75 Jahre "Anschluss"

Die Handelsakademie Innsbruck gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen SchülerInnen

 


"Anschluss" Österreichs an Deutschland vor 75 Jahren: Die Hak unter dem Hakenkreuz

 

Die Handelsakademie Innsbruck gedenkt ihrer Schülerinnen und Schüler, die im Jahr 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft ihre hiesige Schullaufbahn abbrechen mussten.

 

Wir erinnern uns an die Geschwister Hans und Gerda Pasch, Gerda Bauer, Kurt Gerber und Fritz Berger. Sie alle mussten „aus rassischen Gründen“ im Jahre 1938 die Handelsakademie Innsbruck verlassen.

Der älteste von ihnen, Hans Pasch, stand kurz vor der Matura, die er trotz guter Semesternoten nicht mehr ablegen konnte, weil er stattdessen die Flucht seiner Familie vorbereitete.  Sein Vater hatte ihn am 14. März 38, zwei Tage nach dem Einmarsch der Nazi-Truppen in Österreich, in der Direktion laut Aktenvermerk krank gemeldet. Seine jüngere Schwester Gerda (Klasse 2a) schaffte es trotz dieser Belastung, das Schuljahr 1937/38 positiv abzuschließen, ebenso wie Gerda Bauer, Kurt Gerber und Fritz Berger. 

Alle diese SchülerInnen scheinen im Katalog der nächsthöheren Klasse nicht mehr auf. Recherchen einer Hak-Projektgruppe unter der Leitung ihres Geschichtelehrers Dr. Walter Scheffauer ergaben, dass allen die Flucht ins Ausland (Großbritannien und USA) gelungen war. Keiner von ihnen kehrte jemals nach Österreich zurück.

Nur einer unserer ehemaligen Schüler taucht laut Stadtarchiv nach Kriegsende noch einmal kurzfristig in Innsbruck auf: Fritz Berger kam als britischer Besatzungsoffizier vorübergehend nach Innsbruck, um den Mord an seinem Vater aufzuklären. Dieser, Ing. Richard Berger, war am 9. November 1938 aus seinem Haus in der Anichstraße gezerrt und von einer Horde Innsbrucker SA-Leuten erschlagen worden. Seine Leiche warfen sie bei Kranebitten in den Inn, nachdem sie noch mehrmals auf den Körper eingeschossen hatten. Da der Anführer der Aktion, Gerhard Lausegger, im Krieg umgekommen und die anderen Beteiligten zum Tatzeitpunkt entweder minderjährig oder danach nicht mehr auffindbar waren, wurde niemand zur Rechenschaft gezogen. 

Leider konnte unsere Projektgruppe die über die Welt verstreuten Familien unserer ehemaligen SchülerInnen nicht mehr ausfindig machen, um mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Wir wollen sie dennoch nicht vergessen.

© Mag. Sabine Wallinger

 

 

 

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