Zeitzeugengespräche
Die im Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramm aktiven Personen waren selbst oder als Familie von der NS-Verfolgung betroffen – als Kinder zwischen 1938 und 1945 oder als Nachkommen. Viele wuchsen – zumindest die ersten Lebensjahre – im Exil auf und leben derzeit in Österreich. Sie erzählen ihre Lebens- und Familiengeschichten und übernehmen damit im Gesprächssetting die Rolle von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.
Das OeAD Programm ERINNERN:AT setzt das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramm im Auftrag des österreichischen Bildungsministeriums um. Das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramm gibt es seit 1978.
Gut zu wissen
- Bitte lesen Sie zunächst die Informationen auf dieser Seite: Organisatorische Empfehlungen, Tipps zur Gestaltung der Lernsettings und werfen Sie einen Blick in die Kurzbiografien.
- Über das Anfrageformular am Ende der Seite können anschließend Terminwünsche an uns übermittelt werden.
- Bestenfalls ist eine Anfrage etwa 6-8 Wochen vor dem Wunschtermin zu stellen.
- Die Termin- und Erstabstimmung mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen findet über ERINNERN:AT statt.
- Die Verrechnung der Kosten erfolgt direkt zwischen den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und dem OeAD, solange die dafür vorgesehenen Mittel des Bildungsministeriums dafür reichen.
- Für individuelle Fragen finden Sie am Ende der Seite unseren Kontakt.
Organisatorische Empfehlungen
Zeitrahmen
Bitte planen Sie für das Zeitzeugengespräch nach Möglichkeit 2 bis 3 Unterrichtseinheiten ein. Nur so bleibt ausreichend Zeit für Erzählung und Gespräch sowie eine Pause etwa in der Halbzeit. Für die meisten älteren Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ist ein Beginn ab dem späteren Vormittag gut möglich.
Gruppengrößen
Gespräche vor kleineren Gruppen (z.B. eine Klasse) ermöglichen meist einen persönlicheren Austausch. Den SchülerInnen fällt es leichter, Fragen zu stellen und in einen Dialog zu kommen.
Anderen ReferentInnen ist ein großes Publikum wichtig und sie sprechen bevorzugt vor mehreren Klassen (wenn sie beispielsweise einen weiteren Weg auf sich nehmen müssen).
Barrierefreiheit
Für viele ältere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ist ein möglichst barrierefreier Zugang zum Veranstaltungsraum notwendig. Wir informieren Sie hierzu situationsspezifisch im Zuge Ihrer Anfrage.
Raum und Aufbau
Bei kleineren Gruppen empfiehlt sich ein Stuhlkreis, bei größeren Gruppen Halbkreise oder eine Kinobestuhlung. Für die ReferentInnen, etwaige Begleitpersonen und die Lehrperson selbst, empfiehlt es sich in der Regel einen Tisch, zwei bis drei Stühle und Wasser bereitzustellen.
Manche ReferentInnen bitten zudem um die Möglichkeit, Fotos über einen Beamer zeigen zu können, oder sie bringen Bilder, Dokumente und Bücher mit.
Begleitteam von ERINNERN:AT
Auf Wunsch der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Nachkommen ist eine persönliche Begleitung der Gespräche durch ERINNERN:AT möglich.
Wenn das Gespräch von ERINNERN:AT begleitet stattfindet, fungiert die jeweilige Begleitperson auch als Ansprechperson für Lehrkräfte vor und nach dem Gespräch.
Wenn das Gespräch nicht von ERINNERN:AT begleitet wird, wird im Zuge der Gesprächsvermittlung für die AnfragestellerInnen direkt der Kontakt zu den ReferentInnen hergestellt.
Moderation
Wenn das Zeitzeugengespräch nicht von ERINNERN:AT persönlich begleitet wird, sollte eine Person vor Ort eine unterstützende Moderationsaufgabe übernehmen.
Kurzbiografien
Eine kurze Vorstellung der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Nachkommen und individuelle Angaben zu Zeitwünschen, Reisedistanzen, Gruppengrößen finden Sie bei den Kurzbiografien. Sie finden hier ebenfalls Angaben oder Links zu persönlichen Unterlagen und Materialien (z.B. Bücher, Texte, Videointerviews).
Tipps zur Gestaltung der Lernsettings
Einblicke in konkrete Lebens- und Familiengeschichten im Kontext zeithistorischer Ereignisse eröffnen für Lernende vielfach neue Zugänge und Erkenntnismöglichkeiten. Insbesondere dialogisch gestaltete Settings erlauben es SchülerInnen, ihre Fragen zu artikulieren und im direkten Austausch mit Angehörigen der Erlebnisgeneration zu verhandeln.
Zeitzeugengespräche sind kein Ersatz für Geschichtsunterricht, sondern können eine wertvolle Erweiterung sein. Die Qualität der Begegnungen entfaltet sich vor allem durch eine sorgfältige und altersgerechte didaktische Vor- und Nachbereitung, etwa durch historische Kontextualisierung und Reflexion.
Die Vor- und Nachbereitung
Eine gute Vor- und Nachbereitung im Unterricht beinhaltet beispielsweise die Vermittlung von Grundlagenwissen zum historischen Kontext der erwarteten Zeitzeugenerzählung sowie Informationen über die Person, die zu Gast kommen wird.
Wichtig ist zudem eine Einstimmung auf die persönliche Begegnung: Was bedeutet lebensgeschichtliches Erzählen? Was für eine Lebensgeschichte werden wir kennenlernen? Welche Fragen könnte ich dieser Person stellen? Rückblickend sollten Eindrücke und offene Fragen aufgegriffen und vertieft werden.
Auch Videointerviews können zur Vor- und Nachbereitung eines Zeitzeugengesprächs eingesetzt werden. So können im Unterricht kontrastierend andere Verfolgungserfahrungen und die Erzählungen unterschiedlicher Zeitzeuginnen, Zeitzeugen und Nachkommen thematisiert werden.
Hier finden Sie unsere Begleitmaterialien für die Vor- und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen:
Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen sind in erster Linie ExpertInnen für ihre Lebensgeschichten
Die im Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramm aktiven ReferentInnen berichten aus ihren persönlichen Lebens- und Familiengeschichten zur Zeit des Nationalsozialismus sowie zum Leben davor und danach.
Die im Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm aktiven Personen bringen unterschiedliche Erfahrungs- und Herkunftshintergründe mit. Alle waren selbst oder in der Familie von der NS-Verfolgung betroffen. Sie erzählen SchülerInnen aus ihrer Lebens- und Familiengeschichte und kommen nicht als ExpertInnen für aktuelle politische Konflikte, wie beispielsweise den Nahostkonflikt, an die Schulen. Wir bitten Sie daher, SchülerInnen sowie beteiligte KollegInnen im Vorfeld entsprechend darauf vorzubereiten und die eingeladenen ErzählerInnen nicht zu einer Stellungnahme zu aktuellen politischen Themen zu drängen, wenn diese das nicht wünschen.
Mehr zum Thema Bildungsarbeit gegen Antisemitismus
Mehr über das Lernsetting Zeitzeugengespräch erfahren
Genauere Informationen zu Ablauf und didaktischen Fragen finden Sie im Handout des jährlichen Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminars, der österreichweit größten Fortbildung für Lehrpersonen zum Thema Zeitzeugenarbeit, die stets im Frühjahr stattfindet.
Zudem finden regelmäßig Fortbildungen an den Pädagogischen Hochschulen zum Lehren und Lernen mit Lebensgeschichten statt.
Zum Handout des jährlichen Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminars
Zum Fortbildungsangebot „Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminar“
Zu allen ERINNERN:AT Fortbildungen
Feedback von Lehrkräften und TeilnehmerInnen
„Am stärksten in Erinnerung geblieben ist mir, wie offen Frau Sturm-Schnabl über ihre traumatisierenden Erlebnisse sprach und dabei all unsere Fragen ausführlich beantwortete. Dadurch konnten wir uns noch besser in die damaligen Umstände hineinversetzen (...). Erst durch solche individuellen Schicksale wird deutlich, wie unermesslich grausam diese Zeit war und wie unvorstellbar privilegiert wir heute leben.“
Zukünftiger Zivildienstleistender im März 2025
„Mich hat ihre Erzählung von Frau Katja Sturm-Schnabl sehr berührt, vor allem weil sie gezeigt hat, wie stark die slowenische Bevölkerung in Kärnten unter dem Faschismus, sowohl italienischer und deutscher Seite gelitten hat, etwas, worüber viel zu wenig gesprochen wird. Besonders eindrücklich fand ich, wie sie als Kind die Angst vor den Nazis erlebt hat und wie willkürlich ihre Familie aus ihrer Heimat deportiert wurde. Auch der Moment der Befreiung durch die Amerikaner, als auch der nach wie vor grassierende Rassismus in Kärnten gegenüber Slowaken hat mich sehr bewegt.“
Zukünftiger Zivildienstleistender im März 2025
„Von Seiten der SchülerInnen sehr positiv – Herr Horvath hat es geschafft, sie in seinen Vortrag einzubinden (...). Herr Horvath ist so lebendig, authentisch in seinem Vortrag mit seinen Gedichten – es ist wichtig, solche Gespräche an den Schulen durchzuführen.“
Lehrperson im Juni 2026
„Der Ablauf war gut vorbereitet und wurde mit der Begleitperson vorab telefonisch besprochen. Die SuS haben viele Fragen vorbereitet, die in der ersten Stunde gestellt und entsprechend beantwortet wurden. In der zweiten Stunde wurden Fotos und andere Originalquellen gezeigt, die die SuS ansehen und zu denen sie weitere Fragen stellen konnten. Es ging bspw. darum, inwiefern die Zeitzeugin mit ihren Eltern über den Holocaust und die Flucht aus Wien gesprochen hat, wie das Nachkriegswien auf sie als Rückkehrer*innen reagiert hat, welche Erfahrungen sie mit Antisemitismus gemacht hat, wie sie die aktuelle Lage hinsichtlich antisemitischer Einstellungen in Österreich aus ihrer Sicht beurteilt u.v.m. (...). Es hat alles wirklich gut und reibungslos funktioniert. Die Kontaktaufnahme und Erreichbarkeit des Moderators war toll, das vorbereitende Gespräch mit ihm sehr ausführlich und unkompliziert und auch die Terminvereinbarung hat sich genau so gestaltet.“
Lehrperson im Juni 2026
„Ablauf sehr gut. Herr Loewe wurde von seiner Ehefrau unterstützt und begleitet. Schüler*innen waren – v.a. auch durch aktive Nachfragen von Herrn Loewe – mit Wortmeldungen an Gespräch beteiligt. Herr Loewe hat geschichtliche Fakten und seine eigene Geschichte sehr gut verwoben/präsentiert. Der Vortrag war extrem informativ (und durch die persönliche Geschichte natürlich auch sehr emotional). Die Schüler stellten mehrere Nachfragen bzw. waren besonders an der persönlichen Geschichte des Zeitzeugen interessiert. Herr Loewe hat mit den Schüler*innen sehr wertschätzend, positiv und interessiert interagiert. Herzlichen Dank an Herrn Loewe für den sehr spannenden Vormittag (und an Frau Loewe für die Unterstützung)!“
Lehrperson im Juni 2026
Anfragen/Kontakt
Ihre Anfrage für ein Zeitzeugengespräch können Sie über das folgende Online-Kontaktformular an uns richten.
Weitere Fragen zum Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm richten Sie bitte an Julia Demmer unter zeitzeugenbesuch@oead.at oder +43 1 53408-563 .
Weiterführende Informationen
- Fortbildung zur pädagogischen Arbeit mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen: Das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminar
- Lernen mit Video-Interviews von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der NS-Verfolgung
- Wanderausstellung für Schulen mit Geschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen: Ausstellung "darüber sprechen"
- Pilotprojekt mit Holocaust-Nachkommen und Ergebnisse der Begleitforschung
- Empfehlungen für Bildungsarbeit gegen Antisemitismus
Die Zeitzeugengespräche finden auf Wunsch der Zeitzeuginnen, Zeitzeugen und Nachkommen mit oder ohne Begleitperson statt, die auch bei der Moderation der Gespräche unterstützt (Fotocredit: OeAD/APA Fotoservice/Rastegar 2026).
Ein Teil der aktiven Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen nimmt stets auf dem jährlichen Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminar von ERINNERN:AT teil, auf dem Lehrkräfte sich mit dem Lernsetting Zeitzeugenspräch befassen und ReferentInnen im Zeitzeugenprogramm kennenlernen können (Fotocredit: OeAD/APA Fotoservice/Rastegar 2026).
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- Zeitzeuginnen und Zeitzeugen
