Ganz rein!
Jüdische Ritualbäder – Fotografien von Peter Seidel
Das Mikwen Projekt – Fotografien von Janice Rubin, Texte von Leah Lax
In Hohenems ist das älteste jüdische Ritualbad in Österreich erhalten. Anlässlich der Restaurierung dieses Baudenkmals zeigt das Jüdische Museum Hohenems Einblicke in einen intimen Bereich jüdischen Lebens – zwischen religiöser Tradition und einer weltlich geprägten Gegenwart.
Mit der Sonderausstellung „Ganz rein!“ vom 9. März bis zum 3. Oktober 2010 eröffnet das Jüdische Museum eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Sexualität und Ehe, Reinheit und Unreinheit, Weiblichkeit und religiöser Tradition. Dabei geht es auch um umstrittene Vorstellungen von Geschlechterrollen und Religion, die immer mehr für Konflikte sorgen.
Die Ausstellung geht der historischen Tiefendimension jener Reinigungsrituale nach, die vom Judentum bis zum Ritual der Taufe oder den Reinheitsgeboten im Islam reichen.
In aufwändigen Architekturstudien zeigt der Frankfurter Fotograf Peter Seidel die Vielfalt der Bauformen jüdischer Ritualbäder in Europa. Fast zwanzig Jahre lang hat Peter Seidel in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Deutschland jüdische Ritualbäder von der Antike bis in die Gegenwart fotografiert. Baugeschichtlich haben die Mikwen eine ähnlich große Bedeutung wie Synagogen, doch auf Grund ihres intimen Charakters bleiben sie zumeist eher im Verborgenen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text der New Yorker Kunsthistorikerin Gail Levin, so wie einer Einführung in die Geschichte der Mikwe durch Hannes Sulzenbacher, Wien:
Ganz rein! Jüdische Ritualbäder.
Fotografien von Peter Seidel, Hg. von den Jüdischen Museen Franken, Frankfurt am Main, Hohenems und Wien, ca. 100 Seiten, 20 farbige Abbildungen, Holzhausen Verlag, Wien, 2010, mit Beiträgen von Felicitas Heimann-Jelinek, Gail Levin, Gerhard Milchram, Hannes Sulzenbacher und Annette Weber, € 19,-
ISBN 978-3-85493-172-0.
Die Ausstellung in Hohenems präsentiert zugleich erstmals in Europa das Mikwen Projekt der amerikanischen Künstlerinnen Janice Rubin und Leah Lax.
Rubin und Lax haben sich jahrelang in Porträts, Interviews und berückend schönen Unterwasseraufnahmen mit dem Verhältnis jüdischer Frauen zur Mikwe beschäftigt. Dabei thematisieren sie die traditionelle Überlieferung des Rituals und seine Wahrnehmung durch Frauen in den USA, wie auch die – nicht unumstrittene – Renaissance der Mikwe im Zeichen neuer Formen jüdischer Spiritualität.
Dabei kommen amerikanische Frauen mit ganz unterschiedlicher religiöser Orientierung zu Wort: von der Orthodoxie bis zum New Age, Frauen aus europäisch geprägten wie orientalisch-jüdischen Familien, Frauen, die in ganz unterschiedlichen Momenten ihres Lebens Erfahrungen mit der Mikwe gemacht haben.
Ihnen gegenübergestellt hat das Jüdische Museum Zitate von Frauen aus Europa, den USA und Israel, die zum Ritual der Mikwe auf Distanz gegangen sind. So entwickelt sich ein Dialog der Stimmen über ein altes und wieder aktuelles Ritual.
Zur Ausstellung geht auch das neue Internet-Radio Radio Mikwe des
Jüdischen Museums auf Sendung. www.radiomikwe.at bietet sich auch für die Vermittlungsarbeit mit Schulklassen an. Nach einem gemeinsamen Rundgang kreieren die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Reportagen und recherchieren zu ihren Lieblingsthemen. Die werden dann natürlich ins Netz gestellt und über Radio Mikwe zu hören sein.
Ausstellungseröffnung: So, 7.03.2010, 11 Uhr
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, Hohenems
Redner:
Dr. Gabriele Nussbaumer, Vizepräsidentin des Vorarlberger Landtages
Dr. Hanno Loewy, Hohenems
Hannes Sulzenbacher, Wien
Peter Seidel, Frankfurt am Main
Janice Rubin/Leah Lax, Houston, Texas
Jüdisches Museum Hohenems , Villa Heimann-Rosenthal
Schweizer Strasse 5, A-6845 Hohenems
Tel. 0043-(0)5576-73989-0 Email: office@jm-hohenems.at
Öffnungszeiten Museum und Café:
Di bis So und an Feiertagen 10 - 17 Uhr
Das gesamte Begleitprogramm zur Ausstellung als Download: hier

