Paul Sailer-Wlasits: Verbalradikalismus. Kritische Geschichte eines soziopolitisch-sprachphilosophischen Phänomens.

Das neue Buch des österreichischen Sprachphilosophen und Politologen Paul Sailer-Wlasits analysiert die Zusammenhänge und Verstrickungen von politischer Macht und Sprache. Inmitten internationaler Wahlkämpfe und „Kriege der Worte“ stellt es eine Mahnschrift gegen den Sprachmissbrauch dar. Die sprachliche Beherrschung der Massen im Nationalsozialismus wird als demagogische Pervertierung des Humanismus einer zusammenfassenden Analyse unterzogen.

Sprache und Macht befanden und befinden sich stets in unheilvoller Nachbarschaft. Doch in welcher Form begegnet uns Verbalradikalismus? Existiert er in Demokratien oder gelangt er erst in den Entgleisungen totalitärer Sprachpraxis zum Vorschein? Totalitäre Strukturen zeichnen sich u. a. dadurch aus, dass sie das Denken, Sprechen und Handeln der Menschen zu beherrschen suchen. An welcher Stelle beginnt Sprachgewalt in Gewalt durch Sprache umzuschlagen? Ist der Verbalradikalismus lediglich ein Phänomen der Moderne?

Der Autor beschreitet in der vorliegenden Studie einen geistesgeschichtlichen Weg, beginnend bei den frühesten Texten des Alten Testaments und deren semantischer Aufladung im Angesicht des göttlichen Zornes. Von dort führt er weiter, über die Blütezeiten der griechischen Rhetorik nach Rom, in das Zentrum der antiken Macht, in welchem Rhetorik und Sprachlenkung ihre größte Wirkung entfalten. Danach spannt sich der Bogen über ein Jahrtausend, von der Sprache der verfolgten Christen zur Sprache der christlichen Sieger während der Kreuzzüge.

Als politisch-sprachlicher Wendepunkt wird die Französische Revolution lebendig gemacht: als Anfang vom Ende absoluter Monarchien, als Verwirklichung des Gesellschaftsvertrages und als einzigartiger historischer Vorgang, der dem Wort zur Freiheit verhilft. Den negativen Höhepunkt dieser Chronologie des Verbalradikalismus bildet das 20. Jahrhundert. Die sprachliche Beherrschung der Massen im Nationalsozialismus wird als demagogische Pervertierung des Humanismus einer zusammenfassenden Analyse unterzogen.

Der sprachphilosophische Epilog fällt in die Gegenwart. Und auch hier wird sichtbar, dass die verbalradikale Sprache ständige Begleiterin der politischen Macht bleibt. Angekündigte Kreuzzüge gegen den Terror sind monumentale rhetorische Selbstaufträge entlang eines Weges, auf dem Worte zu Taten eskalieren.

 

Edition VA bENE, Wien–Klosterneuburg, 2012, ISBN 978-3-85167-268-8; Preis: € 19,80; Bestellung: edition@vabene.at

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Eine Mahnschrift gegen den Sprachmissbrauch
Eine Mahnschrift gegen den Sprachmissbrauch
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