Verfolgung 1938 - 1945: DVD dokumentiert neue steirische Mahnmale

Projektarbeiten mit Jugendlichen mündeten in mehrere neue Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in der Steiermark

Mahnmäler für die Opfer des Nationalsozialismus waren in den achtziger Jahren in der steirischen Kommunalpolitik meist nicht konsensfähig, Initiativen in diese Richtung wurden meist abgeschmettert. Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus betreute jedoch seit ihrer Gründung in den neunziger Jahren die ZeitzeugInnearbeit bzw. Erinnerungsarbeit in der Steiermark. Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus initiierte und begleitete in Kooperation mit regionalen ProjektpartnerInnen Erinnerungs- und Gedenkprojekte zum Zeitraum 1933 bis 1945 ins steirischen Schulen und Gemeinden.

Eine Blutspur von Verbrechen während des Faschismus und Nationalsozialismus zieht sich durch viele steirische Gemeinden. Zu den Themen Verfolgung und Widerstand zwischen 1938 und 1945 sind in den vergangenen Jahren eine Reihe von Mahn- und Denkmälern entstanden. Die "Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus" hat unter Einbeziehung von steirischen Jugendlichen die Erinnerungsarbeit maßgeblich geprägt und nun auch eine Filmdokumentation über die Projekte vorgelegt.

In den letzten Kriegswochen des Jahres 1945 trieben die Nazis tausende Jüdinnen und Juden durch die Steiermark ins Konzentrationslager Mauthausen.

Die Getriebenen erfroren und verhungerten oft vor den Augen der Bevölkerung.

Es kam auch zu Massakern wie etwa im April 1945 am Präbichlpass bei Eisenerz, wo etwa 200 Menschen vom sogenannten Eisenerzer Volkssturm ermordet wurden. "Der Todesmarsch der ungarischen Juden wie auch der Umstand, dass es in der Steiermark Nebenlager des KZ Mauthausen gab, wo Häftlinge zur Zwangsarbeit gezwungen, gequält und auch getötet wurden, blieb jedoch jahrzehntelang aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet", so Projektorganisatorin Bettina Ramp von der "Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus". Die Arge hat in den vergangenen zehn Jahren in Kooperation mit Jugendlichen und privaten Initiatoren neue "Zeichen gegen das Vergessen"

gesetzt.

"Wir setzen unsere Projektarbeit unter das Motto 'Erinnern, nicht aufrechnen' und auf den intergenerativen Dialog, der jungen Menschen von heute die subjektiven Handlungsmotive für oder gegen Frieden, Menschenrechte und Demokratie sichtbar machen soll", so Bettina Ramp. In der nun vorliegenden DVD werden die Denkmale vorgestellt. Aflenz, Bretstein, Eisenerz, Gleisdorf und Graz sind die Kommunen, in denen entsprechende Gedenkprojekte in der Steiermark durchgeführt wurden: Es entstanden u.a. die beiden Mahnmale zur Erinnerung an den Todesmarsch der ungarischen Juden in Eisenerz und in Gleisdorf, die Errichtung der Gedenkstätte zum KZ Nebenlager Bretstein bei Fohnsdorf sowie die Wanderausstellung "Der Koffer der Adele Kurzweil" über die tragische Flucht einer jüdischen Grazer Familie, die in Auschwitz endete.

Die DVD umfasst auch Interviews, die Jugendliche mit Zeitzeugen und Persönlichkeiten geführt haben. Sie haben ausgelotet, wie die neuen Gedenkstätten vor Ort rezipiert werden: Die Reaktionen reichen von Freude über das Interesse an der Thematik, über Angst, dass "zuviel wieder aufgewärmt" werde, bis zur Befürchtung, "dass das Ganze wieder einschläft".

 

( S E R VI C E- "Erinnerungskultur. Zukunft. Steiermark", DVD um 10 Euro beziehbar über http://www.argejugend.at/materialien/. Unter dem selben Titel ist auch eine 65-seitige Textdokumentation und Führer zu den Gedenkstätten um 7 Euro erschienen.)

Gedenktafel beim KZ-Nebenlager Bretstein
Gedenktafel beim KZ-Nebenlager Bretstein
Führung durch den Stollen des KZ-Nebenlagers Aflenz bei Leibnitz
Führung durch den Stollen des KZ-Nebenlagers Aflenz bei Leibnitz
Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Todesmarsches der ungarischen Juden in Gleisdorf
Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Todesmarsches der ungarischen Juden in Gleisdorf
Jugendliche beim Aufbau des Mahnmals am Präbichl
Jugendliche beim Aufbau des Mahnmals am Präbichl
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