Neuerungen im Wissenschaftlichen Beirat von _erinnern.at_

Im November 2021 hat sich der Wissenschaftliche Beirat von _erinnern.at_ neu konstituiert. Nachdem sich fünf Mitglieder nach langjähriger Tätigkeit aus dem Beirat verabschiedet haben, rücken national und international renommierte ExpertInnen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen nach.

Der Wissenschaftliche Beirat von _erinnern.at_ setzt sich aus 8 Mitgliedern zusammen, die sich national und international durch ihre Kompetenz im Bereich der Tätigkeit von _erinnern.at_ ausgezeichnet haben. Zu den Haupttätigkeiten zählen die fachliche Beratung des Vorstandes und der Geschäftsführung bei der Entwicklung der inhaltlichen Strategie von _erinnern.at_ (z.B. thematische Schwerpunkte), die Beratung und Mitarbeit bei der Ausrichtung der Programmierung von Aktivitäten (Bildungsangebote, Unterrichtsmaterialien), die Begleitung und Evaluation der inhaltlichen Arbeit im Hinblick auf ihre wissenschaftliche Fundierung, sowie auch die Initiierung neuer Aktivitäten.

 

In der jüngst veröffentlichten Publikation „Nationalsozialismus und Holocaust – Materialien, Zeitzeugen und Orte der Erinnerung in der schulischen Bildung“ anlässlich des 20-jährigen Vereinsbestehens heben die Obleute von _erinnern.at_ Martina Maschke und Manfred Wirtitsch Relevanz und Engagement des Beirats hervor:

„Der wissenschaftliche Beirat hat _erinnern.at_ von Beginn an begleitet, die wissenschaftliche Reflexion gewährleistet und vielfach Mentorenschaft übernommen. Dabei ist es gelungen, wissenschaftliche Zugänge und Perspektiven mit unterschiedlichen inhaltlichen und institutionellen Hintergründen zu eröffnen, zusammenzuführen und damit die wissenschaftsgeleitete Basis für alle Aktivitäten von _erinnern.at_ herzustellen. Zahlreiche wissenschaftliche Projekte auf nationaler wie internationaler Ebene basieren auf der Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat, den über all die Jahre Falk Pingel vom Georg-Eckert-Institut in Braunschweig (Deutschland) umsichtig und stets auf Fortschritt und Erfolg von _erinnern.at_ bedacht geleitet hat.“

Rückblick und Wünsche des langjährigen Beiratssprechers

Falk Pingel, von Beginn an im Wissenschaftlichen Beirat und mehrere Jahre in der Funktion des Beiratssprechers, blickt anlässlich der Änderungen zurück und fasst die Kernaufgaben des Beirats zusammen:

„Ein Rückblick auf zwanzig Jahre im Beirat von _erinnern.at_ lässt mich vor allem an ertragreiche, engagiert, aber immer kollegial geführte Diskussionen über Eckpunkte, Probleme und Innovationen des Unterrichts über den Nationalsozialismus in Österreich denken; er spiegelt wichtige Entwicklungsphasen der Didaktik und thematischen Orientierung in diesem Zeitraum wider. Begannen wir mit der Bewertung und Entwicklung von Schulbüchern and anderen gedruckten Unterrichtsmaterialen, steht nun der Einsatz videographierter und elektronisch zur Verfügung stehender Zeugenberichte und Dokumentationen im Vordergrund. Im Beirat treffen die Erkenntnisse aus der Wissenschaft und die Anforderungen der Unterrichtspraxis aufeinander. Seine Mitglieder haben es vermocht, beide Seiten zur Geltung zu bringen und Entwicklungsanstöße in beide Richtungen zu geben: Einerseits zu beraten, an welchen Forschungsbereichen sich erinnern.at beteiligen sollte, um auf Anforderungen der Praxis angemessen reagieren zu können, gegenwärtig zum Beispiel auf rechtsradikale und antisemitische Strömungen, die auch die Klassenräume erreichen; andererseits neue Forschungserkenntnisse an die Unterrichtenden heranzutragen, um den Unterricht zu optimieren, beispielsweise für die Vorbereitung und Nutzung von Gedenkstätten- und Ausstellungsbesuchen. Ich bin mit Vorfreude auf spannende, herausfordernde, aber stets respektvoll geführte Gespräche zu den Sitzungen des Beirats gefahren, denen glücklicherweise akademisches Imponier- oder Konkurrenzgehabe fehlte, aber nicht der Ehrgeiz, die Diskussionen zielgerichtet mit der Absicht wissenschaftlicher Durchdringung und praktischer Umsetzung zu führen. Ich wünsche dem neuen Beirat, dass ihm diese Freude an sachlicher Auseinandersetzung, in der Emotionalität gerade angesichts des Themas Nationalsozialismus und Holocaust nicht fehlen kann, erhalten bleibt und zu fruchtbaren Ergebnissen in der neuen institutionellen Struktur beiträgt.“

Der Wissenschaftliche Beirat in seiner neuen Zusammensetzung

In der Beiratsitzung vom 4.11.2021 in Wien wurden Brigitte Bailer-Galanda, Eleonore Lappin-Eppel, Anton Pelinka, Falk Pingel (Sprecher des Beirates) Heidemarie Uhl, allesamt langjährige Mitglieder des Beirates verabschiedet. Der Vorstand von _erinnern.at_ vertreten durch Martina Maschke und Manfred Wirtitsch und der Geschäftsführer Patrick Siegele würdigten das kontinuierliche Engagement der Beiräte und Beirätinnen und hießen gleichzeitig die neuen Mitglieder willkommen. Die Beiräte Peter Gautschi, Thomas Hellmuth und Bertrand Perz und ihre Expertise bleiben dem Beirat weiterhin erhalten. Der neue Beirat setzt sich wie folgt zusammen:

 

Helga Embacher

Seit 2001 ao. Univ. Prof. am Fachbereich Geschichte an der Universität Salzburg

Forschungsschwerpunkte: Nationalsozialismus, jüdische Geschichte, Emigration, Israel und Naher Osten, Antisemitismus.

 

Peter Gautschi

Professor für Geschichtsdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Luzern, Schweiz, Leiter des Instituts für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen.

Forschungsschwerpunkte: Geschichtsunterricht, Public History, Lehrmittel. Er ist Mitglied in verschiedenen Gremien. Mehrere seiner Publikationen wurden mit Preisen ausgezeichnet (u. a. World Didac Award).

 

Thomas Hellmuth

Universitätsprofessor für Didaktik der Geschichte an der Universität Wien, zuvor assoziierter Professor für Geschichtsdidaktik und Politische Bildung an der Universität Salzburg.

Forschungsschwerpunkte: Theorien und Methoden der Didaktik der Geschichte und politischen Bildung (insbesondere subjektorientierte Geschichts- und Politikdidaktik), historisch-politisches Lernen, Geschichte des historischen und politischen Lernens, Geschichtskultur und Identitäten; Kulturgeschichte Frankreichs, Lokal- und Regionalgeschichte.

 

Bertrand Perz

Professor für Zeitgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte.

Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Nationalsozialismus, Konzentrationslager, Zwangsarbeit, Rüstungsindustrie und Kriegswirtschaft, Holocaust, Nachgeschichte des Nationalsozialismus und Memorialisierung.

 

Andrea Petö

Professorin in der Abteilung für Gender Studies an der Central European University, Wien, Wissenschafterin an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Forschungs- und Lehrschwerpunkte: vergleichende europäische Sozial- und Geschlechtergeschichte, Geschlecht und Politik, Frauenbewegungen, Oral History, Holocaust.

 

Ljiljana Radonić

Politikwissenschafterin, Leiterin des ERC-Projekts „Globalisierte Gedenkmuseen“, Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, Österreichische Akademie der Wissenschaften.                                

Forschungsschwerpunkte: Antisemitismustheorie, Holocaust, Erinnerungskultur, Erinnerungskonflikte in (Ostmittel-)Europa, Museen und Gedenkstätten.

 

Dominique Trimbur

Historiker, Programmleiter an der Fondation pour la Mémoire de la Shoah, Paris, zuständig für akademische und pädagogische Projekte, Mitglied der französischen Delegation bei der IHRA, Academic Working Group.

Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Antisemitismus, Holocaust, Deutsch-israelische Beziehungen.

 

Bernhard Weidinger

Politikwissenschafter, DÖW (Betreuung Rechtsextremismus-Sammlung).

Forschungsschwerpunkte: Rechtsextremismus in Österreich und im internationalen Vergleich, völkischer Nationalismus, Studentenverbindungen.

Erstellt am 2021-11-24T09:47:45+01:00, zuletzt geändert 2021-11-25T12:16:13+01:00