Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Didaktik

Artikel zu Gedächtnisorten, Gedenkstätten und Gedenkstättenpädagogik.


"Es liegt dieser Museumskultur ein tiefer Aberglaube zugunde, nämlich dass die Gespenster gerade dort zu fassen seien, wo sie als Lebende aufhörten zu sein. Oder vielmehr kein tiefer, sondern eher ein seichter Aberglaube, wie ihn auch die Grusel- und Gespensterhäuser in aller Welt vermitteln. Ein Besucher, der hier steht und ergriffen ist, und wäre er auch nur ergriffen von einem solchen Gruseln, wird sich dennoch als ein besserer Mensch vorkommen. Wer fragt nach der Qualität der Empfindungen, wo man stolz ist, überhaupt zu empfinden? Ich meine, verleiten diese renovierten Überbleibsel alter Schrecken nicht zur Sentimentalität, das heißt, führen sie nicht weg vom Gegenstand, auf den sie die Aufmerksamkeit nur scheinbar gelenkt haben, und hin zur Selbstbespiegelung der Gefühle."
Ruth Klüger: Weiter leben. Eine Jugend,
München 1994, S. 76

 

 

Ruth Klüger verweist auf eine der vielen Problemzonen, die gelingendes Lernen an NS-Gedenkstätten und Gedächtnisorten umgeben. Nicht nur kann leicht eine oberflächliche Sentimentalität ohne jeden historischen Bezug mit empathischem Verstehen und reflektiertem Durchdringen verwechselt weren, sondern ebenso leicht kann in einem falsch verstandenen "erlebnispädagogischem" Ansatz der Besuch der Gedenkstätte mit einem Besuch des Konzentrationslagers verglichen werden: am besten an einem kalten Tag mit frierenden Schülern, damit sie ein "Gefühl" für die Leiden der Häftlinge bekommen sollten.

Auch kann ein Besuch einer Gedenkstätte nicht den Geschichtsunterricht über die NS-Zeit ersetzen. Ist der Gedenkstättenbesuch jedoch gut vorbereitet, lässt er Zeit für reflektierende Gespräche und Austausch über die Fragen, die am Ort auftauchen, gibt es im Anschluss daran noch Gelegenheit, die Eindrücke, Erfahrungen und erworbenen Kenntnisse zu besprechen, dann vermögen diese historischen Orte Lernerfahrungen zu befördern, die im Klassenzimmer so kaum möglich sind.

Für dieses gelingende Lernen ist vor allem zweierlei nötig: Zeit und Gespräche über die jeweils individuellen Zugänge und Fragen.

Erinnerung bewahren - authentische Orte erhalten - Verantwortung übernehmen.

KZ-Überlebende, die die internationalen Komitees von neun Lagern Vertreten, verabschiedeten in Berlin zum Holocaust-Gedenktag 27. Jänner 2009 ein "Vermächtnis". - lesen

Heidemarie Uhl: - download

 

Texte: Didaktik / Methodik

Bibliothek - link

Mauthausen: Italienisches Mahnmal mit italienischen Jugendlichen, April 2007, Foto: Josef Preundler
Mauthausen: Italienisches Mahnmal mit italienischen Jugendlichen, April 2007, Foto: Josef Preundler
Kombinat Media Gestalteer GmbH