querstadtein

querstadtein – Erinnerungs- und Gedenkarbeit im öffentlichen Raum von Graz (Steiermark)

Der Verein Clio beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit der jüdischen Geschichte in der Steiermark sowie mit verdrängten Aspekten steirischer Geschichte und hier vor allem der Zeit des Nationalsozialismus. Schwerpunkte sind dabei: „Arisierung“, Antisemitismus, Widerstand, Euthanasie, Zwangsarbeit sowie der Umgang mit diesen Themen nach bzw. seit 1945.

Unsere Erinnerungs- und politische Bildungsarbeit reicht dabei von Vorträgen, Seminaren, und Rundgängen über Ausstellungen hin bis zu Dokumentationen und Buchprojekten im eigenen Verlag.

In unserem Schwerpunkt querstadtein bieten wir Exkursionen zu „Originalschauplätzen“ an, um vor Ort das Erinnern und Gedenken an das jüdische Graz, an WiderstandskämpferInnen und an die Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten.

Durch die Einbeziehung von ZeitzeugInnen, die uns vor Ort ihre Erinnerungen an das Erlebte schildern, wird sonst Unvorstellbares nachspürbar.

Die geschilderten individuellen Ereignisse und Schicksale werden ergänzt durch sozialhistorische und zeitgeschichtliche Hintergrundinformationen und so in einen gesellschaftspolitischen und historischen Gesamtkontext gestellt, um verdrängte und vergessene Geschichte verständlicher und nachvollziehbarer zu machen und sich damit diskursiv auseinander zu setzen.

Öffnungszeiten

  • Stadtexkursionen und Workshops im öffentlichen Raum: sind ganzjährig und bei jedem Wetter möglich. Kälte oder schlechtes Wetter ist jedoch – da man sich mehrere Stunden im Freien aufhält – motivations- und energiehemmend.
  • Der israelitische Friedhof und die Synagoge sind nur zu bestimmten Zeiten zugänglich und daher nur zu den aktuellen Öffnungszeiten zu besuchen. 
  • Vorträge und Informationsveranstaltungen können ganzjährig abgehalten werden.


Anmeldungen / Kosten / Unterbringungsmöglichkeiten:

  • Für die Durchführung von speziellen Gruppenterminen (max. 30 TeilnehmerInnen) wird ein Stundensatz von € 45 verrechnet. Bei Veranstaltungen mit Einbeziehung von ZeitzeugInnen bzw. ExpertInnen in eigener Sache beträgt der Stundensatz € 65. Eine Voranmeldung sollte spätestens 2 Wochen vorher telefonisch oder per Email erfolgen.
  • Für Informationsveranstaltungen und Referate wird ebenfalls pro ReferentIn ein Stundensatz von € 45,– berechnet (exklusive anfallender Fahrtkosten).

Hinsichtlich lokaler Unterbringungsmöglichkeiten ist eine Übermittlung der Daten verschiedener Unterkünfte bzw. Tourismusinformationsstellen im Bedarfsfall möglich.

Ansprechpartner und Kontakt

8010 Graz, Wickenburggase 4  
Tel. +43 (0)699 / 10390453
Fax +43 (0)316 / 685739  
querstadtein@clio-graz.net
www.clio-graz.net

Mag. Joachim Hainzl (für Exkursionen und Workshops)
Tel. +43 (0)699 / 10390453
joachim.hainzl@clio-graz.net

Mag. Heimo Halbrainer (für Buchbestellungen )
Tel. +43 (0)676 / 6485414
clio@gewi.kfunigraz.ac.at

Anfahrt: Alle im Rahmen von querstadtein angebotenen Exkursionen und Führungen werden in Graz durchgeführt. Die Ausgangspunkte befinden sich in der Innenstadt bzw. im zentrumsnahen Bereich und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus und Straßenbahn) gut erreichbar. Bei Anreise mit dem Bus sind Busparkplätze in der Nähe der Treffpunkte vorhanden.

Der israelitische Friedhof ist vom Zentrum aus durch mehrere Buslinien gut erreichbar.

Zielgruppen

  • Jugendliche bzw. SchülerInnen und StudentInnen, ab 14 Jahren
  • Erwachsene, unabhängig vom Alter
  • Für Blinde und Personen mit Sehbehinderungen sowie für Personen mit Lernschwierigkeiten gibt es individuell angepasste Führungen.

Bei Veranstaltungen im schulischen Kontext (inklusive Universität und Fachhochschulen) ist die Einbettung unseres Angebotes in einen Themenschwerpunkt von Vorteil. Eine Einführung in das Thema bzw. die Bekanntgabe von Interessenschwerpunkten ist vorteilhaft. Bei Bedarf können Informationsmaterialien bzw. Hinweise dazu gegeben werden.

Bei Stadtexkursionen ist eine Nachbereitung bzw. Dokumentation des Erlebten wünschenswert. Auch hier ist eine Unterstützung möglich.

Speziell bei Workshops mit Selbsterfahrungselementen wird schon während des Workshops über das Erlebte reflektiert. Hier ist jedoch eine Nachbereitung bzw. eine nochmalige Beschäftigung und Reflexion zu empfehlen, etwa in Form von schriftlichen Arbeiten oder mündlichen Referaten.

Unterlagen

Folgende von uns herausgegebenen bzw. verfassten Bücher sind bei CLIO zur Vertiefung in die Themen erhältlich:

  • Zwei Tage Zeit. Herta Reich und die Spuren jüdischen Lebens in Mürzzuschlag (1999)
  •  „In der Gewißheit, daß Ihr den Kampf weiterführen werdet.“ – Briefe steirischer WiderstandskämpferInnen aus Todeszelle und KZ (2000)
  • Der Koffer der Adele Kurzweil. Auf den Spuren einer Grazer jüdischen Familie in der Emigration (2001)
  • Feindbild Jude. Zur Geschichte des Antisemitismus (2003)
  • Das jüdische Graz. Stadtspaziergänge (Anfang 2004)    


Neben diesen bereits erwähnten Publikationen sind auf unserer Homepage www.clio-graz.net bereits einige Hintergrundbeiträge abrufbar. Dieses Service wird 2004 noch ausgebaut.

Über unser aktuelles Programm informieren die mehrmals jährlich erscheinenden Veranstaltungsprogramme, die auf Anfrage kostenlos zugesandt werden. 

Für Workshops und Informationsveranstaltungen werden je nach Bedarf schriftliche Unterlagen erstellt.

Clio – Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit

ist in den Bereichen Forschung, Dokumentation und Vermittlung tätig.

Arbeitsschwerpunkte im Bereich Forschung und Vermittlung sind: jüdische Geschichte in der Steiermark (vom Mittelalter bis zur Gegenwart); zeitgeschichtliche Themen des 19. und 20. Jh. mit Schwerpunkt Graz und der Zeit des Nationalsozialismus bzw. dessen Aufarbeitung nach 1945; Multikulturalität in Graz (vom 16. Jh. bis Heute); Umgang mit marginalisierten und diskriminierten Gesellschaftsgruppen (Bettler, „Irre“, Kriminelle, Schwule, …), Antidiskriminierungsarbeit, speziell im Bereich ethnisch und religiös motivierter Diskriminierung.

Die Arbeit erfolgt durch ein Team von selbstständigen ExpertInnen, das ergänzt wird durch einen Pool von ReferentInnen für spezielle Themen.

Das Team besteht aus einem Zeithistoriker, einem Sozialpädagogen und einer Mediatorin.

Die ReferentInnen besitzen ein umfangreiches Fachwissen aus den Bereichen Zeitgeschichte, Kunstgeschichte und Pädagogik.

Geldgeber sind öffentliche Einrichtungen (wie z.B. Stadt Graz, Land Steiermark, Bund), die Mitglieder des Vereins sowie projektbezogene Finanzierungspartner.

Projekt- und themenbezogen arbeitet Clio auch in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen, wie etwa: Grazer Israelitische Kultusgemeinschaft, ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, AusländerInnenbeirat der Stadt Graz, Helping Hands Graz, Afro-Asiatisches Institut, KZ-Verband, Theodor-Kramer-Gesellschaft, ETC – European Trainingscenter for Human Rights, Omega Graz, …

Arbeitsschwerpunkte

Neben den unten angeführten Exkursionen zum Schwerpunkt Nationalsozialismus / Antisemitismus / jüdische Geschichte bietet querstadtein im Schwerpunktbereich  „Gesellschaftliche Ausgrenzung, Diskriminierung und Multikulturalität“ folgende Themen an:

  • „Das afrikanische Graz“, durchgeführt von einem Politologen bzw. politischen Flüchtling  aus Kamerun
  • „Das bosnische Graz“ (ab Frühjahr 2004, in Zusammenarbeit mit bosnischen Kriegsflüchtlingen)
  • „Das welsche Graz – einstige Ressentiments gegen Italiener“
  • „Das schwule Graz“ (in Zusammenarbeit mit einem Aktivisten der Schwulenbewegung)
  • „Vielfalt der Religionen“


Ein weiterer Schwerpunkt 2004 widmet sich speziell der Arbeit mit Jugendlichen und SchülerInnen in Bereich der Antidiskriminierungsarbeit.

Dazu zählen mehrstündige Workshops mit first-hand-experiences zu folgenden Themen:

  • „Betteln in Graz“: u.a. betteln Jugendliche rund eine Stunde in der Grazer Innenstadt
  • „Muslimin sein in Graz“: u.a. schlüpfen Mädchen für eine bestimmte Zeit in die Rolle von jungen Musliminnen. Geplant ist weiters ein Austausch mit Musliminnen hinsichtlich ihrer Erfahrungen im Alltag.
  • „AusländerInnen unerwünscht? Von Lokalverboten und anderen Diskriminierungen“. Jugendliche begleiten AfrikanerInnen im öffentlichen Raum.

b März 2004 bieten wir in Zusammenarbeit mit dem AusländerInnenbeirat der Stadt Graz und dem Verein Helping Hands Graz speziell für LehrerInnen Informationsveranstaltungen zur Antidiskriminierungspolitik der EU (für den Bereich kulturell, ethnisch und religiös motivierter Diskriminierungen), ihrer lokalen Umsetzung sowie zur aktuellen Diskriminierungssituation an.

Betreuungsangebot

Zu den Themen „jüdische Geschichte“, „Antisemitismus“, „Nationalsozialismus und Widerstand“  bieten wir folgende Führungen in Graz an, die zu Gedenkorten und Gedenkpunkten (bzw. auch zu längst vergessenen, verschwiegenen oder verdrängten Orten) führen und bei welchen teilweise auch ZeitzeugInnen eingebunden sind:

  • „Das jüdische Graz im Mittelalter“ Der Rundgang folgt den Spuren der Grazer Juden, von ihrer Ansiedlung im 12. Jahrhundert bis zu ihrer Vertreibung 1497 bzw. der darauf folgenden „Judensperre“. Im Gegensatz zur immer noch vorherrschenden Meinung eines ummauerten „Gettos“ in Graz mit darin isoliert lebenden Juden, vermittelt dieser Rundgang – soweit trotz schlechter Quellenlage möglich – ein differenzierteres Bild des Lebens der Grazer Juden und der ihnen zugeschriebenen Rollen. (Dauer: ca. 2 Stunden in der Inneren Stadt)
  • „Auf den Spuren der Gründer der IKG im 19. Jahrhundert“ Erst nach 1848 haben sich vermehrt und noch „illegal“ Juden in Graz aufgehalten. Ab den 1860er-Jahren wurde ihnen der ständige Aufenthalt in Graz erlaubt. Der Rundgang führt, angefangen von den ersten Beträumen in Lokalen in den Bezirken Gries und Lend über die erste Synagoge bis zum Amtshaus und der Synagoge am David-Herzog-Platz in die Gründungszeit der Grazer Israelitischen Kultusgemeinde. (Dauer: ca. 2 Stunden in den Grazer Bezirken Lend, Gries und Jakomini)
  • „Orte des ewigen Friedens – Der Israelitische Friedhof in Graz“ Der jüdische Friedhof ist ein Sinnbild der Vergänglichkeit allen Lebens und im Erscheinungsbild eng mit den im Judentum festgelegten Glaubensvorschriften verknüpft. Er wurde bereits 1864 angelegt und gibt mit seinen Grabsteinen aufschlussreiche Einblicke in die Geschichte des Grazer jüdischen Lebens im 19. und 20. Jahrhundert. (Dauer: ca. 2 Stunden am Israelitischen Friedhof, Wetzelsdorferstraße/Alte Poststraße)
  • „Antisemitismus und Arisierung“ in Graz am Beispiel der Familie Goldberger. Walter Goldberger wuchs in den 1930er-Jahren in einem antisemitisch geprägten Graz auf. Bereits 1929 tauchte sein Großvater in einem Verzeichnis boykottierter jüdischer Geschäfte auf. Nach dem „Anschluss“ wurde das Wohnhaus der Familie „arisiert“. Walter Goldberger überlebte die Zeit des Nationalsozialismus als U-Boot. Heute erinnert im Grazer Griesviertel mit Ausnahme der neu errichteten Synagoge nichts mehr an seine ehemaligen jüdischen Be¬woh¬nerInnen. Der Rundgang, bei dem auch Walter Goldberger als Zeitzeuge berichtet, führt uns zum einen zu Gedenkpunkten der Familie Goldberger, zum anderen auch zu Orten, die Einblick geben in die Geschichte des Antisemitismus in Graz und der „Arisierung“ im Jahre 1938. (Dauer: 2 bis 2,5 Stunden im Bezirk Gries).
  • „So hat Graz sich verändert. Von der ‚Stadt der Volkserhebung‘ zur Kulturhauptstadt Europas.“ Eine im Rahmen eines 2003-Projekts am ehemaligen Sitz der Gestapo angebrachte Gedenktafel erinnert an das Schicksal von Maria Caesar, die als Widerstandskämpferin während der Zeit des Nationalsozialismus in Graz inhaftiert war. Gemeinsam mit Maria Caesar versuchen wir Antworten zu finden auf die Fragen: Wie wirkte sich das NS-System auf verschiedene Lebensbereiche aus? Wie wurde Widerstand geleistet? Was haben wir aus dieser Zeit gelernt und welche Orte erinnern noch an diese Zeit? (Dauer: ca. 2 Stunden in der Inneren Stadt).
  • „Widerstand im Nationalsozialismus“. Thematisch enger als der Rundgang mit Maria Caesar widmet sich dieser speziell den Orten, an welchen während des Nationalsozialismus WiderstandskämpferInnen tätig gewesen sind sowie Gedenkstätten und Gedenkorten, an welchen an sie erinnert wird. Es werden Gedenkorte besucht, die das zwiespältige Verhältnis Österreichs zur Rolle im Nationalsozialismus beleuchten. (Dauer: ca. 2 Stunden in der Inneren Stadt).
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