Stalag XVIII C (317) Markt Pongau

Kriegsdenkmäler und eine Kriegsgräberanlage, auch als „Russenfriedhof“ bezeichnet, erinnern an das ehemalige NS-Kriegsgefangenenlager „Stalag XVIII C (317) Markt Pongau“ (Salzburg).

Denkmäler, Gedenktafeln und Grabsteine im „Russenfriedhof“, im Ortsfriedhof und auf dem Weg zum Schwimmbad erinnern heute in St. Johann/Pg. an die fast 4.000 Toten des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers „Stalag XVIII C (317) Markt Pongau“.

Dazu die Online-Borschüre von Michael Mooslechner: Das Kriegsgefangenenlager „Stalag XVIII C (317) Markt Pongau“. Todeslager für sowjetische Soldaten. Hintergründe eines nationalsozialistischen Verbrechens in St. Johann/Pongau während des Zweiten Weltkriegs. - link

Im September 1939 wurde auf Antrag der St. Johanner Gemeindevertretung der Ortsname „St. Johann im Pongau“ offiziell in „Markt Pongau“ abgeändert. Der Ort hatte damals 4.000 Einwohner.

Im März 1941 wurde der Bau eines Kriegsgefangenenlagers für bis zu 10.000 Kriegsgefangene und einer Wachmannschaft von 1.000 Mann geplant. Das Stalag (=Stammlager) war noch voll im Bau, als die ersten Kriegsgefangenen aus Frankreich im Sommer 1941 eintrafen. Im Südlager (Firma Schicht bis zur Salzachbrücke) wurden vor allem Franzosen, Serben und Polen untergebracht, im etwas später errichteten Nordlager (Rainerhof bis zur Firma Baumann) die sowjetischen Kriegsgefangenen. Da die Baracken für die große Zahl der Kriegsgefangenen nicht ausreichten, wurden auch Zelte errichtet. Zeitweise waren bis zu 30.000 Menschen untergebracht, die Franzosen (bis 10.000) bildeten zahlenmäßig die stärkste Gruppe, die sowjetischen Kriegsgefangenen die zweitstärkste. Die Kriegsgefangenen wurden zu Zwangsarbeiten in Betrieben und in der Landwirtschaft eingesetzt. Besonders schlecht erging es den russischen Gefangenen, als „minderwertige Ostmenschen“ lebten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen. Täglich starben an die 40 Russen an Unterernährung und verschiedenen Krankheiten. Da der Platz im Ortsfriedhof nicht mehr ausreichte, entstand eine neue Grabstätte in der Nähe des Lagers, heute als „Russenfriedhof“ bezeichnet. Insgesamt sind etwa 4.000 Kriegsgefangene, vor allem aus Russland, im Lager umgekommen.

Ansprechpartner und Kontakt

5600  St. Johann/Pg., Sparkassenstr. 19/2  
Tel./Fax: +43 (0)6412 / 5747  
annemarie.zierlinger@sbg.at

Annemarie Zierlinger

Zielgruppe

Ab der 4. Klasse Hauptschule oder Gymnasium (14. Lebensjahr)

Unterlagen

Zur Vor- und/oder Nachbereitung sind folgende Publikationen empfehlenswert:

  • Stadler, Robert/Mooslechner, Michael: St. Johann/Pg. 1938 – 1945. Eigenverlag
  • Mooslechner, Michael: Das Kriegsgefangenenlager STALAG XVIII C „Markt Pongau“, Broschüre 2005

Erhältlich unter: www.markt-pongau.at

Neues Unterrichtsmedium: Film „Stalag XVIII C Markt Pongau“ Diesese Doku-Drama ist als ideale Form der Vermittlung historischer Inhalte für 10- bis 14-jährige Schüler und Schülerinnen geeignet - lesen

Trägerinstitution

Zuständig für die Gedenkstätte ist die Gemeinde St. Johann/Pg., das Innenministerium und das Schwarze Kreuz.

Herr Adolf Schwaiger, Mitglied des Schwarzen Kreuzes, betreut seit 1967 ehrenamtlich die Gedenkstätten. Um zum Friedhof zu gelangen, muss er einen privaten Bahnübergang und eine private Straße benützen. Im Herbst 2006 wurde er wegen Befahrens dieser Bereiche bestraft. Über Intervention der Stadtgemeinde erfolgte die Zurücknahme der Strafe in der Höhe von 160 Euro.

Das Problem aber bleibt. Derzeit führt kein öffentlicher Weg zum „Russenfriedhof“. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Johann/Pg. führten daher eine Unterschriftenaktion durch, „aus Respekt den Opfern und Angehörigen gegenüber einen öffentlichen Zugang zu schaffen.“ Nach der Übergabe  der Unterschriftenliste und mehreren Gesprächen  mit dem Bürgermeister teilte er mit, 2007 einen öffentlichen Zugang zu schaffen.

Arbeitsschwerpunkte

Im Rahmen des Zeitgeschichteunterrichtes des Gymnasiums St. Johann/Pg. fanden und finden mit den SchülerInnen Gedenkfeiern statt. Zu Allerheiligen führt auch die Pfarre eine Gedenkveranstaltung durch.

Auch andere St. Johanner Schulen gestalten Lehrausgänge, um an Ort und Stelle etwas über die regionale NS-Vergangenheit zu erfahren.

Leider führt derzeit kein Weg zum Friedhof.

Betreuungsangebot

Nur private Führungen und Projektbetreuungen im Rahmen des Zeitgeschichteunterrichtes.

Kombinat Media Gestalteer GmbH