Geraubte Schriften aus Österreich in der Sammlung der IKG Nürnberg - Die Julius Streicher Sammlung

Aufruf zur Mithilfe der IKG Nürnberg. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Nürnberg ist im Besitz der so genannten „Stürmer- oder Streicher-Bibliothek“, einer Sammlung von rund 10.000 durch Nazi geraubten Büchern. Diese Bibliothek den Rechtsnachfolgern zu restituieren ist der IKG ein besonderes Anliegen.

Eine Liste der Raubopfer sowie Bilder zu Schriftzügen bzw. Buchhinweisen finden Sie hier: - link

Die Liste samt Hinweisen ist frei einsehbar - es ist keine Registrierung notwendig.

Schreiben von Mag. Leibl Rosenberg, Beauftragter der Stadt Nürnberg für die Sammlung IKG, bei und bitte Sie, sich mit Forschungsergebnissen und Fragen direkt an ihn zu wenden: leibl.rosenberg@stadt.nuernberg.de

 

Geraubte Schriften aus Österreich in der Sammlung IKG

 

Am 12. März 1938 holte das nationalsozialistische Deutschland Österreich „heim ins Reich“. Damit begann eine nicht endend wollende Leidensgeschichte für die Opfergruppen der Nazis: Juden, Freimaurer, Sinti und Roma, Priester und Gläubige verschiedener christlicher Denominationen, Vertreter und Exponenten der Arbeiterbewegung. Sie wurden entrechtet, gedemütigt, verfolgt, verhaftet, ausgeraubt, vertrieben und ermordet. Bevorzugte Objekte der Begierde der neuen Herren waren  Besitztümer und Kulturgüter aller Art: Gemälde, Skulpturen, Abbildungen, Manuskripte, Schriften, Archivalien, Kunsthandwerkliche Arbeiten, Werkzeuge und Instrumente, Aktien, Kraftfahrzeuge, Möbel und Gebrauchsgegenstände aller Art. Man geht nicht fehl in der Annahme, dass es etwa 600.000 Kunstwerke, Millionen von Schriften aus ganz Europa gewesen sein müssen.

 

Ein Teil der auch in Österreich geraubten Bücher gelangte auf noch unbekannten Wegen zwischen 1933 und 1945 in den Besitz des berüchtigten Gauleiters und sogenannten Frankenführers Julius Streicher nach Nürnberg. Reste davon befinden sich heute noch in der Sammlung IKG (früher auch bekannt als „Stürmer- oder Streicher-Bibliothek“) in der Stadtbibliothek Nürnberg. Diese Schriftensammlung von knapp 10.000 Büchern ist Eigentum der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und wurde vor Jahren als Dauerleihgabe der Stadt Nürnberg übergeben. Eigentümer und Besitzer der Sammlung IKG sahen und sehen sich als Treuhänder und haben mit großem Aufwand den mühsamen Weg der Suche nach den Vorbesitzern und der Restitution der Schriften an deren Rechtsnachfolger beschritten. Bislang konnten etwa 500 Schriften an etwa 150 Personen oder Körperschaften in neun Ländern zurückgegeben werden.

 

Die Erforschung der Provenienzhinweise in den Schriften in 25 Sprachen hat über 2200 Vorbesitzer aus 500 Herkunftsorten in Europa und Übersee ergeben. Drei geographische Schwerpunkte haben sich dabei herausgeschält: Nürnberg / Franken, Straßburg / Elsass-Lothringen und Wien / Österreich. Die Restitution geraubter Kulturgüter setzt Provenienzforschung voraus, diese wiederum kann ohne Familienforschung nicht erfolgreich gestaltet werden. Der verantwortliche Beauftragte der Stadt Nürnberg für die Sammlung IKG wendet sich deshalb heute an die Genealogen und Historiker aus dem Mitarbeiter- und Benutzerkreis von GenTeam.eu mit der Bitte um Hinweise, Informationen und Forschungsergebnisse, die zur Feststellung der österreichischen Vorbesitzer, bzw. deren Erben und Rechtsnachfolger führen könnten. Die hier veröffentlichte Liste enthält trotz größter, langjähriger Bemühungen noch so manche Unrichtigkeiten und Fehlzuschreibungen, viele Spuren und Fragmente. Sie ist  - wie könnte es anders sein? - auch ein Dokument des Massenraubs, der oft in Massenmord mündete. Um eine bessere Vorstellung von den Vorbesitzern zu erhalten wurden Bilder der aufgefundenen Provenienzeinträge der Suchliste beigefügt.

 

Viele Jahre, ja Jahrzehnte sind seit dem ungeheuren Raubzug vergangen, an dem Unrecht und dem Leid der Betroffenen ändert dies nichts. Bitte prüfen Sie, ob Sie vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen können, damit auf diese Weise den Opfern ein klein wenig Gerechtigkeit widerfahren kann. Für Ihre Mühe und Arbeit seien Sie schon im Voraus von Herzen bedankt.

 

Leibl Rosenberg, M.A.

Beauftragter der Stadt Nürnberg für die Sammlung IKG

In der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg

Egidienplatz 23, Zimmer 207

90403 Nürnberg

(0049)-(0)911-231-22588

leibl.rosenberg@stadt.nuernberg.de

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