Jahresthema 2023: NS-Verfolgung Homosexueller

Das OeAD-Programm _erinnern.at_ widmet sich 2023 in einem Jahresschwerpunkt erstmals der Verfolgung und Ermordung Homosexueller während der NS-Zeit in Österreich sowie der schulischen Vermittlung dieses Themas.


_erinnern.at_ reagiert damit sowohl auf eine Leerstelle in der österreichischen Erinnerungskultur und Bildungsarbeit als auch auf wichtige erinnerungspolitische Ereignisse in Österreich und Deutschland: Am 27. Jänner 2023 erinnerte der Deutsche Bundestag in einer offiziellen Gedenkstunde anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags erstmals in seiner Geschichte der homosexuellen NS-Opfer. Und in Wien wird im Sommer die Einweihung des Denkmals für die während der NS-Zeit verfolgten und ermordeten Homosexuellen in Österreich erwartet.

Höhepunkt der Aktivitäten zum Jahresschwerpunkt von _erinnern.at_ wird das Zentrale Seminar sein, welches in Kooperation mit QWIEN (Zentrum für queere Geschichte Wien) von 16. bis 18. November 2023 in Wien stattfinden wird. Darüber hinaus organisiert _erinnern.at_ zahlreiche weitere Veranstaltungen und Bildungsangebote zum Jahresschwerpunkt, über die wir auf dieser Seite regelmäßig informieren werden. Außerdem ist eine kommentierte Link- und Materialsammlung in Arbeit mit Beispielen aus dem deutschsprachigen Raum zur Vermittlung des Themas im Unterricht und anderen Bildungskontexten.

Den Auftakt des Jahresschwerpunkts bilden ein Webinar und eine Lesung mit dem international bekannten Historiker, Aktivisten und Jugendbuch-Autor Lutz van Dijk am 2.2.23: „Verdammt starke Liebe“.

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Nur wenige Zeugnisse von im NS verfolgten Homosexuellen stehen uns heute zur Verfügung. In diesem eigenhändig verfassten Lebenslauf beschreibt Josef Traxl (geb. 1900) sein Leben als österreichischer Homosexueller in Zürich. Nachdem ihn die Schweiz aufgrund seiner Sexualität ausweist, wird er schließlich ins KZ Buchenwald deportiert, wo er am 24. August 1941 an den Folgen der Lagerhaft stirbt. (Bild: Bezirksanwaltschaft Zürich, Büro 24, CC BY-SA 4.0)

Geschichtliche Hintergründe und Aufarbeitung

Die Kriminalisierung männlicher und weiblicher Homosexualität in Österreich reicht lange zurück. Grundlage bildete der Strafrechts-Paragraf 129, der von 1852 bis zur „Kleinen Strafrechtsreform“ 1971 beinahe unverändert galt. Hier geben wir einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Verfolgung Homosexueller.

Ebenso thematisiert der folgende Artikel die die Situation nach 1945, die an die Strafverfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus anknüpfte und ihnen jegliche Anerkennung als Opfergruppe versagte. Schließlich wird ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand geworfen: Wie viel wissen wir 2023 über die NS-Homosexuellenverfolgung?


Zum Artikel

Pädagogische Materialien zum Jahresschwerpunkt


Wie lässt sich das Thema Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen in der NS-Zeit im Unterricht behandeln? Hier finden Sie eine stetig wachsende kuratierte Sammlung an pädagogischen Materialien und Medien, die _erinnern.at_ für die Auseinandersetzung im Unterricht empfiehlt. Darunter finden sich beispielsweise Bücher und Filme, die einen Einstieg ins Thema bieten wie auch Materialien, anhand derer sich die Jugendlichen mit der Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus aber auch mit heutiger Diskriminierung und der eigenen Haltung befassen können.

Derzeit arbeitet _erinnern.at_ darüber hinaus an Lernmaterialien, mit deren Hilfe sich die Jugendlichen mit ganz konkreten Lebensgeschichten auseinandersetzen können. Diese werden im Jahresverlauf ebenfalls hier veröffentlicht.


Zur Sammlung

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Im Visual History Archive stehen Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen zur Verfügung, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Für die dazugehörige deutsche Lernwebsite „IWitness“ wird derzeit mit _erinnern.at_ ein digitales Lernangebot zum Jahresschwerpunkt erarbeitet. Dieses widmet sich neben der NS-Verfolgung Homosexueller auch der Aufarbeitung und dem heutigen Umgang mit der Vergangenheit.   

Veranstaltungen 

Hier informieren wir fortlaufend über Termine zum Jahresschwerpunkt. Dazu gehören beispielsweise Gedenkveranstaltungen, Präsentationen konkreter Lernmaterialien, Filmvorführungen sowie Fortbildungen für PädagogInnen. Bereits zum Vormerken: Vom 16. bis zum 18. November 2023 findet das diesjährige Zentrale Seminars von _erinnern.at_ in Kooperation mit QWIEN (Zentrum für queere Geschichte Wien) in Wien statt und ermöglicht Lehrkräften eine intensive Fortbildung zum Themenschwerpunkt.

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