Neue Forschungen zur NS-Euthanasie

Krankenhauspersonal - Umgesiedelte SüdtirolerInnen in der Haller Anstalt - Umgang mit der NS-Euthanasie seit 1945

Soeben erschienen ist

Stefan Lechner, Andrea Sommerauer, Friedrich Stepanek:
Beiträge zur Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Hall in Tirol im Nationalsozialismus und zu ihrer Rezeption nach 1945: Krankenhauspersonal - Umgesiedelte SüdtirolerInnen in der Haller Anstalt - Umgang mit der NS-Euthanasie seit 1945 (Veröffentlichungen der Kommission zur Untersuchung der Vorgänge um den Anstaltsfriedhof des Psychiatrischen Krankenhauses in Hall in Tirol in den Jahren 1942 bis 1945, Band 3).

Das Schicksal psychisch kranker und geistig behinderter Menschen aus Südtirol war ursächlich mit der Option des Jahres 1939 verbunden. Viele von ihnen gelangten auf Basis der Umsiedlungsvereinbarungen zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland in die Heil- und Pflegeanstalt Hall. Unter welchen Umständen wurden diese Personen erfasst und nach Hall gebracht, welche Behandlung erfuhren sie in der Anstalt?

Stefan Lechner zeigt auf, wieso psychisch kranke und geistig behinderte Südtirolerinnen und Südtiroler in die Haller Anstalt kamen und wie sich dort das weitere Schicksal dieser Menschen gestaltete.
Im Zuge der Option des Jahres 1939 wurden ca. tausend psychisch kranke und geistig behinderte Südtiroler Männer, Frauen und Kinder in das Deutsche Reich umgesiedelt. Die Erstaufnahme erfolgte zumeist in der Heil- und Pflegeanstalt Hall in Tirol.
Von der NS-Euthanasie („Aktion T4“) waren die Südtiroler in Hall im letzten Moment verschont worden, nicht jedoch von Zwangssterilisation und brutalisierter Pflege. Die Todesrate unter den Südtirolern war hoch, zahlreiche Verstorbene wurden auf dem Anstaltsfriedhof beerdigt.

 

Der Umstand, dass der Anstaltsfriedhof in Hall nach dem Krieg in Vergessenheit geraten konnte, wirft ebenso wie die Tötung von PatientInnen aus Hall in der "T4"-Anstalt Hartheim und in der Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart zwischen 1940 und 1942 generell die Frage nach dem Umgang mit dem Thema NS-Euthanasie in der Nachkriegszeit auf. Welche Phasen der Aufarbeitung lassen sich für Tirol (und Vorarlberg) ausmachen?

 

Aus dem Inhalt:

  • Vorwort / Bertrand Perz
  • Mitten im Geschehen : das Personal der Heil- und Pflegeanstalt Hall in Tirol 1938-1945 / Friedrich Stepanek
  • Einleitung
  • Zur Einführung : ein Überblick über die Personalstruktur an der Heil- und Pflegeanstalt Hall
  • Das ärztliche Personal an der Heil- und Pflegeanstalt Hall während der NS-Zeit
  • Ärztebiografien
  • Die Personalpolitik nach der NS-Machtübernahme 1938-1939
  • Betriebsklima und Personal nach 1938
  • Die Entnazifizierung an der Heil- und Pflegeanstalt Hall
  • Resümee
  • Umsiedlung nach Hall : Psychisch kranke und geistig behinderte Südtirolerinnen und Südtiroler 1939-1945 / Stefan Lechner
  • Einleitung
  • Psychisch kranke und geistig behinderte Südtirolerinnen am Vorabend von Option und Umsiedlung
  • Umsiedlung Südtirol
  • Die Option der "Geisteskranken"
  • Die Erfassung der psychisch Kranken und geistig Behinderten
  • "Für einen sofortigen Abruf wäre ich Ihnen sehr dankbar" : die Absiedlung der Kranken und Behinderten
  • Durchgangsstation Heil-und Pflegeanstalt Hall
  • Kontakte zwischen Patientinnen der Heil- und Pflegeanstalt Hall und ihren Angehörigen
  • "Unerwünschter Bevölkerungszuwachs" : die Staatsbürgerschaftsvergabe an psychisch Kranke und geistig Behinderte
  • Zwangssterilisation
  • Keine "T4"-Euthanasie
  • Widerstand
  • Eine Kollektivbiografie : die Südtiroler Bewohnerinnen der Heil- und Pflegeanstalt Hall 1940-1945
  • Einzelschicksale
  • Schluss
  • Im Gedächtnis verankern : Über den Umgang mit der NS-Euthanasie in Tirol seit 1945 mit Verweisen auf Vorarlberg Andrea Sommerauer
  • Zugänge und Untersuchungen
  • Periodisierung
  • Erinnern und Gedenken
  • Phasen der Aufarbeitung
  • Erinnerungszeichen in Tirol und Vorarlberg
  • Angehörige

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