1938: Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen

Publikation zum März 1938 / 2008. Hgg. v. Dieter J. Hecht / Eleonore Lappin / Michaela Raggam-Blesch / Lisa Rettl / Heidemarie Uhl

Das Jahr 1938 aus der Perspektive der jüdischen Bevölkerung

"1938 – Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen"  zeichnet die Erfahrungen von Jüdinnen und Juden vom „Anschluss“ im März 1938 bis zum Ende dieses Jahres nach. Bilder, Dokumente und autobiografische  Erinnerungen geben Auskunft über den antisemitischen Terror und die schrittweise Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, die den Auftakt zu den kommenden Massenmorden bilden sollte.

 

„Anschluss“ 1938 als Markstein in der Geschichte der Shoah

Der „Anschluss“ Österreichs im März 1938 hatte eine Radikalisierung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten Deutschen Reich zur Folge: Die pogromartigen Gewaltexzesse in Wien und in anderen österreichischen Städten schrieben sich in die Geschichte der Shoah, der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im nationalsozialistischen Machtbereich, ein. In Wien hat Adolf Eichmann sein System der staatlich-institutionellen Beraubung, Vertreibung und Erfassung der jüdischen Bevölkerung eingeführt, das schließlich zu den Massendeportationen der europäischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtung weiterentwickelt wurde.

Abschied von der Opferthese

"1938 – Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen" bezieht den ikonischen Gedächtnisort „1938“ nicht primär auf die geläufige Debatte um die Opferthese, sondern auf die Geschichte der Shoah. Diese Perspektive in den Vordergrund zu rücken, entspricht nicht allein dem historischen Selbstverständnis der Mitverantwortung Österreichs an den Verbrechen des NS-Regimes, das sich seit der Waldheimdebatte 1986 und dem Gedenkjahr 1938/88 herauskristallisiert hat, sondern insbesondere auch dem Stand der wissenschaftlichen Forschung: der „Zivilisationsbruch Auschwitz“ gilt als Zentralereignis des 20. Jahrhunderts, wenn nicht der Geschichte der Moderne.

"1938Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen" zeichnet die Erfahrungen der jüdischen WienerInnen und ÖsterreicherInnen vom „Anschluss“ im März bis zum Ende des Jahres 1938 nach. Auf die Misshandlungen und Demütigungsrituale sowie die privaten und behördlich angeordneten Plünderungen und die Verhaftungen des „Anschluss“-Pogroms folgten die rasche wirtschaftliche, berufliche und gesellschaftliche Ausgrenzung durch „Arisierungen“, Berufsverbote, Einschränkung der Bildungsmöglichkeiten und unzählige behördlich verordnete Beschränkungen – bis hin zum Verbot, Parks zu betreten.
Das Novemberpogrom bildete den vorläufigen Höhepunkt der NS-Verfolgungspolitik mit dem Ziel, die jüdische Bevölkerung aus dem Deutschen Reich zu vertreiben, ihr Eigentum aber einzubehalten. Die Im Sommer 1938 von Adolf Eichmann eingerichtete „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ wurde dabei zur organisatorischen Keimzelle des Holocaust.

"1938Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen" wählt bewusst die Perspektive der jüdischen Verfolgten. Nach 1945 fand die Erinnerung an die mehr als 65.000 österreichischen Opfer der Shoah lange Zeit kaum Eingang in das österreichische Geschichtsbewusstsein: Die Zweite Republik stellte sich selbst als „erstes Opfer“ des Nationalsozialismus dar. Den Jüdinnen und Juden, die durch das NS-Regime verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, eine Stimme zu geben, dem Gedächtnis an die Opfer der Shoah im Gedenkjahr 2008 Präsenz zu verleihen, ist ein Ziel dieser Publikation.

Neue Darstellungsformen: Verschränkung von Orten – Bildern – Erinnerungen

Die Darstellung der Geschichte des Jahres 1938 aus der Perspektive der jüdischen Bevölkerung verwendet neue Formen historischen Erzählens: Lebensgeschichtliche Erinnerungen von ZeitzeugInnen werden mit konkreten Orten und Bildmaterial verknüpft sowie durch Dokumente und wissenschaftliche Kommentare ergänzt.

 COVER: Melissa GouldSOUVENIR WIEN 1938“

Für die Coverillustration konnte Melissa Gould gewinnen werden, eine New Yorker Künstlerin, deren Vater aus Wien geflüchtet ist und deren Großvater in Auschwitz ermordet wurde. Die Installation “SCHADENFREUDE", die auf dem Cover zu sehen ist, war im Jahr 1995 im Imperial War Museum, London ausgestellt.

Der Blick in eine Ausstellung als Leitmotiv - das berührt auch unsere Leit-Vorstellung: "1938. Auftakt zur Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen" als virtuelle Ausstellung, die in Bildern und Lebenszeugnissen das Jahr 1938 aus der Perspektive der jüdischen ÖsterreicherInnen nachzeichnet.

Credits Cover: Melissa Gould, Installation “SCHADENFREUDE",Imperial War Museum, London, England, 1995. (c) 1993-1995 Melissa Gould (MeGo), New York City.

Vorderseite: Fotografie „SOUVENIR WIEN 1938 REIBBÜRSTE" / Tapetenmuster: linke Wand: „TRAG ODER SCHLEPP?“ („CARRY OR DRAG?“), rechte Wand: „RAUS!“, („OUT!“), Fries: „NASEN MOTIV“ („NOSE MOTIF“).

Rückseite: Fotografie „SARA/ISRAEL-ZAHNBÜRSTEN" / Tapetenmuster: „RAUS!“, („OUT!“), Fries: „NASEN MOTIV“ („NOSE MOTIF“).

Installation photograph (c) 1995 Edward Woodman, London, England.

 

„SOUVENIR WIEN 1938“

 „Ich konzipierte diese Objekte – die „Souvenir Wien 1938 Reibbürste“ und ihr Begleitstück, die „Sara/Israel Zahnbürsten“ –, um an Wien im Jahr 1938 zu erinnern, als Juden gezwungen wurden, die Straßen mit Bürsten – auch mit  ihren Zahnbürsten – zu reinigen. Mein Großvater (Dachau, November 1938; Auschwitz, November 1942, ins Gas geschickt wenige Stunden nach seiner Ankunft) war einer von ihnen - kniend, eine Bürste in der Hand.
Melissa Gould, New York City, 2008


Ein kostenloses Exemplar erhalten alle Schulen ab der 5. Schulstufe vom BMUKK  (Erlass GZ 33.466/10-V/11/2008). Auch im Buchhandel erhältlich.

Milena Verlag; 48 Seiten,  72 Abbildungen; Coverillustration: Melissa Gould; Fotografie: Edward Woodman; Covergestaltung: Larissa Cerny; Wien 2008; ISBN 978 3 95286 165 4

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