Gedenkkonzert Novemberpogrom Annelies (Schulkonzert und Abend)

Zum 80. Jahrestag des Novemberpogroms veranstaltet der Madrigalchor ein Gedenkkonzert im Klagenfurter Konzerthaus auf Basis von Texten aus Anne Franks Tagebuch. "Annelies" von James Whitbourn Schulkonzerte am 9.11. und Abendvorstellung am 10.11.2018
09.11.2018 09:30   -  10.11.2018 22:00   |  

In einem Gedenkkonzert anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht bringt der Kärntner Madrigalchor gemeinsam mit der Sopranistin Marie-Antoinette Alice Stabentheiner, einem Kammerensemble und der Tänzerin Anna Possarnig „Annelies“ von James Whitbourn am 10. 11. 2018 im Konzerthaus Klagenfurt zur Aufführung. Zuvor wird das Werk am 9. 11. zweimal in Konzerten für Schulklassen zu hören sein.
Das Tagebuch von Anne Frank hat, als ein berührendes persönliches Dokument, vielen Jugendlichen und Erwachsenen einen Blick auf einen Ausschnitt der europäischen Zeitgeschichte ermöglicht, der angesichts von Opferzahlen, Bildern und auch trotz vieler Erzählungen oft entmenschlicht und schwer zu verstehen scheint. Die Tagebucheinträge aus der Zeit im Versteck von Juli 1942 bis August 1944 berichten eben nicht nur von der Gefahr der Entdeckung, sondern auch der Lebensneugier einer Teenagerin und der Freude über eine scheinbar nahe Befreiung nach der Landung der Alliierten, knapp vor der Entdeckung und Deportation. Der britische Komponist James Whitbourn hat Auszüge aus Anne Franks Tagebuch vertont und spannt dabei einen Bogen von der erzwungenen Stille im Versteck über eine musicalhaft melodische Ausgelassenheit bis hin zur starren, bleischweren Atmosphäre im KZ Bergen-Belsen.
Es ist die erste Aufführung von Whitbourns Werk in Kärnten und sie steht im Zeichen des Gedenkens an die Reichspogromnacht am 9. 11. 1938 und die spätere antisemitische Verfolgung und Ermordung von Juden in unserem Bundesland.


Schülerkonzerte
Freitag 9. 11. 2018, 9h30 und 11h15, Dauer ca. 90 min
Konzerthaus Klagenfurt
Eintritt: 6€
Anmeldungen bis 25. 10. 2018 unter sylvia.schratter@a1.net oder 0650 31 86 020


Mitwirkende
Marie-Antoinette Alice Stabentheiner (Sopran)
Simon Pibal (Klarinette), Zsuzsanna Bolimowski-Fajkusz (Violine) Klara Wetzel (Violoncello), Martin Listabarth (Klavier)
Anna Possarnig (Tanz)
Kärntner Madrigalchor Klagenfurt
Melissa Dermastia (musikalische Leitung)


Kontextinformation
Die Ausreisebemühungen der Familie Frank und die Ereignisse des Jahres 1938
Während der erste Tagebucheintrag kurz vor der Übersiedlung in das Versteck in Amsterdam entstand, reichen die Bemühungen Otto Franks, seine Familie vor der drohenden Verfolgung in Sicherheit zu bringen, bereits Jahre vor die deutsche Besetzung der Niederlande zurück. Bereits 1936 zeigt er sich in einem Brief besorgt, dass die bedrohliche Lage sich aus dem Nachbarland auf die Niederlande ausweiten könnte. 1938 beantragt er in Rotterdam Einreisevisa für die Vereinigten Staaten. Es ist das Jahr, in dem der ‚Anschluss‘ Österreichs erfolgt und die öffentliche antisemitische Gewalt in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 – gerade auch in österreichischen Städten – einen neuen Höhepunkt erreicht. Ob Otto Franks Bemühungen um Ausreisevisa eine Reaktion auf die Gräuel der Reichspogromnacht waren, lässt sich nicht feststellen, da die Anträge bei einem Luftangriff mit den Akten des amerikanischen Konsulats in Rotterdam zerstört wurden und nicht genauer datiert werden können.
Die Familie Frank war nur eine von vielen jüdischen Familien, die sich um die Ausreise in ein sicheres Land bemühte. Dies wurde auch durch eine restriktive Einreisepolitik der Aufnahmeländer erschwert. Im Juli 1938 fand im französischen Evian eine internationale Konferenz zur Frage der Aufnahme der (großteils jüdischen) Flüchtlinge statt. Obwohl die Vertreter wichtiger Fluchtländer wie den USA oder Großbritannien die Judenverfolgung kritisierten und diplomatische Bekenntnisse zur Unterstützung der Geflüchteten ablegten, wurden dennoch bestehende Aufnahmequoten beibehalten und in den Folgejahren weitere restriktive Bestimmungen erlassen. Im Fall der USA entsprach dieses politische Vorgehen auch einem Umschwung in der öffentlichen Meinung und der Angst vor der Infiltration durch deutsche Immigranten. Dies führte zu jahrelangen Wartezeiten bei Einreiseanträgen. Im Fall der Familie Frank – die sich auch erfolglos um Visa anderer Staaten u.a. in Südamerika bemüht hatte – kamen der deutsche Einmarsch und in der Folge die systematische Deportation und Ermordung von Juden ihren Fluchtbemühungen zuvor.
Diese Darstellung beruht auf Recherchen und einer gemeinsamen Online-Publikation des Anne-Frank-Hauses Amsterdam und des US Holocaust Memorial Museum, Washington D.C. vom Juli 2018:
http://www.annefrank.org/ImageVaultFiles/id_19252/cf_21/USHMM-AFH_July2018.PDF


Weitere Materialien
Zur inhaltlichen Vorbereitung im Unterricht kann u.a. auch die Sammlung von Unterrichtsmaterialien des Anne Frank Hauses herangezogen werden:
https://www.annefrank.org/de/bildungsarbeit/unterrichtsmaterialien/
Aufnahmen von James Whitbourns Annelies sind neben Videos von Live-Aufführungen (YouTube) auch auf CD erhältlich
http://www.jameswhitbourn.com/music/recordedworks
Partitur (online zugänglich in geringer Auflösung)
https://issuu.com/scoresondemand/docs/annelies_chamber_35740

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