Meinrad Pichler: Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer. Täter. Gegner.

Die Geschichte der nationalsozialistischen Herrschaft in Vorarlberg wird hier zum ersten Mal zusammenfassend erzählt. Den Schwerpunkt bilden 43 biografische Skizzen von Menschen, die die NS-Zeit als Täter, als Opfer oder als GegnerInnen erlebt haben. 280 kommentierte und zum Teil bisher unveröffentlichte Bilder vermitteln eine Vorstellung von den politischen Inszenierungen der Machthaber einerseits und der Realität von Verfolgung und Krieg andererseits. Der Autor Meinrad Pichler verbindet in dieser Darstellung ganz individuelle Schicksale mit den Strukturen der nationalsozialistischen Herrschaft in Vorarlberg. Das eröffnet einen ungewöhnlichen, sehr persönlichen Zugang zu einer Epoche, die im kollektiven Gedächtnis und im aktuellen politischen Diskurs des Landes nachwirkt wie keine andere.

Das Buch ist besonders auch an Jugendliche gerichtet und für den Einsatz in der Schule bestens geeignet!
Leseprobe
Für allgemeine Fragen der Arbeitswelt und des Freizeitbereichs ist nun die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) zuständig. Nur noch der „Schlaf ist Privatsache“, erklärt Robert Ley, der oberste Chef der DAF, den Wunsch der NSDAP nach einem totalen Zugriff auf die arbeitenden Menschen. Mit einem nie dagewesenen Aktionismus wird die Arbeitnehmerschaft auf ideologischem Trab gehalten: Appelle, politische Schulungen, gemeinsame Freizeitgestaltung, Urlaubsfahrten und Sportveranstaltungen, Luftschutzübungen, Schießabende und Flickstunden stehen auf dem Programm. Nach dem Abklingen der ersten Begeisterung verweigern immer mehr Menschen die fremdbestimmte Betriebsamkeit und müssen durch Drohungen und Strafen zur Teilnahme gezwungen werden. In etlichen Betrieben wird zur Aufrechterhaltung der „Arbeitsdisziplin“ bereits 1939 nach der Gestapo gerufen. (S. 114)
Textauszüge:
  • Bruno Amann - Der antisemitische Schreibtischtäter- link


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    Meinrad Pichler: Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer - Täter - Gegner. Innsbruck, StudienVerlag 2012 (= Band 3 der Reihe "Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern", herausgegeben von Horst Schreiber im Auftrag von _erinnern.at_), 416 Seiten, fest gebunden, mit 260 Abb., Orts- und Personenregister sowie Glossar, ISBN 978-3-7065-5030-7 , € 24,90 - link
    Inhaltsübersicht
    Editorial
    Werner Dreier, Horst Schreiber: Vorwort 13
    Meinrad Pichler: Einleitung 16
    Nationalsozialismus in Vorarlberg
    Zeitlicher Ablauf 22
    Der Nationalsozialismus 25
    Was versteht man unter Faschismus? 25
    Wie stehen die Äustrofaschisten zum Nationalsozialismus? 27
    Was kennzeichnet das Weltbild des Nationalsozialismus? 29
    Die Vorgeschichte der NS-Herrschaft in Österreich 33
    Wie sieht die Parteienlandschaft in der Ersten Republik aus? 34
    Wer errichtet die erste Diktatur? 36
    Welche Rolle spielt die österreichische NSDAP? 38
    Wie kommt es zum Ende Österreichs? 42
    Die nationalsozialistische Machtübernahme 45
    Wie vollzieht sich der Machtwechsel in Vorarlberg? 48
    Wie verfahren die neuen „Herren" mit den Politikern und Funktionären des „Ständestaats"? 52
    Was geschieht an den Grenzen? 54
    Wie wird die Verwaltung umgebaut? 56
    Wie verläuft die Volksabstimmung vom 10. April 1938? 57
    Wie kommt es zum „Ende Vorarlbergs"? 61
    Hans Wilhelm Hammerbacher: Ein gläubiger Nationalsozialist 63
    Alfons Mäser: Der Parteisoldat 67
    Georg Schelling: Der unbeugsame Redakteur 72
    Der nationalsozialistische Polizeistaat 75
    Welche Rolle spielt die Justiz? 75
    Was ist und tut die Geheime Staatspolizei? 77
    Welche Rolle spielt die Gendarmerie? 80
    Woher kommen die Informationen und Anzeigen? 83
    Hugo Lunardon: Ein aufrechter Staatsdiener 86
    Joseph Schreieder: Eine nationalsozialistische Polizeikarriere 90
    Die Kirche in der nationalsozialistischen Diktatur 93
    Wie reagiert die katholische Kirche auf den NS-Staat? 93
    Welche Maßnahmen ergreifen die Nationalsozialisten gegen Kirche und Klerus? 95
    Welche KatholikInnen leisten Widerstand? 97
    Alois Knecht: Ein kämpferischer Prediger für den Frieden 99
    Von der Aufbruchstimmung in den Kriegsalltag 103
    Welche Versprechen werden eingelöst? 105
    Wie gestaltet sich die Situation der Bauern? 108
    Wie wird die Arbeitslosigkeit beseitigt? 112
    Wie werden die Arbeitsverhältnisse und der Betriebsalltag geregelt? 114
    Wie steht es um die angekündigte Wohnraumbeschaffung? 117
    Warum werden Südtiroler Familien umgesiedelt? 118
    Eugen Elsensohn: Vom nationalsozialistischen Hoffnungsträger zum Problemfall 120
    Aloisia Huber und Paul Holzner: Zwei Optantenkinder 123
    Jugend und Schule 127
    Was wird Lehrerinnen und Jugendlichen versprochen? 127
    Wie wird das Schulwesen umgestaltet? 128
    Wie wird die Jugend begeistert? 131
    Was geschieht mit den bisherigen Jugendorganisationen? 134
    Wie wird der staatliche Zugriff auf die Jugend durchgesetzt? 136
    Gibt es bei den Jugendlichen auch Protest und Verweigerung? 142
    Wie wird die Jugend in den „totalen Krieg" einbezogen? 145
    Herbert Albrecht: Ins Kriegselend für „Großdeutschland" 147
    Albert Bohle: Von der Schulbank in die Wehrmacht 150
    Albert l.ingenhöle: Die österreichische Stimme 153
    Karl Leichtfried: Gescheiterte Anpassung 156
    Von der Judenfeindschaft zum Holocaust 159
    Woher kommt die Judenfeindschaft? 159
    Bringt die rechtliche Gleichstellung ein Ende der Diskriminierung? 161
    Was versteht man unter Rassenwahn? 165
    Was sind die „Nürnberger Gesetze"? 166
    Wie wird der Massenmord organisiert? 167
    Was geschieht mit den jüdischen Mitbürgerinnen in Vorarlberg? 171
    Bruno Amann: Der antisemitische Schreibtischtäter 177
    Hans Elkan: Talent ohne Chancen 181
    Harry Weil: Unharmonische Heimatklänge 184
    Herta Greif: Die lange Flucht 187
    Roma und Sinti im NS-Staat 191
    Weshalb diese traditionelle Ablehnung? 191
    Wie gehen die Nationalsozialisten gegen die „ZigeunerInnen" vor? 193
    Anna Guttenberger: Erst verfolgt, dann vernichtet 194

     

    NS-Euthanasie: Tötung von psychisch Kranken, 

    Behinderten und Unangepassten 197
    Was verstehen die Nationalsozialisten unter„Euthanasie"? 197
    An welchen Personen werden Zwangssterilisierungen vorgenommen? 198
    Was ist die „Aktion T4"? 200
    Wie wird die Vernichtung „unwerten Lebens"
    in Vorarlberg durchgeführt? 202
    Was versteht man unter der „Wilden Euthanasie"? 205
    Josef Vonbun: Vom Psychiater zum Tötungshelfer 208
    Katharina Lampert: Arm und krank, für die Nazis„lebensunwert" 211
    Erich Förster: Aus dem Armenhaus in die Tötungsanstalt 214
    Franz Miller: Irre geworden an einer heillosen Welt 217
    Franz Josef Gstrein: Ein Kritiker wird (mund)tot gemacht 220
    Josef Vallaster: Der Handlanger beim Töten 223
    Der Alltag während des Krieges 227
    Wie vollzieht sich der Wandel zur Kriegswirtschaft? 228
    Welche Rolle spielt die Vorarlberger Industrie innerhalb der Kriegswirtschaft? 230
    Weshalb Verlagerungen? 233
    Was ist und wie funktioniert die Mangelwirtschaft? 234
    Wie nimmt die Bevölkerung das Kriegsgeschehen wahr? 239
    Valentin Feurstein: Ein soldatischer Pflichterfüller 251
    Hermann Rhomberg: Der Profiteur 255
    Familie Streng: Opfer des „totalen Kriegs" 259
    Delphina Burtscher: Terror im hintersten Tal 261
    August Weiß: Ein Friedfertiger in Kriegszeiten 264
    Hoffnung Schweiz: Die Grenze 267
    Wie und durch wen wird die Grenze bewacht? 268
    Wie verhält sich die Schweiz gegenüber den Flüchtlingen? 270
    Was ist über Schicksale von Flüchtlingen bekannt? 274
    Was geschieht an der Grenze bei Kriegsende? 278
    Meinrad Juen: Der Schmuggler als Fluchthelfer 2S0
    Hilar Huber: Die Fluchten eines Grenzgängers 283
    Samson Schönhaus: Vom Glück im Unglück 288
    Hilde Meisel (Monte-Olday): Ein Leben für eine bessere Welt 291

     

    Zwangsarbeit 295
    Wer sind die ZwangsarbeiterInnen? 296
    Wer profitiert von dem Zwangssystem? 297
    Wie werden die Zwangsarbeiterinnen behandelt? 299
    Wie verhält sich die Bevölkerung? 302
    Wehren sich die ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen? 305
    Nadeshda Iwanowna: Zwangsarbeiterin in Dornbirn 307
    Nikolaus Telischko: Zwangsarbeit ohne Pensionsanspruch 310
    Josef Anton King: Geist gegen den Ungeist 312
    Widerstand und Widersetzlichkeit 317
    Was ist und wer leistet Widerstand? 317
    Gibt es auch Widerstandsgruppen? 324
    Kommt es auch zu Widerstand in der Wehrmacht? 327
    Wie sieht die Bilanz der Verfolgung für Vorarlberg aus? 328
    Welche politische Bedeutung hat der Widerstand? 329
    Karoline Redler: „Ihr braucht euch meiner nicht zu schämen" 332
    Johann August Malin: Der Nothelfer im Widerstand 334
    Ernst Volkmann: Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen 337
    Anna Hölzlsauer: „Wenn ich zornig bin..." 340
    Franziska Vobr: Heimliche Fluchthelferin und offene Kriegsgegnerin 343
    Ende und Neustart 347
    Wie gestaltet sich die Situation der Bevölkerung in den letzten Tagen der NS-Herrschaft? 347
    Wie gehen der Rückzug und der Einmarsch vor sich? 349
    Wie schaut der Neustart aus? 356
    Wie wird die nationalsozialistische Herrschaft aufgearbeitet? 359
    Max Riccabona: Leben am Abgrund 362
    Josef Huber: Flucht als Karriereende 365
    Elmar Grabherr: Vom Arier zum Alemannen 368

    Kategorisierung

    Region/Bundesland
    Vorarlberg
    Erstellt am 2014-10-29T12:16:59+01:00, zuletzt geändert 2020-08-06T17:19:56+01:00