Nazi-Schmierereien in Hohenems und Altach vermutlich aufgeklärt - Hintergrundinformationen von "Stopp die Rechten!"

Ein 17-jähriger Hohenemser dürfte für die Schändungen des jüdischen Friedhofs in Hohenems und des islamischen in Altach sowie die Nazi-Schmierereien an diversen Gebäuden und Stolpersteinen in Hohenems verantwortlich sein. Dazu Hintergrundinformationen von "Stopp die Rechten!"

 

Bericht vol.at  (29.10.2015) - link
"Der junge Mann wurde am Mittwoch nach einer Hausdurchsuchung festgenommen, bei der mehrere Beweisgegenstände sichergestellt wurden.
Aufmerksam auf den Jugendlichen war der Verfassungsschutz bereits Ende April geworden. Damals hatte der 17-Jährige auf einer Social Media Plattform einen Text mit rechtsradikalem strafbaren Inhalt gepostet. Im Zuge der Ermittlungen zu den Vorfällen in Hohenems und Altach führte die Polizei daraufhin eine Hausdurchsuchung bei dem Hohenemser durch. Dabei seien mehrere Beweisgegenstände, darunter auch Aufkleber mit strafbarem Inhalt, sichergestellt worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit.
Beamtin bei Hausdurchsuchung mit Eisenstange attackiert
Während der Hausdurchsuchung war es laut Polizei zu einem Zwischenfall gekommen: Der Jugendliche attackierte eine Polizistin mit einer Eisenstange, konnte aber überwältigt werden, noch bevor er jemanden verletzen konnte.
Im Zuge der darauf folgenden Vernehmungen gestand der junge Mann, am 4. Oktober in Hohenems ein Flüchtlingsheim, die jüdischen Gedenksteine, das Jüdische Museum sowie drei weitere Gebäude mit antisemitischen Sprüchen und rechtsradikalen Symbolen und Parolen beschmiert zu haben. Außerdem gab er zu, am 18. Oktober den jüdischen sowie den islamischen Friedhof geschändet zu haben.
Untersuchungshaft beantragt.
Der 17-Jährige wurde noch am Mittwoch in die Justizanstalt Feldkirch überstellt, ein Antrag auf Untersuchungshaft wurde eingereicht. Ihm werden 15 Straftaten zur Last gelegt. Bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch wurde er wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz, schwerer Sachbeschädigung, versuchten Widerstandes gegen die Staatsanwaltschaft sowie versuchter schwerer Körperverletzung angezeigt.
Die Behörden gehen davon aus, dass es sich bei dem 17-Jährigen um einen Einzeltäter handelt. Laut Polizeisprecherin Susanne Dilp war er in keiner politischen Partei oder Gruppierung tätig und habe vor allem über das Internet Kontakte zu ähnlich gesinnten Personen gepflegt – ein typisches Verhalten für Personen mit rechtsradikaler Gesinnung in Vorarlberg, so Dilp. Auch abseits des Verbotsgesetzes sei er bisher nicht polizeirechtlich aufgefallen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es abschließend. (APA/red)
Dazu:

Stopp die Rechten - Hohenems: Neonazi-Schmierer mit Kontakten

Die Vorarlberger Polizei meldete , dass als mutmaßlicher Täter für die neonazistischen Schmierereien und Friedhofsschändungen ein 17-jähriger Hohenemser verhaftet werden konnte. Der junge Neonazi wurde am Mittwoch, 28.10. nach einer Hausdurchsuchung, bei der er versuchte, eine Beamtin mit einer Eisenstange zu attackieren, festgenommen. Mit der Einschätzung der Polizei, wonach es sich um einen Einzeltäter handelt, der keiner rechten Gruppierung zuzuordnen ist, haben wir ein Problem.

Wir wollen nicht verschweigen, dass wir den jetzt Verdächtigten schon vor seiner Festnahme am Mittwoch, die ziemlich turbulent verlaufen sein dürfte, im Visier hatten. Die Vorarlberger Neonazi-Szene ist vor allem mit deutschen Neonazis und ihren Gruppierungen seit Jahren bestens vernetzt. Die „Nationale Aktion Vorarlberg“ (NAV), die bis 2014 aktiv war, hatte beste Beziehungen zum „Freien Netz Süd“, der aggressivsten neonazistischen Formation im bayerischen Raum.

2012 marschierten bayerische und Vorarlberger Neonazis zum „Heldengedenken“ am Hohenemser Friedhof auf, 2014 entsandten die Vorarlberger eine Delegation zur 1. Mai-Demo des „III.Weg“ nach Plauen, eine der letzten Aktionen der NAV.

Die NAV bzw. das „Freie Netz Süd“ und dessen Nachfolgeorganisation „Der III. Weg“ waren und sind Bezugspunkte für die Vorarlberger Neonazis. Auch der jetzt Festgenommene passt da gut dazu. Auf Facebook posiert er mit einem T-Shirt vom „III.Weg“. Zu seinen FB-Freundschaften gehört ein bekannter krimineller Münchner Neonazi vom III. Weg.

Der Verdächtige, der bei der Hausdurchsuchung eine Polizistin mit einer Eisenstange attackieren wollte, hat auch noch Kontakte zu anderen deutschen Neonazis und Rechtsextremen und – auch das sei nicht völlig verschwiegen – eine ziemlich heftige familiäre Vorbelastung.

Nochmals zur Einschätzung der Polizei, wonach es sich um einen Einzeltäter handle: nach den Angaben der „Vorarlberger Nachrichten“ werden ihm insgesamt 15 Straftaten, darunter „die Verteilung von Flyern mit teilweise strafbarem Inhalt“ (VN) vorgeworfen. Und das soll ein Einzeltäter sein? - link

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