Das Novemberpogrom 1938

Eine Online-Ausstellung über das Novemberpogrom 1938

Am 9./10. November 1938, vor 82 Jahren, und an den darauffolgenden Tagen fanden im gesamten Deutschen Reich Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung statt. Die seit dem „Anschluss“ im März 1938 begonnene Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die NationalsozialistInnen wurden damit radikalisiert und systematisiert. Erstmals im ganzen Land kam es zu Massengewalt und Massenverhaftungen gegen Jüdinnen und Juden.

In der Nacht von 9. auf den 10. November 1938 verübten die NationalsozialistInnen im gesamten Deutschen Reich Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung. Fast alle Synagogen und Bethäuser wurden in dieser Nacht zerstört, ca. 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt – aus Österreich kamen 3.755 Männer nach Dachau. Wie viele österreichische Jüdinnen und Juden im Zuge dieser gewalttätigen Ausschreitungen von NS-Kommandos ermordet wurden, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Misshandelt, eingeschüchtert und geraubt, flüchtete eine Vielzahl – sofern möglich – ins Ausland, viele Verzweifelte nahmen sich das Leben.

Die pogromartigen Ausschreitungen wurden vom größten Teil der nichtjüdischen MitbürgerInnen nicht nur widerstandslos zur Kenntnis genommen, sondern von Vielen aktiv mitgetragen.

ZuseherInnen vor der brennenden Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof Graz, 10.November 1938 (Foto: Universalmuseum Joanneum Graz/ Multimediale Sammlungen)

ZuseherInnen vor der brennenden Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof Graz, 10. November 1938 (Foto: Universalmuseum Joanneum Graz/ Multimediale Sammlungen)

ZuseherInnen vor der brennenden Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof Graz, 10.November 1938 (Foto: Universalmuseum Joanneum Graz/ Multimediale Sammlungen)

ZuseherInnen vor der brennenden Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof Graz, 10.November 1938 (Foto: Universalmuseum Joanneum Graz/ Multimediale Sammlungen)

Das Novemberpogrom in den österreichischen Bundesländern

Vor 82 Jahren begann mit dem Novemberpogrom die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass möchten wir Geschichten der Verfolgung aus allen Bundesländern aufzeigen und in Erinnerung halten. Die Berichte stammen großteils aus unseren Sachbüchern „Nationalsozialismus in den Bundesländern“.


Das Novemberpogrom im Burgenland

Das Novemberpogrom im Burgenland

Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Der Novemberpogrom in Kärnten - Elvira Friedländer erinnert sich

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Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Das Novemberpogrom in Niederösterreich – Die Kremser Synagoge wurde schon zuvor verwüstet

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Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Der Novemberpogrom 1938 in Linz – Ausschreitungen in der ganzen Stadt

Der Novemberpogrom 1938 in Linz – Ausschreitungen in der ganzen Stadt

Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Novemberpogrom in Salzburg – "Rings um uns waren nur Feinde.“

Novemberpogrom in Salzburg – "Rings um uns waren nur Feinde.“

Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Das Novemberpogrom in der Steiermark und in Graz

Das Novemberpogrom in der Steiermark und in Graz

Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Der Novemberpogrom in Tirol – Mindestens 38 Juden und Jüdinnen wurden verletzt, vier starben

Der Novemberpogrom in Tirol – Mindestens 38 Juden und Jüdinnen wurden verletzt, vier starben

Vor 82 Jahren begann mit dem Novemberpogrom die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden in der Zeit des ...

Der Novemberpogrom in Vorarlberg - Die Ereignisse in Hohenems im Kontext der NS-Verfolgung

Der Novemberpogrom in Vorarlberg - Die Ereignisse in Hohenems im Kontext der NS-Verfolgung

Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Das Novemberpogrom in Wien - zwei Brüder sahen sich zum letzten Mal

Das Novemberpogrom in Wien - zwei Brüder sahen sich zum letzten Mal

Vor 82 Jahren wurde mit dem Novemberpogrom die Vertreibung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten radikalisiert und ...

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten über das Novemberpogrom 1938

Wie haben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen das Novemberpogrom erlebt? Für einige war es die erste Begegnung mit antisemitischer Massengewalt in ihrer unmittelbaren Umgebung und damit ein einschneidendes Erlebnis. Hier finden Sie einige Video-Interviews von unserer ZeitzeugInnen-Plattform weiter_erzählen.



„Antisemitism was always in Austria and still exists in Austria” - Norbert Friedmann


Der 1911 in ärmlichen jüdischen Verhältnissen geborene Norbert Friedmann befürchtete antisemitische Ausschreitungen, nachdem am 9. November 1938 der deutsche Botschaftssekretär in Paris ermordet wurde. Der Diplomat Ernst vom Rath wurde durch Herschel Grynszpan, einen jungen Juden, der wegen der Abschiebung seiner Eltern nach Polen verzweifelt war, erschossen. Friedmann hörte die Nachricht im Radio und verfasste daraufhin ein Testament, das er seiner Frau gab. Norbert Friedmann fühlte sich bis dahin aufgrund seines Aussehens von den alltäglichen Übergriffen der Nationalsozialisten in Wien sicher: „I had blond hair and blond eys. Nobody took me for a Jewish person,” sagt er lachend im Interview 1990.

Friedmann befand sich gerade in einem Kurs für jüdische Auswanderer als dieser von SA-Männern gestürmt wurde. Die Männer verhafteten ihn, brachten ihn in eine Wache im Zweiten Wiener Gemeindebezirk, auf dem Weg dahin sah Friedman den brennenden Leopoldstädter Tempel – dort hatte er einst seine Heirat gefeiert. Noch in der Nacht wurde er ins KZ Dachau deportiert.

Norbert Friedmann wurde später aus dem KZ Dachau entlassen und konnte in die USA fliehen, er hatte schon vor dem November 1938 Ausreisepapiere für New York.



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Norbert Friedman wurde vom Jewish Family and Children's Services San Francisco 1990 interviewt.

Das Interview mit Norbert Friedmann in voller Länge auf weitererzaehlen.at 



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Ilse Mass wurde 2003 in Jerusalem interviewt.

Das Interview ist in voller Länge mit Ilse Mass auf weitererzaehlen.at

„Wir haben plötzlich einen Brandgeruch gespürt“ - Ilse Mass

Die Linzerin Ilse Mass wurde 1928 als Ilse Rubinstein in eine mittelständische Geschäftsfamilie geboren. Ihre Familie war im Bekleidungsgewerbe tätig. Ihr Vater wurde noch vor den Novemberpogromen ins KZ Dachau deportiert und die Familie musste in eine Wohnung in unmittelbarer Näher zur Linzer Synagoge in der Bethlehemstraße ziehen. Die Zerstörung hat sie hautnah miterlebt: „Wir haben plötzlich einen Brandgeruch gespürt. Wir haben geschlafen. Gucken wir raus beim Fenster – lodernde Flammen. Die Synagoge! Meine Mutter – ich bin ziemlich cool, als Kind war ich es schon – hat sich wahnsinnig erschrocken, sie wollte hin und her. Moment, sag‘ ich der Hof ist doch dazwischen … die Flammen haben schon rübergelodert wo die vielen Wohnungen waren. In der nächsten Viertelstunde ist die SS reingestürmt – Schwarze Uniformen. Das ist eine Trauer fürs Leben!“

Tags darauf musste die Familie Linz Richtung Wien verlassen. Ihr gelang später die Flucht nach Shanghai, vielen Familienmitgliedern nicht. Ilse Mass fand in Israel eine neue Heimat. Das 2012 erschienene Kinderbuchprojekt „Weg von hier…“ erzählt ihre Geschichte; 2015 verstarb Ilse Mass.

„Furchtbar. Ich sehe noch heute was das war… schrecklicher Trubel“ -  Melusine Spiler


Melusine Spiler studierte Rechtswissenschaften in Wien als die antisemitische Gewalt während der Novemberpogrome auch ihre Familie erreichten, ihre Familie stand kurz vor der Flucht aus Österreich. Ihr Bruder wurde am 10. November verhaftet, als er gerade seinen Pass für die Ausreise abholte. Melusine Spiler konnte 1938 nach Großbritannien fliehen, dort arbeitete die Rechtswissenschafterin als Dienstmädchen.

1954 wanderte sie nach Israel aus und war langjährige Vorsitzende der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft in Jerusalem. Sie verstarb 2006.



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Melusine Spiler wurde 2002 in Jerusalem interviewt.

Das Interview in voller Länge mit Melusine Spiler auf weitererzaehlen.at


Lernmaterialien: Wie in der Schule über das Novemberpogrom unterrichten?

Wir möchten Ihnen einige Unterrichtsmaterialien vorstellen, die zur pädagogischen Bearbeitung des Themas relevant sind.


Lern-App „Fliehen vor dem Holocaust

Für viele Jüdinnen und Juden wurden die Fluchtpläne aus dem Deutschen Reich nach den Novemberpogromen immer konkreter. So auch für die Familie Stern aus Berlin: 1938 zündeten SA- und SS-Männer in der Nacht zum 10. November die Synagoge in der Berliner Prinzregentenstraße an. Hellmut Stern sah den Brand, als er morgens in die Schule gehen wollte. Er flüchtete 1938 über Schanghai nach Harbin in der Mandschurei (China). 1949 konnte er mit den Eltern nach Israel ausreisen. In der Lernapp „Fliehen vor dem Holocaust“ berichten er und vier andere ZeitzeugInnen über ihre Fluchtgeschichte und das Novemberpogrom. SchülerInnen können sich mithilfe der App interaktiv mit individuellen Fluchtgeschichten befassen.

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Zur Lern-App und den Lebensgesichten der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen: - Link 


                                          Gideon Eckhaus‘ Ausweis für das Palästina-Amt Wien (1938).

Gideon Eckaus flüchtete nach dem Novemberpogrom nach Palästina, dem späteren Israel. "Dieser Ausweis hat mir das Leben gerettet", so der langjährige Vorsitzender des Zentralkomitees der Österreicher in Israel .


Mit Video-Interviews lernen: Lern-Website "Neue Heimat Israel"

Video-Interviews können „echte“ Begegnungen mit ZeitzeugInnen nicht ersetzen, haben aber dafür andere Qualitäten und eröffnen andere Möglichkeiten. Sie können pausiert und wiederholt werden. Sie können via Smartphone oder Beamer, über Kopfhörer oder Audio-Anlage rezipiert werden. Sie können alleine, ganz nach individuellem Lerntempo, oder im Klassenverband geschaut werden. Zum empathischen Rezipieren kann sich leichter auch ein quellenkritischer Blick auf das Medium und die Erzählung einstellen. Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für das Lernen mit Video-Interviews ist, dafür ausreichend Zeit einzuplanen. Wenn auch die Verlockung groß ist, die Videos passiv zu konsumieren, ist die aktive Beschäftigung mit dem Gesehenen für den Lernprozess zentral. Erfahrungsgemäß lösen Erzählungen von ZeitzeugInnen der NS-Zeit bei den Lernenden viele Fragen, Empfindungen, auch empathische Reaktionen aus.

Die Lern-Website "Neue Heimat Israel" ermöglicht die digitale Begegnung mit 13 Überlebende des Holocaust aus Österreich nach ihrer Flucht in Israel eine neue Heimat fanden. 



Geschichte Vorort: Mit regionalen Bezüge die Geschichte des Holocaust vermitteln

Über den regionalgeschichtlichen Bezug kann Geschichte erfolgreich vermittelt werden. _erinnern.at_-Tirol hat zwei Lernangebote entwickelt, die zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Antisemitismus und des Novemberpogroms in Innsbruck einladen. Wenn aus Innsbruck vertriebene Jüdinnen und Juden über die Novemberpogrome berichten, können SchülerInnen aus Tirol einen Bezug zur eigenen Erfahrungswelt herstellen.


App zu den Opfern und Schauplätzen des Novemberpogroms in Innsbruck

App zu den Opfern und Schauplätzen des Novemberpogroms in Innsbruck

Mit einer von _erinnern.at_ und der IKG Tirol und Vorarlberg entwickelten App lassen sich die Schauplätze des Novemberpogroms 1938 besuchen. In 24 ...

alte-neue-heimat.at -  Lernwebsite mit ZeitzeugInnen-Interviews mit Tiroler Jüdinnen und Juden

alte-neue-heimat.at - Lernwebsite mit ZeitzeugInnen-Interviews mit Tiroler Jüdinnen und Juden

Zehn ZeitzeugInnen mit Innsbrucker Wurzeln erzählen auf der Lernplattform über ihre Kindheit und Jugend in Österreich vor 1938, über Verfolgung und ...