Deserteursdenkmal in Goldeg

Der Pongauer Holzarbeiter Karl Rupitsch wurde im Oktober 1944 in Mauthausen ermordet. Er hat den Dienst in der Wehrmacht verweigert. Seine Tochter kämpft bis heute um seine Rehabilitation. Aus dem Plan, zum 70. Jahrestag im Hof von Schloss Goldegg am 2. Juli 2014 eine vom Künstler Anton Thuswaldner entworfene Steinplatte mit den Namen der 14 Ermordeten zu verlegen, wird aber nichts.

Am 2. Juli jährte sich der Sturm einer rund eintausend Mann starken Todesschwadron der SS auf die Verstecke einer kleinen Gruppe von Wehrmachtsdeserteuren im Pongauer Goldegg zum 70. Mal. Im Zuge der SS-Aktion wurden mehrere Menschen erschossen, andere wurden in Konzentrationslager gebracht und ermordet. Insgesamt 14 Menschen haben ihr Leben verloren.

Mit Unterstützung des renommierten Salzburger Zeithistorikers Michael Mooslechner bemüht sich Brigitte Höfert seit vielen Jahren um einen Gedenkstein für die Goldegger Nazi-Opfer. Die heute 74-Jährige ist die Tochter von Karl Rupitsch - dem Anführer der Wehrmachtsdeserteure.
Nicht nur der ÖVP-Bürgermeister ist gegen die Aufstellung eines Gedenksteins an diesem Ort, sondern auch der "grüne" Obmann des Goldegger Kulturvereins Cyriak Schwaighofer.
Deshalb:

Gedenktafel nun bei der Gebietskrankenkasse

Weil sich die Bürgerversammlung in Goldegg nicht einigen konnte und viele Anwohner sehr unterschiedlicher Meinung sind, wurde die von Höfert in Auftrag gegebene Gedenktafel weder in der Ortsmitte noch am nahegelegenen Böndlsee angebracht. Stattdessen wird das Deserteur-Denkmal nun am Privatgelände der Salzburger Gebietskrankenkasse, an einem Spazierweg des Erholungsheims angebracht.

„Wir stellen gern unseren Grund für die Gedenktafel zur Verfügung – solange es keinen geeigneteren Platz gibt. Die Sozialversicherung ist nach 1945 bewusst aufgebaut worden, um dem Entstehen totalitärer Regime durch eine breite soziale Absicherung entgegenzuwirken. Wir finden es deshalb wichtig, sich an diejenigen zu erinnern, die sich gegen das totalitäre NS-Regime aufgelehnt haben und diesem zum Opfer fielen“, begründet der SGKK-Obmann Andreas Huss die Entscheidung." - link

Übergabe: Freitag, 8. August 2014 um 16.00 Uhr im Rahmen eines feierlichen Aktes mit Festredner Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek (Universität Wien)

Thomas Neuhold: Kein Denkmal für Deserteure (In: "Der Standard", 12. Mai 2014): - link
Kaiser Heinz: Vergangenheitsbewältigung: wie wie? In: Salzburger Nachrichten, 1.7.2014 - download
Fritsche Maria: Goldegg und die Schuldfrage. In: Salzburger Nachrichten, 1.7.2014 - download
Thomas Neuhold: Goldegger Pfarrer untersagt Deserteursgedenken. Standard-Online, 2. Juli 2014 - link
Thomas Neuhold: "Goaßpfarrer" rettet Gedenken an Goldegger Deserteure. Standard-Online, 3. Juli 2014 - link
abgelegt unter:
Der Pongauer Holzarbeiter Karl Rupitsch wurde im Oktober 1944 in Mauthausen ermordet. Er hat den Dienst in der Wehrmacht verweigert. (Foto: Brigitte Höfert, Tochter von Karl Rupitsch)
Der Pongauer Holzarbeiter Karl Rupitsch wurde im Oktober 1944 in Mauthausen ermordet. Er hat den Dienst in der Wehrmacht verweigert. (Foto: Brigitte Höfert, Tochter von Karl Rupitsch)
Kombinat Media Gestalteer GmbH