Buchpräsentation: Ein Österreicher im GULAG

Die Erinnerungen von Sepp Österreich alias Boris Brainin sind erschienen. Bezirksmuseum Hietzing, Am Platz 2, 1130.
08.05.2019  |  18:30  -  21:00   |  

Boris Brainin ist ein österreichischer Exilautor, Übersetzer, Satiriker und Nachdichter. Er floh vor dem Faschismus in die Sowjetunion, wurde verhaftet und kam in den Gulag. Zwischen 1985 und 1993 schrieb er seine Lebenserinnerungen. Im Plinum Literatur Verlag erschienen 30 Jahre nach seinem Tod nun seine Aufzeichnungen als „Erinnerungen eines Arbeitspferdes“. Nach Jahrzehnten in der Sowjetunion konnte Boris Brainin in den neunziger Jahren wieder nach Österreich zurückkehren. 

 
Zur Buchpräsentation im Bezirksmuseum Hietzing reist der Sohn Valerie Brainin aus Deutschland an. Herausgeber Erwin Matl berichtet über seinen Zugang zur Geschichte und der Historiker Robert Streibel schildert seine Begegnungen mit dem Dichter in Moskau.

 

Eine Herausgabe in den 1990er Jahren, wie sie von Robert Streibel geplant war, kam nicht zustande, da Boris Brainin keinen auch noch so kleinen Änderungen des Textes zustimmen wollte. Das Projekte ruhte und der Zufall führte Regie. Boris Brainin durfte nach Ende seiner Haft im Gulag nicht nach Moskau zurück und unterrichtete Deutsch in Nishni Tagil, einer Stadt im Ural, nördlich von Swerdlowsk. Erwin Matl, der die Hainburger Autorenrunde begründete und viele internationale Projekte durchgeführt hat, kam in Kontakt mit der Deutschen Schule in Swerdlowsk. In Gesprächen traf er immer wieder auf Lehrerinnen, die bei Boris Brainin Deutsch gelernt hatten und von ihm in den hellsten Tönen schwärmten. So angeregt suchte Erwin Matl den Kontakt zum Sohn Valerie Brainin und gemeinsam betreuten sie die Herausgabe der Erinnerungen.

 

„Natürlich war das Leben im Gulag ein Alptraum, aber in den Memoiren meines Vaters wird der Leser nicht nur die schrecklichen Seiten finden. Unter den Protagonisten, die das Leben meines Vaters im Lager begleiteten, waren sowohl negative als auch positive Charaktere, unabhängig davon, ob es sich um Wachleute, politische Gefangene oder Kriminelle handelte. Mein Vater war von Natur aus Optimist. Er konnte in allen Lebenslagen etwas Positives und sogar Humorvolles sehen. In Wirklichkeit war das Leben im Lager wahrscheinlich schlimmer als er erzählen wollte. Aber genau das, also seine ungewöhnliche sicht der Dinge, macht diese Erinnerungen so originell.“ (Valerie Brainin)

(c) Pilum Verlag
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