12. März 1938: Nationalsozialistische Machtergreifung - "Anschluss"

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Quellen:

Und am Tag des Einmarsches von Hitler ist alles um ein Radio gesessen, was an Familie da war. An das kann ich mich noch erinnern, alle Familienmitglieder sind um das Radio gesessen und haben dann furchtbar geweint. Das war die Ansprache von Schuschnigg, da hat er zum Schluss gesagt: Gott beschütze Österreich! Da hat alles geweint. An das kann ich mich schon noch erinnern.

Ingeborg Guttmann, Wien

 

Und das ging so die ganze Nacht. Man hörte also die Geräusche der einfahrenden Panzer, und das jubelnde Heil-Hitler Geschrei. Und in dieser Nacht sagten unsere Eltern uns: „Wir sind Juden, allesamt. Ihr seid Juden und ihr müsst jetzt damit rechnen, dass ihr vogelfrei seid. Unser Leben wird sich sehr verändern.“ Meine, meine Mutter weinte, also wirklich schrecklich, und aus lauter Rührung weinte ich mit, obwohl ich wirklich wahrscheinlich mit meinen achtzehn Jahren das volle Ausmaß noch nicht erkannte.

Ilse Aschner, Wien

 


 

Ilse M. Aschner, geb. 1918 in Wien, wird 1938 von der Universität verwiesen und kann wie ihr Bruder nach England fliehen. Die Eltern werden von den Nationalsozialisten ermordet.
Ausschnitt: "Ausschluss aus der Universität"
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Am nächsten Tag bin ich nach wie vor um halb sieben aufgestanden oder um sechs, weil ich um halb acht im Salon sein musste. Ich geh zu Fuß ... bei uns im 20. Bezirk hat man nicht viel gespürt, aber dann, dann, ich weiß nicht, so näher, so zur Brigittenau, zum Zentrum zu, Massen auf den Straßen, und Kolonnen von deutschen Soldaten. Ich konnte nicht mehr durch. Ich wollte dann mit der Straßenbahn fahren, was ich nie getan habe, damit ich rechtzeitig im Geschäft bin, im Salon. Keine Straßenbahn gegangen. Es waren schon Massen, Massen auf den Straßen, 90% schon mit den Binden, sehr viele in SA-Uniformen ... und die Straßen waren voll Menschen, so dass ich zitternd ins Geschäft gekommen bin, so um halb zehn, mich hundert mal entschuldigt hab, hat sie nur gesagt, die Chefin: „Ja du kannst nix dafür, es ist der Einmarsch.“ In der Wohnung hat sich dann natürlich einiges abgespielt. Erstens einmal hat man versucht, uns immer wieder, also die Männer, zum Reiben holen, die erste Zeit.

Sophie Haber, Wien


Of course all the businesses had the word Jew written over the windows. We had a SA man in uniform standing outside the business while it was still going. And they stood in front of the business and if ever a customer wanted to come in: “Do you know this is a Jewish shop, we advise you not to enter.” Some did some of course didn’t.

Dorli Neale, Innsbruck

(Transkripte von Interviewausschnitten von dem DVD-Lernprogramm "Das Vermächtnis", das von _erinnern.at_ im Mai 2008 präsentiert wird. Die Interviews sind aus dem Archiv der USC Shoah Foundation Institute for  Visual History and Education. Die Rechte an den Interviews liegen bei der USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Education (Los Angeles) - link)

 

Unterrichtsbehelf: Stockerau, März 1938. - download

Lernmaterial von _erinnern.at_ (u.a. Interviewausschnitte - DVD "Das Vermächtnis") : - link

Demokratiezentrum Wien: Gedenktage online - Virtueller Materialienkoffer zur Beschäftigung mit Gedenktagen. 11./12./13. März - link

Maria Ecker: "Allmählich ist meine Welt fast leer geworden …" Österreichisch-Jüdische Frauen in Wien, 1938-1941. In: Evelyn Steinthaler (Hg.): Frauen 1938. Verfolgte – Widerständige – Mitläuferinnen. Wien 2008, S. 129 - 140. Dieser  Beitrag beleuchtet u.a. das bisher wenig beachtete Thema der sexualisierten Gewalt. - download

Dossier zum März 1938 von "Zentrum Polis": Ein breites Angebot an Gedenkveranstaltungen, Tagungen, TV- und Radiosendungen sowie Literatur und Unterrichtsmaterialien. Das Dossier wird laufend aktualisiert und erweitert. - link.

1938. Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerunge. Dieter J. Hecht, Eleonore Lappin, Michaela Raggam-Blesch, Lisa Rettl, Heidemarie Uhl (Hg.). Publikation im Auftrag des bmukk (Politische Bildung) zum März 1938 / 2008  - link

Helen und Ross Baker lebten 1938 in Wien. Briefe, ein Tagebuch und Originalfilmmaterial sind erhalten. Siehe: The Baker Collection, United States Holocaust Memorial Museum;  Ross Baker-Filmmaterial zu 1938: - link

Die Geschichte der nationalsozialistischen Machtergreifung (Ausstellung des DOEW) - link

Martin Pollak: "Des is a Hetz und kost net viel." Szenen der Erniedrigung: Nach dem Anschluss im März 1938 kommt es in Wien zu Ausschreitungen gegen Juden - neu aufgetauchte Fotos belegen unmenschliche "Reibpartien". Martin Pollak, Der Standard, 2./3. 3. 2013) - link

Vortrag von Ingo Zechner an der VHS Wien-Hietzig: Blick hinter die Kulissen des NS-Regimes mit seltenen Filmdokumenten: 1. Teil: - link 2. Teil: - link

Aufnahme vermutlich März 1938, Leopoldstadt. Eine der "Ikonen", die in verschiedenen Schulbüchern mit unterschiedlichen Bildunterschriften wieder gegeben werden. Aus: Österreich 1938 – Vorspiel zur Shoah. Broschüre zum März 1938 / 2008 Hgg. v. Dieter J. Hecht / Eleonore Lappin / Michaela Raggam-Blesch / Lisa Rettl / Heidemarie Uhl. .
Aufnahme vermutlich März 1938, Leopoldstadt. Eine der "Ikonen", die in verschiedenen Schulbüchern mit unterschiedlichen Bildunterschriften wieder gegeben werden. Aus: Österreich 1938 – Vorspiel zur Shoah. Broschüre zum März 1938 / 2008 Hgg. v. Dieter J. Hecht / Eleonore Lappin / Michaela Raggam-Blesch / Lisa Rettl / Heidemarie Uhl. .
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