Überlebende der Kindertransporte erhalten eine symbolische Entschädigung

Nach Verhandlungen der Conference on Jewish Material Claims Against Germany mit der deutschen Bundesregierung erhalten Überlebende der Kindertransporte 2500 Euro Entschädigung. Diese Entscheidung wurde zum 80. Jahrestag der ersten Kindertransporte im Dezember 2018 bekannt gegeben.

Die sogenannten Kindertransporte begannen 1938, nach dem Novemberpogrom, als die britischen Behörden zustimmten, einer unbestimmten Anzahl von Kindern unter 17 Jahren die Einreise aus Deutschland und deutschsprachigen Gebieten (Österreich und Tschechien) zu ermöglichen. Mehr als 10 000 Kinder fanden dank der Kindertransporte Schutz von der antisemitischen Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten. Weitere Kindertransporte gingen nach Schweden, Belgien, Frankreich und in die Schweiz.

 

Stuart Eizenstat, Verhandlungsführer der Claims Conference, kommentierte diese Leistung: "Die Zahlung kommt zum 80sten Jahrestag des ersten Kindertransports, bei dem diese Kinder ihre schicksalhafte Reise von Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Großbritannien unternommen haben. Sie mussten die Last tragen, ein Leben lang von ihren Eltern und Familien getrennt zu sein; sie erhalten jetzt ein kleines Maß an Gerechtigkeit."

 

Greg Schneider, Executive Vice President der Claims Conference, sagte: "Wir alle müssen uns einen Moment Zeit nehmen, um an diese Anerkennung und diese Opfer zu erinnern. Niemand kann sich den Schmerz auf den Bahnsteigen vorstellen, als die Kindertransporte begannen, und die außergewöhnlichen Schritte, die diese Eltern unternommen haben, um das Leben ihrer Kinder zu retten - ein Leben, das diese Kinder ohne Mütter, ohne Väter und in vielen Fällen ohne andere Angehörige führen mussten."

 

Für viele, wie für Dorli Neal, kommt die symbolische Entschädigung zu spät. Neal kam 1938 mit einem Kindertransport nach England. Die Bilder von der Abfahrt von Wien ließen sie auch im Alter nicht los: „Am Bahnhof, das werde ich nie vergessen: (…) Da war eine Linie, da sind alle Eltern gestanden und wir waren im Zug. Ich war glücklich, ich habe meine Eltern wieder gesehen. Aber da waren Hunderte, die ihre Eltern und Familien nie wieder gesehen haben“. Neal starb 2016. Video-Interview und Nachruf: - Link

 

Der Kindertransportfonds wird am 1. Januar 2019 starten und mit der Antragsbearbeitung beginnen.

 

Links:

Über die Kindertransporte aus Wien: - Link

Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe 1: - Link

ZeitzeugInnen-Video-Interviews und Lernmodule zu den Kindertransporten: - Link & - Link

Presseaussendung der Claims Conference: Deutsch & Englisch

Times: Germany Agrees to Compensate Survivors Who Fled From Nazis as Children: - Link

DW: Überlebende der "Kindertransporte" erhalten Entschädigungen: - Link

abgelegt unter:
Denkmal „Für das Kind - Rettung jüdischer und nichtjüdischer Kinder 1938“ am Wiener  Westbahnhof. (Foto: Wien Wiki)
Denkmal „Für das Kind - Rettung jüdischer und nichtjüdischer Kinder 1938“ am Wiener Westbahnhof. (Foto: Wien Wiki)
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