Der Novemberpogrom in Salzburg – "Rings um uns waren nur Feinde.“

Vor 80 Jahren begann mit dem Novemberpogrom die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass möchten wir Geschichten der Verfolgung aus allen Bundesländern aufzeigen und in Erinnerung halten.

In der Stadt Salzburg, im nahen Hallein und in der Tourismus- und Kurgemeinde Bad Gastein werden Jüdinnen und Juden Opfer dieser Ausschreitungen, es gibt jedoch keine Toten. In der Gauhauptstadt zerstören die Trupps die Scheiben und das Mobiliar der Synagoge, die sie nur aufgrund der dichten Bebauung nicht in Brand setzen. Ihr vorrangiges Ziel sind Geschäfte im Besitz von Jüdinnen und Juden.

So schlagen die Randalierer die Auslagen und Fensterscheiben der „Wäsche- und Wirkwarenhandlung“ der 65-jährigen Anna Pollak in der Rainerstraße ein und rauben ihre Waren. Die Inhaberin selbst muss noch im November in eine „Sammelwohnung“ nach Wien übersiedeln, von wo sie 1942 nach Treblinka deportiert und dort ermordet wird.

 

Als direkte Folge des Pogroms entziehen die NS-Behörden in Salzburg Jüdinnen und Juden die Gewerbeberechtigung, Neuanträge genehmigen sie keine mehr. Besonders schwer wiegen die Verhaftung von über 60 jüdischen Männern und deren teilweise Überstellung in das KZ Dachau. Die meisten kommen im Lauf der nächsten Wochen und Monate wieder frei, vor allem, wenn die Familie nachweist, dass sie Salzburg verlassen wird. Wer emigrieren will, so auch in die USA, braucht eine Bürgschaft von Verwandten oder Bekannten im Land, ein sogenanntes Affidavit.

 

Mit Grauen erinnert sich Irene Fürst, die mit ihrem Ehemann Arthur ein Geschäft in der Linzer Gasse in der Stadt Salzburg führte, an die Tage nach der „Kristallnacht“: „Dann brachte man meinen Mann nach Dachau. Jeder, der ein Affidavit hatte, konnte entlassen werden. Ein Bekannter half uns, und mein Mann durfte gehen. Aber ich weiß eigentlich nicht mehr, wie ich das alles durchgestanden habe. Es war nicht leicht, ruhig zu bleiben, rings um uns waren nur Feinde.“

 

Wem die Flucht gelingt, der muss seinen Besitz zurücklassen und mittellos einen Neuanfang in einem fremden Land wagen. Wer Salzburg nicht verlassen kann, gerät in die Maschinerie von zunehmend radikalerer Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung.

 

Vor 80 Jahren begann mit dem Novemberpogrom die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass möchten wir Geschichten der Verfolgung aus allen Bundesländern aufzeigen und in Erinnerung halten. Die Berichte stammen Großteils aus unseren Sachbüchern „Nationalsozialismus in den Bundesländern“. Hier finden Sie die Berichte über den Novemberpogrom aus allen Bundesländern: - Link

 

Buch:  "Nationalsozialismus in Salzburg. Opfer - Täter - Gegner" von Johannes Hofinger:.

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Das von antisemitischen Randalierern zerstörte Geschäft von Anna Pollak in den Tagen nach dem Pogrom. Bildnachweis: Stadt Archiv Salzburg.
Das von antisemitischen Randalierern zerstörte Geschäft von Anna Pollak in den Tagen nach dem Pogrom. Bildnachweis: Stadt Archiv Salzburg.
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