Zeitzeuginnenbesuch von Dora Pešková am G19

Am Donnerstag, den 6.10.2011, besuchte die Auschwitzüberlebende Dora Pešková, geborene Steinová, das Döblinger Gymnasium.

Dora Pešková wurde 1921 in Karlsbad/Karlovy Vary in der heutigen Tschechischen Republik geboren und besuchte dort deutschsprachige Schulen. 1938, nach der Okkupation des Sudetenlandes durch das nationalsozialistische Deutschland, zog ihre Familie nach Prag. Dora Pešková wurde 1942 ins Ghetto Theresienstadt und von dort 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Befreit wurde sie im April 1945 im Todeslager Bergen-Belsen.
Dora Pešková lebt heute in einem jüdischen Altersheim in Prag.
Dies war ihr erster Besuch in Wien, und ihr Wunsch war es, dabei auch vor Wiener SchülerInnen ihre Geschichte erzählen zu können.
Dora Pešková sprach dabei vor SchülerInnen der Wahlpflichtfächer Geschichte und Politische Bildung sowie vor SchülerInnen der Unverbindlichen Übung Politische Bildung.
Martin Krist


Im Anschluss einige Ausschnitte aus den Reflexionen

der SchülerInnen:

Verstehen bzw. Nicht-Verstehen
Egal, wie oft man es uns sagt, uns beschreibt, wie das Leben in einem KZ gewesen ist, wir werden es nie auch nur annähernd verstehen oder nachvollziehen können – das könnte man auch gar nicht verlangen. Es ist schlichtweg unmöglich. Aber genau deswegen ist es wichtig, nein sogar unbedingt notwendig, dass diejenigen, die es erlebt und überlebt haben, uns ihre Geschichte erzählen.
 Linda P.


Betroffenheit und Bewunderung
Aber wenn nun eine alte und zierliche Frau vor dir steht, die direkt all die Gräuel erleben musste, alles durchmachte und wirklich nur um Haaresbreite dem Tod entkam, hat das schon etwas sehr Starkes und Eindrucksvolles an sich.
Dorothee D.

Mich hat am meisten betroffen, als Frau Pešková uns ihre Nummer zeigte, die sie in Auschwitz-Birkenau auf den Arm tätowiert bekommen hatte. Ich wusste, dass dies immer so gemacht wurde. Aber ich habe mir nie klar gemacht, dass die ehemaligen KZ-Häftlinge dieses „Tattoo“  immer an sich haben werden.
Linda P.


Natürlich habe ich aus dem Schulunterricht schon einiges über das Thema Judenverfolgung erfahren, doch die Lebensgeschichte von jemandem zu hören, der diese Geschehnisse wirklich selbst erlebt und überlebt hat, war eine neue, beeindruckende Erfahrung für mich.

Clemens S.


Ich bewundere ihren Mut, ihr Schicksal so offen darzulegen und detailgetreu wiederzugeben. Es zeigt von großer Stärke, dass es ihr möglich ist, immer wieder über ihre schrecklichen Erlebnisse zu sprechen. Des Weiteren imponiert mir ihr Sinn für Humor, den sie trotz allem nicht verloren zu haben scheint.
Alessandra B.


Warnung vor Neofaschismus
Ich habe sehr große Anerkennung dieser Frau gegenüber und respektiere sie in allen Maßen. Außerdem möchte ich noch einmal den letzten Satz von Frau Pešková wiederholen, dessen Botschaft sich alle in Erinnerung behalten müssen: „Lasst euch auf keinen Fall vom rechten Weg von einer nationalsozialistischen Organisation abbringen. Solche Leute gibt es heute immer noch. Aber ihr seid stärker und gescheiter!“
Lorenz K.


Persönlich habe ich es sehr gut gefunden, dass wir nochmals die Chance hatten, mit einer Überlebenden des Terrors der Nazis zu reden.
Nie wieder Faschismus!
Benjamin E.


Bleibende Erinnerung
Ich bewundere sie sehr, wie sie das Ganze verarbeitet hat und so frei, offen und ehrlich darüber reden kann. Ich bin sehr froh, dass ich so ein Zeitzeuginnengespräch noch erleben durfte, denn wie wir wissen, wird es in einigen Jahren keine ZeitzeugInnen mehr geben. Es wird eine von diesen Erinnerungen bleiben, die ich nie vergessen werde.
Dorothee D.
Am meisten bewundere ich ihren Lebenswillen, durch den sie die Verbrechen der Nazis überleben konnte. Dora Pešková ist eine einzigartige Frau, und ich bin froh und freue mich darüber, ihre Geschichte gehört zu haben.
Clemens S.
Man hat an der respektvollen Aufmerksamkeit, die ihr von allen SchülerInnen entgegengebracht wurde, gemerkt, wie fasziniert alle von ihren Schilderungen waren. Abschließend möchte ich noch sagen, dass es für mich ein sehr einprägendes Erlebnis war, vor allem weil es wahrscheinlich meine letzte Gelegenheit war, einen solchen Besuch mitzuerleben.
Alessandra B.

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