Horst Schreiber: "Endzeit. Krieg und Alltag in Tirol 1945"

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes 1945 erscheint Horst Schreibers Buch über das Kriegsende in Tirol.

Horst Schreiber entwirft ein neues, facettenreiches Bild der Endzeit nationalsozialistischer Herrschaft in Tirol. Der Autor beschreibt die Attraktivität und das Grauen des Krieges, Leid und Trauer an der "Heimatfront" sowie das Kriegsende in den Bezirken und die Befreiung Innsbrucks. Als der Mythos von Hitler verblasst war, regierte das Regime nur noch mit Terror gegen die eigene Bevölkerung.

 

Das Buch untersucht den Blick der Einheimischen auf die US-amerikanischen und französischen Besatzer, auf Tirolerinnen mit intimen Beziehungen zu den ausländischen Befreiern, auf Flüchtlinge und Vertriebene, denen man vorwarf, was man selbst tat: Plündern.

 

Krieg als touristisches Unternehmen?

Die nationalsozialistische Herrschaft funktionierte in Tirol bis zuletzt. Wie sie sich langsam auflöste, ist Inhalt dieses Buches. Tiroler Soldaten erlebten den Krieg als touristisches Unternehmen und als Möglichkeitsraum, als Kämpfer für das deutsche Vaterland, als Kriegsverbrecher, Opfer und Deserteure. Die meisten starben im letzten Kriegsjahr.


Eindringlich schildert die Studie den Verfall der Stimmung im Land, den Terror gegen die eigene Bevölkerung und die Mobilisierung der letzten Kräfte zur Verlängerung eines längst verlorenen Krieges.

 

Unterschiedliche Perspektiven auf das Kriegsende

Die Beziehungen der Einheimischen zu den Befreiern und Besatzern, der Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen und die höchst unterschiedlichen Auswirkungen des Zusammenbruchs der Diktatur auf Individuen und Kollektive analysiert Horst Schreiber wie den Auflösungsprozess der Naziherrschaft: durch ständige Perspektivenwechsel und einen Chor der Vielstimmigkeit.

Horst Schreiber legt die Erfahrungen unzähliger Menschen offen. Sie zeigen, wie unterschiedlich Verfolgte und Befreite, Täter und Beteiligte, Soldaten und Kriegsgefangene, Frauen und Kinder das Ende des Nationalsozialismus und die Zeit nach dem Krieg erlebten.

Horst Schreiber ist Historiker und Lehrer in Innsbruck und leitet _erinnern.at_-Tirol.

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Cover
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Judenverfolgung: Nur Irma Löwy (rechts außen) überlebte (Foto Gerta Mayer)
Judenverfolgung: Nur Irma Löwy (rechts außen) überlebte (Foto Gerta Mayer)
Tiroler Jenische litten unter der NS-Verfolgung. Die Diskriminierung ging 1945 weiter (Foto Alois Lucke)
Tiroler Jenische litten unter der NS-Verfolgung. Die Diskriminierung ging 1945 weiter (Foto Alois Lucke)
US-Soldaten im Außerfern (Foto TLA)
US-Soldaten im Außerfern (Foto TLA)
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