"Haus der Namen" Holocaust- und Gedenkzentrum Steiermark

Am 9. November 2015 wurde das "'Haus der Namen' Holocaust und Gedenkzentrum Steiermark" (http://www.hausdernamen.at/) eröffnet. Sein Ziel ist die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wach zu halten sowie der Versuch Lehren aus der Geschichte für das heutige gesellschaftliche Zusammenleben zu ziehen. Mit einer speziell für jugendliche BesucherInnen konzipierten Ausstellung und einem eigenen pädagogischen-didaktischen Vermittlungskonzept sollen vor allem SchülerInnen angesprochen werden.

 

Holocaust- und Gedenkzentrum Steiermark

 

Das Haus der Namen stellt anhand dokumentarischen Bild- und Filmmaterials und ausgewählter Texte den Holocaust anhand des Schicksals der jüdischen Gemeinde in Graz von 1938 – 1945 dar. Dieses Schicksal hielt für die in diesen Jahren lebenden jüdischen Männer und Frauen, Kinder, Jugendlichen und alten Menschen – einen unvorstellbaren Leidensweg bereit. Dieser Leidensweg ist in seinen Etappen, die immer tiefer in den Abgrund der Entmenschlichung führen, in dieser Ausstellung nachgezeichnet – ein Leidensweg, der zur fast völligen Vernichtung der vormals blühenden jüdischen Gemeinden führte. Aus diesem Hintergrund ist es ein besonderes Anliegen dieser Ausstellung, der vielen Opfer der Schoah zu gedenken und für jede und jeden von ihnen siebzig Jahre nach dem Ende der mordenden Nazi-Herrschaft in diesem Haus der Namen eine bleibende Gedenkstätte einzurichten. Sie bleiben in unserer Erinnerung und sie bleiben unvergessen. Zwei junge Grazer, Adele und Bertl, begleiten Sie durch diese Ausstellung. Bertl, den seine Emigration durch drei Kontinente führte, überlebte. Adeles Traum, in Amerika Modezeichnerin zu werden, sollte sich nicht erfüllen. Sie wurde in Auschwitz ermordet. Die Geschichte der Naziherrschaft und des Holocaust zeigen, was an Grauen Wirklichkeit werden kann, wenn Toleranz und Akzeptanz systematisch ausgehöhlt und zerstört werden, nur weil ein anderer Mensch vielleicht einem anderen Glauben angehört, aus einem anderen Herkunftsland stammt oder anderen Vorlieben nachgeht. So versteht sich diese Ausstellung, gerade weil sie vor Augen führt, welche unfassbaren Folgen das Niederknebeln und Abwürgen der Toleranz haben kann, auch als ein Mahnmal und als ein Appell an das gegenseitige Verstehen, Brückenbauen und Aufeinander-Zugehen, um sicherzustellen, dass das, was 1938 – 1945 geschah, sich niemals wird wiederholen können. So wünschen wir Ihnen, dass Ihr Besuch im Haus der Namen in der einen oder anderen Form nachklingt, nachdenklich stimmt und nachwirken möge.

 

Führungen

Führungen können nach Terminvereinbarung in der Zeit von Montag bis Donnerstag von 09:00 bis 15:00 Uhr, Freitag von 09:00 - 13:00 Uhr vereinbart werden. Wir bitten um Verständnis, dass während jüdischer, christlicher oder staatlicher Feiertage das Zentrum geschlossen ist. Die Führungsdauer beträgt 60 min.  Die Anzahl der TeilnehmerInnen bei Gruppen ist auf 30 Personen beschränkt. Terminvereinbarung erforderlich unter office@ikv-graz.at. Bitte bringen Sie aus Sicherheitsgründen einen Lichtbildausweis mit und planen Sie Zeit für die erforderlichen Sicherheitskontrollen ein.

 

Bildungsprogramme

Das Bildungsangebot teilt sich in drei Module, mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Durch die bauliche Trennung dieser Bereiche sind Führungen durch das gesamte Gemeindezentrum als auch vertiefende Workshops um ausgewählte Stationen möglich. 

GEGENWART - JUDENTUM (Erdgeschoß/Synagoge)

In der Synagoge können die wichtigsten Symbole, Rituale und Feste besprochen werden. Das bereitgestellte Hintergrundwissen dient zum Abbau von Scheu und Fremdheit und soll auch stets die Verbindungen zu anderen Religionen und Glaubensrichtungen beleuchten. Die Bräuche und Traditionen des jüdischen Glaubens werden anhand des Synagogenaufbaus näher erklärt. Rituelle Objekte der jüdischen Religionspraxis werden vorgestellt und veranschaulichen somit die Erklärungen der Referenten.

VERGANGENHEIT - HOLOCAUST (Untergeschoss)

Hier befindet sich die in Zusammenarbeit mit dem Centrum für jüdische Studien entstandene Ausstellung. Zwei Jugendliche aus Graz, Adele und Bertl, werden zunächst vorgestellt. Sie geleiten durch den Holocaust. Die Erzählungen dieser beiden jungen Menschen führen uns durch die, nach historischer und lokaler Relevanz ausgewählten, wichtigsten Ereignisse, um dieses dunkle Kapitel der Geschichte ein wenig mehr begreifbar zu machen und ergänzen so die Exponate durch einen subjektiven Zugang.

ZUKUNFT - TOLERANZ (Obergeschoss)

Simplifizierend agierenden Ideologien, wie Antisemitismus oder Rassismus soll hier ein moderner, weltoffener Kulturbegriff, gekennzeichnet von grenzübergreifenden Netzwerken und sozialer Interpendenz entgegengesetzt werden. Menschen sind als Individuen zu beurteilen und nicht nach einer willkürlichen Zuschreibung zu einer Gruppe, der sie angehören. Ein introspektiver Blick auf die Vielschichtigkeit und die Verbindungen unserer kulturellen Identitäten lässt nur eine Alternative offen – wir sind alle eins.

 

 

 

© IKV Graz – 2015.
© IKV Graz – 2015.
Mit einem Stein, einem einzigen Kieselstein – ein Gedenkstein für Adele – findet auch der “Weg der 6 Millionen” sein Ende. Ideologien wie Antisemitismus oder Rassismus werden hier einem modernen, weltoffenen Kulturbegriff entgegengesetzt. Die Zukunft gestaltet sich bunt und empfängt uns mit offenen Armen. Der Weg durch die Ausstellung möge vor allem junge Menschen, die – jede und jeder in seiner eigenen Art und Weise – unsere Zukunft mitgestalten werden, vor Augen führen, wie bedeutsam es ist, wachsam gegenüber Diskriminierung und Ausgrenzung jeglicher Art zu sein. Demokratieverständnis und Rechtsstaatlichkeit, als Basis einer modernen Gesellschaft, garantieren ein intaktes und friedliches Leben in einer sozial, sowie kulturell sehr ausdifferenzierten Welt. Dies gilt es im Interesse aller zu schützen.
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