaserne Melk ein Konzentrationslager. Es war mit rund 14.390 KZ-Häftlingen das größte KZ-Außenlager in Niederösterreich. Die KZ-Häftlinge kamen aus mehr als 20 unterschiedlichen Ländern und arbeiteten hauptsächlich an der Errichtung einer unterirdischen Stollenanlage im sogenannten Wachberg, der sich zwischen Melk und Loosdorf befindet. In den von KZ-Häftlingen gegrabenen Stollenanlagen wurden ab Spätherbst 1944 Rüstungsgüter der Firma Steyr-Daimler-Puch hergestellt. Mindestens 4.874 KZ-Häftlinge kamen im Lager und auf der Baustelle ums Leben, mehr als 3.500 der Leichen wurden ab Herbst 1944 im eigens errichteten Krematorium in Melk verbrannt. Das frühere Krematoriumsgebäude wurde im Jahr 1962 zum öffentlichen Denkmal erklärt und beherbergt seither die KZ-Gedenkstätte Melk. Seit einigen Jahren wird die Gedenkstätte im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Rahmen des Gedenkstättengesetzes vom Zeithistorischen Zentrum Melk betreut.

 

Das Kriegsende 1945

Ab Ende März 1945 wurden auch in Melk Vorbereitungen getroffen, das Konzentrationslager zu evakuieren. Pläne, die Häftlinge in die Stollenanlage „Quarz“ zu treiben und durch Sprengung der Anlage zu ermorden, wurden nicht ausgeführt. Zwischen dem 11. und dem 15. April wurden die 7.401 noch im Lager lebenden Häftlinge in das Hauptlager Mauthausen und in das Außenlager Ebensee überstellt. Im Lager Melk wurden mindestens 30 schwerkranke transportunfähige Häftlinge kurz vor der Auflösung durch SS-Angehörige und Funktionshäftlinge ermordet. Mindestens weitere 36 Häftlinge kamen auf den Evakuierungstransporten ums Leben. Am 5. und 6. Mai wurden mit der Befreiung der Lager Ebensee und Mauthausen durch amerikanische Truppen auch die Überlebenden des Lagers Melk befreit. (Quelle: https://www.melk-memorial.org/de/geschichte)


Veranstaltung: Kunst trifft Zeitgeschichte in Melk!

9. Mai 2020 um 17 Uhr, Abschlussveranstaltung zur virtuellen Jugendbegegnung "Art Works Performances - ein virtuelles Gedenk- und Friedensfest". Im Zuge dessen werden die künstlerischen Ergebnisse der virtuellen Jugendbegegnung präsentiert, es wird aber als thematische Klammer auch ganz stark um das Gedenken in Melk und in der Friedensgemeinde Erlauf gehen.

Informationen zum Projekt:
-Link Art Works
-Link Melk Memorial

 

Weiterführende Links und Unterrichtsmaterialien

historisch-politische bildung Themendossiers zur Didaktik von Geschichte, Sozialkunde und Politischer Bildung, Band 9, ERINNERUNGSKULTUREN

-Link:

  • Christian Rabl: Zur Nachnutzung kontaminierter Orte – Das Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers Melk (S. 15 – 20)
  • Unterrichtsbeispiel: Österreichs „Opfermythos“ (S. 61)
  • Unterrichtsbeispiel: Gedenken an einem „kontaminierten Ort“ am Beispiel der KZ-Gedenkstätte Melk
Melk 1
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Das Panoramafoto zeigt das ehemalige Lagergelände in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Foto: Hilda Lepetit, März 1947, Archiv der KZ-Gedenkstätte Ebensee.
Melk 2
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Einige der erhaltenen Deckenbalken im sogenannten Objekt X weisen bis heute zynische Sprüche aus der NS-Zeit auf. Foto: Christian Rabl, 2018
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