„Nun steht Graz eine große Zukunft bevor“ (Robert Baravalle) Graz 1938

Ausstellung im Büro der Erinnerungen 29. Februar bis 11. April 2008-02-06 Neutorgasse 45 A-8010 Graz
28.02.2008 19:00   -  11.04.2008 18:00   |  

In Linz kündet Adolf Hitler an, was den begeisterten Massen bevorsteht: Der so genannte „Anschluss“, die Auslöschung der Eigenstaatlichkeit Österreichs und dessen Aufgehen in das Großdeutsche Reich wird vollzogen. In Wien jubeln Zehntausende, der Heldenplatz präsentiert sich als wogendes Menschenmeer.
Euphorie auch in Graz. Der vom Ständestaat geweihte „Dichter der steirischen Heimat“, Hans Klöpfer, mutiert zum glühenden Nationalsozialisten und schreibt: „Der gewaltige Wogengang unserer Zeit aber trug das Volk von Graz auf die Höhe seiner Bestimmung. [...] Damals hat sich in weltgeschichtlicher Stunde unter hinreißendem Einsatz Graz den Ehrennamen ‚Stadt der Volkserhebung’ erworben und sieht nun unter den Augen und der Sorge des Führers einer Zukunft entgegen, die es nach Schicksal, Schönheit und Treue so reich verdient.“ Es gab aber nicht nur die oft sogar hysterische Begeisterung und den unverhüllten Triumph der Nationalsozialisten. Es gab auch die Verzweiflung der rassisch Verfolgten,  e Resignation der nicht Systemkonformen. Erich Kästner: „Ein Staat hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das dem Menschen eingeborene Gewissen und Rechtsempfinden innerhalb der Landesgrenzen radikal auszurotten. […] Mörder regierten. Hehler waren Polizei. Lumpen sprachen Recht. Und das Gewissen saß auf der Anklagebank.“

Gerhard M. Dienes

Der März 1938 in Graz ist Inhalt einer von Gerhard M. Dienes, Karl Albrecht Kubinzky und Elke Murlasits kuratierten Ausstellung im „Büro der Erinnerungen“ am Landesmuseum Joanneum mit zum Teil bislang unveröffentlichtem Bildmaterial, originalen Tondokumenten sowie Erinnerungen von ZeitzeugInnen.

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