Buchpräsentation: Claudia Rauchegger-Fischer : "Sind wir eigentlich schuldig geworden?"

Lebensgeschichtliche Erzählungen von Tiroler Frauen der Bund-Deutscher-Mädel-Generation
20.05.2019  |  19:00  -  20:30   |  

Ort: Stadtbibliothek Innsbruck, Amraser Straße 2

 

Einführung:
Horst Schreiber, _erinnern.at_ (Reihenherausgeber)

 

Präsentation:
Claudia Rauchegger-Fischer (Autorin)

 

Es liest: Ilse Galister

 

Eine Veranstaltung der Stadtbibliothek Innsbruck in Kooperation mit dem StudienVerlag (Innsbruck – Wien – Bozen), der Michael-Gaismair-Gesellschaft und erinnern.at

 

Die erste Monografie zum Bund Deutscher Mädel in Tirol bietet erhellende Einblicke in die Bedeutung und Funktionsweise dieser NS-Jugendorganisation und zeigt, wie manche Frauen dadurch im „Dritten Reich“ Kariere machen konnten.

 

LESEPROBE

 

Buchpräsentation auf Ö1

 

Claudia Rauchegger-Fischer wertete 30 lebensgeschichtliche Interviews mit Frauen der BDM-Generation in Tirol aus, darunter 13 BDM-Führerinnen. In der Studie werden zum einen die Anziehungskraft des Nationalsozialismus auf junge Frauen und zum anderen die Erzählmuster, Erinnerungslogiken und Verarbeitungsstrategien der nun betagten Frauen dargestellt. Dies geschieht anhand mehrerer typischer biografischer Fallbeispiele und ausgewählter Themen: Volksgenossinnen versus Juden/Jüdinnen; Beziehungen versus Ideologie; Tüchtigkeit versus Scheitern; soziale Deklassierung und Schuldabwehr, Hitlermythos; Entnazifizierung; Verlust der „Ideale“, Identitäten, „Sehnsucht nach Vergangenheit“.

 

Die Aktivitäten von Tiroler Frauen im illegalen BDM und in der Staatsjugend waren bisher weitgehend unerforscht. Claudia Rauchegger­-Fischer wertete für die vorliegende Studie dreißig Interviews mit Frauen der Jahrgänge 1911 bis 1933 aus. Das Hauptaugenmerk richtete sie auf die Gruppe der ideologisch überzeugten Nationalsozialistinnen. Zehn Frauen hatten sich bereits als Illegale engagiert, sechs der dreizehn befragten Führerinnen waren während der NS­Zeit hauptamtlich tätig.


Damit liegt erstmals ein dichtes Material an Erzählungen vor, das besonders für die Gruppe der Führerinnen aufschlussreiche Erkenntnisse bietet: über die regionale Herkunft, die soziale Schichtung, den deutschnationalen Hintergrund der Väter, das Verhaltene der Mütter, das Religionsbekenntnis (Überrepräsentanz der Evangelischen) und die spezifische Rolle des Städtischen Mädchenrealgymnasiums Sillgasse.


Die Studie arbeitet die Faszination und die Attraktivität der NS-Diktatur anhand einzelner Fallanalysen heraus. Ein genauer Blick auf die lebensgeschichtlichen Erzählungen von Tiroler Frauen zeigt die bis in die Gegenwart nachwirkende Verstrickung von Funktionsträgerinnen des BDM in die NS­-Ideologie.

 

Mag.a Dr.in Claudia Rauchegger-Fischer ist Pädagogin, Schulbuchautorin und Wissenschaftlerin. Dr.in Rauchegger-Fischer hat an einigen Projekten von _erinnern.at_ mitgewirkt.

 

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