Antisemitismusbericht 2019: Neuerlicher Anstieg von antisemitischen Vorfällen in Österreich

Im Jahr 2019 wurden 550 antisemitische Vorfälle registriert, zugenommen haben vor allem Sachbeschädigungen. Der Bericht des „Forum gegen Antisemitismus“ erschien im Ende Mai 2020.

Zahlen, Erscheinungsformen und Motive der antisemitischen Vorfälle

Der am 27.5.2020 veröffentlichte Antisemitismusbericht 2019 der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und des „Forum gegen Antisemitismus“ belegt einen erneuten Anstieg von antisemitischen Vorfällen in Österreich. Der Anstieg entspricht einer Steigerung von 9,5 Prozent binnen zwei Jahren und mehr als einer Verdoppelung binnen fünf Jahren. Die meisten der insgesamt 550 registrierten Fälle sind Fälle von verletzendem Verhalten (239), gefolgt von Massenzuschriften wie z.B. Facebook-Beiträge (209), Sachbeschädigungen (78), Bedrohungen (18), physischen Angriffen (6), darunter Attacken auf Kinder in Wien. Der Bericht liefert Informationen zur Methodik der Erhebung, Arbeitsdefinitionen und Infos zur Kategorisierung der Fälle. Um eine internationale Vergleichbarkeit zu ermöglichen, ordnen die VerfasserInnen des Berichts die Vorfälle erstmals ideologisch zu, wobei bei fast der Hälfte der Fälle keine Zuordnung möglich war.

 

Vandalismus an der Ausstellung „Gegen das Vergessen“

Gemeldete Fälle sind vor allem verbale Beschimpfungen und Sachbeschädigungen. Der Bericht führt mehrere Beispiele an, darunter die Beschädigung der Ausstellung „Gegen das Vergessen“ des Fotografen Luigi Toscano: Im Mai 2019 wurden in Wien am Ring Teile der Ausstellung mit Porträtfotos von Überlebenden der NS-Verfolgung mehrmals beschädigt, mit Hakenkreuzen und antisemitischen Sprüchen beschmiert. (Nachlese: - Link)

 

Antisemitische Verschwörungsmythen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie

Antisemitische Verschwörungsmythen fanden und finden besonders in den letzten Monaten Verbreitung: In zahlreichen Ländern werden die Maßnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie mit der Politik des nationalsozialistischen Regimes gleichgesetzt. Bei Demonstrationen und auch im Internet tauchen Bezugnahmen auf die nationalsozialistische Parole „Arbeit macht frei“ und auf den gelben Stern, den Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus tragen mussten, auf. Auch werden Jüdinnen und Juden für die Verbreitung des Corona-Virus verantwortlich gemacht.

 

Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen – Prävention von Antisemitismus durch Bildung

Der Präsident der IKG Wien Oskar Deutsch fordert anlässlich der Veröffentlichung des Berichts eine „gesamtgesellschaftliche Strategie gegen Judenfeindlichkeit“, der Antisemitismus müsse in allen Teilen der Bevölkerung geächtet werden.

Die antisemitismuskritische Bildungsarbeit ist ein Schwerpunkt der Arbeit von _erinnern.at_ im Jahr 2020. Erarbeitet werden Empfehlungen, Lernmaterialien und Hilfestellungen für den Unterricht, welche möglichst gut den Bedürfnissen der Lehrpersonen und der Schulen entsprechen sollen. _erinnern.at_ entwickelt konkrete Hilfestellungen für antisemitische Vorfälle im schulischen Umfeld, ebenfalls werden bestehende Lernmaterialien und Empfehlungen adaptiert. Zusätzlich werden spezifische Fortbildungen für Lehrpersonen und Workshops für den Unterricht konzipiert. Dies u.a. in einem im Herbst 2020 startenden von der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) geförderten Projekt: Gemeinsam mit PartnerInnen in der Schweiz und in Bayern wird _erinnern.at_ im Rahmen des Vorhabens LehrerInnen in den Bereichen Antisemitismus und Holocaustverzerrung fortbilden. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Analyse der Curricula der Pädagogischen Hochschulen und wie diese anforderungsgerecht weiterentwickelt werden können.

 

Antisemitismusbericht 2019: - Download

Forum gegen Antisemitismus (Meldemöglichkeit von antisemitischen Vorfällen): - Link

Schwerpunkt Prävention von Antisemitismus durch Bildung: - Link

Antisemitismusbericht 2019
Antisemitismusbericht 2019
Antisemitische Vorfälle - Statistik
Antisemitische Vorfälle - Statistik
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