Kurzbiografien

Über das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm fördert das Bundesministerium für Bildung (BMB) bereits seit Ende der 1970iger Jahre Gespräche zwischen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unterschiedlicher NS-Opfergruppen und SchülerInnen aus ganz Österreich. Das OeAD-Programm ERINNERN:AT vermittelt die Gespräche, stellt Info- und Begleitmaterialien zur Verfügung und ermöglicht – auf Wunsch der Erzählerinnen und Erzähler – eine persönliche Begleitung der Gespräche.

Weitere Informationen zu Zeitzeuginnen- und Zeitzeugengesprächen mit ERINNERN:AT

Hier stellen wir Ihnen die Personen vor, die aktuell von uns angefragt werden können. Bitte beachten Sie die Informationen u.a. zu Altersgruppen, Gruppengrößen und Mobilität sowie verlinkte Unterrichtsmaterialien und Quellen. Seit dem Schuljahr 2026/2027 werden auch Nachkommen im Rahmen des Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramms an Schulen vermittelt. Auch diese stellen wir Ihnen hier vor. Im Rahmen Ihrer Anfrage können Sie konkrete Personen nennen, die Sie besonders gerne im Rahmen eines Zeitzeuginnen- und Zeitzeugengesprächs einladen möchten.

Aktuell können folgende Personen von uns angefragt werden (die Kurzbiografien werden laufend aktualisiert):


Foto: BKA

Dirk Peter Adler wurde 1940 als Dirk Peter Moldauer in eine jüdische Familie in Amsterdam geboren. Seine Mutter, Sarah Agapy-Adler, stammte aus Czernowitz; sein Vater, Nachum Moldauer, kam aus Jasło in Polen. Die Eltern heirateten 1937 in Amsterdam, wo der Vater ein Pharmaunternehmen gegründet hatte. Im Jahr 1940 besetzten die Nationalsozialisten die Niederlande. Trotz der wachsenden Gefahr entschieden sich die Eltern, in Amsterdam zu bleiben – in der Überzeugung, ihre Staatsbürgerschaft würde sie schützen. Während eines Fluchtversuchs in die Schweiz wurde Dirk von Mitgliedern des Widerstands, die bei der Flucht helfen sollten, nach Amsterdam zurückgebracht. Seine Eltern sowie Tante und Onkel wurden verraten, nach Mechelen deportiert und von dort weiter nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wurden. Dirk Moldauer überlebte, weil ihn eine christliche Familie aufnahm und als eigenes Kind ausgab. Nach der Befreiung wurde er von seinen Pflegeeltern adoptiert, die ihn mit nach Bogotá, Kolumbien, nahmen. Seitdem trägt er den Namen Dirk Peter Adler. Seit 2025 ist er im Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramm von ERINNERN:AT. 

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: 2-3 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1 bis 3 Schulklassen

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Interview auf weitererzählen

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Ruth Contreras wurde 1942 als Ruth Lichtenberg in Kolumbien geboren. Ihre Mutter stammte aus einer jüdischen Familie in Wien und arbeitete dort als Fürsorgerin. Ihr Vater war katholisch getauft und Chemigraph. Beide Eltern waren politisch aktiv und mussten nach dem Februar 1934 ihre Arbeit aufgeben. 1938 gelang die Flucht nach Kolumbien. Ein Jahr später folgte Elfriedes Mutter nach. Sie stammte aus Böheimkirchen und verlor im Holocaust mehrere Familienmitglieder. In der Emigration engagierten sich Ruths Eltern im „Comité de los Austriacos Libres“, das österreichische Geflüchtete unterstützte und kulturelle Veranstaltungen organisierte. 1948 kehrte die Familie ins zerstörte Wien zurück, ein tiefer Einschnitt. Ruth wuchs in Favoriten auf, lebt heute in Pitten und studierte später Naturgeschichte, Geographie und Zoologie. Sie arbeitete am Naturhistorischen Museum und widmete sich nach der Pensionierung mit der Jüdischen Geschichte in der Buckligen Welt und der Geschichte der Juden im Arbeiterbezirk Favoriten.

Region: persönliche Schulbesuche in Wien, Bezirk Wr. Neustadt und Bezirk Neunkirchen (Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollte gegeben sein bzw. müsste die Hin- und Rückfahrt von der Schule organisiert werden)

Altersgruppe: ab 4. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1 bis 4 Schulklassen; Gespräche nur im Präsenzformat

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Buchempfehlungen:

Hagenhofer, J./Dressel, G./Sulzgruber, W. (2019): Eine versunkene Welt. Jüdisches Leben in der Region Bucklige Welt – Wechselland.

Contreras, Ruth (2025): Das jüdische Favoriten – Ein Gedenkbuch.

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Marion Fischer (geb. Klein) wurde 1937 als Kind einer jüdischen Familie in Wiener Neustadt geboren. Aufgewachsen ist sie in Bad Sauerbrunn im Burgenland. 1938 scheiterte der erste Fluchtversuch der Familie nach Palästina, sie musste in Zypern umkehren. Ab 1940 war Marion Fischer mit ihren Eltern und ihrem Bruder in italienischen Lagern inhaftiert, 1944 gelang die Flucht in die Schweiz. Als Flüchtlingskind empfand sie sich nicht als willkommen. Nach längerem Aufenthalt in Meran, übersiedelte die Familie Klein 1951 nach Innsbruck. Der Vater bevorzugte Tirol, weil er dort weniger Nazis als in Wien vermutete. „Das war einer der großen Irrtümer seines Lebens“, betont Marion Fischer, die ihre Grundstimmung als „überlebensfroh“ beschreibt. Seit Jahren engagiert sie sich als Zeitzeugin in Österreich und Italien.

Region: persönliche Schulbesuche in Tirol

Altersgruppe: ab 4. Schulstufe

Zeiten: flexibel

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1-4 Schulklassen; Gespräche nur im Präsenzformat möglich; Hin- und Rückfahrt sind von der Schule zu organisieren

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Interview auf weitererzählen

Kurzinterview

Horst Schreiber: Marion Fischer, Überlebende des Holocaust: „Ich bin so dankbar, dass wir mit dem Leben davongekommen sind.“

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Elisabeth Ganglberger wurde als Rachel Elisabeth Modern 1940 in Shanghai, China geboren. Ihr Vater Franz Modern war jüdischer Arzt, ihre Mutter Leopoldine eine katholische Bauerntochter aus dem Weinviertel. Nach den Novemberpogromen wurde die Lage in Wien immer gefährlicher. Schließlich erlangte das Ehepaar Modern eine Schiffspassage nach Shanghai. Als Arzt konnte Franz Modern eine Zeit lang in einem Missionsspital im Inneren Chinas arbeiten, bis die Japaner unter dem Druck Hitlers verlangten, alle Flüchtlinge in Shanghai zu konzentrieren. Dort kam die Tochter der Moderns, Elisabeth (Elsi), 1940 zur Welt. Das Leben in der „Designated Area“ (wurde später als Ghetto eingestuft), war entbehrungsreich. 1947 wurde mit amerikanischer Hilfe ein Schiff für die „Repatriierung“ Deutscher und Österreicher zur Verfügung gestellt. Nur mit einem Koffer begann die Familie ein neues Leben in Wien. Franz Modern starb drei Jahre nach der Rückkehr an den Folgen des Aufenthalts in China. Elisabeth konnte sich durchsetzen das Gymnasium zu besuchen und studierte Chemie. Aus Angst vor Antisemitismus änderte sie zu Studienbeginn ihren Namen. Für eine Ausstellung im Wiener Jüdischen Museum stellte sie 2020 Dokumente zur Verfügung. Seit 2024 engagiert sie sich bei ERINNERN:AT.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt, in Ausnahmefällen auch weitere Distanzen möglich

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: Gespräche im Präsenzformat möglich

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Buch und Ausstellung: Die Wiener in China. Fluchtpunkt Shanghai. Jüdisches Museum Wien (2020-21)

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Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Stefan Horvath wurde 1949 in einer Romasiedlung in Oberwart geboren. Seine Eltern überlebten das Vernichtungslager Auschwitz. Stefan Horvath ist verheiratet und lebt noch immer in der früheren Romasiedlung. Im Februar 1995 wurde Stefan Horvaths Sohn Peter Sarközi Opfer des rassistisch und völkisch motivierten Rohrbombenattentats auf Roma im Burgenland. Dieses Ereignis bewegte ihn dazu, über das Schicksal seiner Volksgruppe und auch über seine eigenen Erfahrungen zu sprechen und zu schreiben. In seinem Buch „Ich war nicht in Auschwitz“ beschreibt er aus fiktiven sowie mündlich weitergegebenen Erzählungen und Gedichten einen Appell an die Menschheit, Geschehenes nicht vergessen zu lassen. Er tut dies vor allem als Nachkomme von KZ-Opfern und als Angehöriger eines Terror-Opfers. Das Buch wurde von Kindern illustriert, welche durch die Bilder zum Ausdruck bringen, was sie unter einem „KZ“ (Konzentrationslager) verstehen. Stefan Horvath ist seit vielen Jahren im Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm von ERINNERN:AT engagiert.

Region: persönliche Schulbesuche in ganz Österreich möglich

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 8 Uhr

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1-3 Schulklassen; Gespräche nur im Präsenzformat (nicht via Zoom) möglich

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Buchempfehlung: Ich war nicht in Auschwitz. Erzählungen, edition lex liszt, 2003

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Thomas Lachs wurde im Juli 1938 in Wien in eine jüdische Familie geboren. Im September floh er mit seinen Eltern, Ernst und Minna Lachs, zunächst in die Schweiz, 1941 weiter mit dem berüchtigten Schiff „SS-Navemar“ von Spanien nach New York. Auf dem überfüllten Schiff herrschten entsetzliche hygienische Bedingungen. Die Großeltern mütterlicherseits schafften es rechtzeitig nach Palästina, wo bereits Minnas Bruder seit 1933 lebte. Die Großeltern väterlicherseits überlebten nicht – beide  wurden in Konzentrationslagern ermordet. 1947 kehrte Thomas mit seinen Eltern nach Wien zurück. Er lernte Deutsch, besuchte ein Gymnasium im 12. Bezirk, studierte später Recht und Volkswirtschaft und promovierte 1961. Minna Lachs wurde Direktorin eines Mädchengymnasiums und setzte sich für eine Modernisierung des Schulwesens ein. Mit antisemitischen Anfeindungen war sie auch nach 1945 noch konfrontiert. 1964 heiratete Thomas Lachs. Er hat heute zwei Kinder und ein Enkelkind. Zeit seines Lebens engagierte er sich politisch und im kulturellen Bereich, mit dem Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm von ERINNERN:AT besucht er seit 2023 Schulen.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1-4 Schulklassen; Gespräche im Präsenzformat oder via Zoom möglich

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Buchempfehlung: Minna Lachs: Warum schaust du zurück. Erinnerungen 1907-1941. Wien, 1986.

Buchempfehlung: Minna Lachs: Zwischen zwei Welten. Erinnerungen 1941-1947. Wien, 1992.

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Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Siegfried Loewe wurde 1939 in Brüssel geboren. Als er drei Jahre alt war, wurde er mit seiner Schwester von belgischen Widerstandskämpfern in Brüssel versteckt. Die leiblichen Eltern von Siegfried, Zlata (Lotte) Grossmann und Chaim (Hermann) Grossmann wurden in Auschwitz ermordet. Sie hatten sich in Saarbrücken kennengelernt, wo sie heirateten und bis zu ihrer Flucht nach Brüssel lebten. Nach Kriegsende kamen Siegfried und seine Schwester in ein jüdisches Kinderheim. Von dem österreichischen Ehepaar Alfred und Hedwig Loewe, das den Krieg in Belgien überlebt hatte, wurden sie als Pflegekinder aufgenommen. 1947 kehrten die neuen Pflegeeltern mit Siegfried und Rebecca nach Wien zurück, allerdings ohne den älteren, 1931 geborenen Bruder Harry, der auch überlebt hatte, zu informieren. Siegfried erfuhr erst als Erwachsener von seiner Herkunft und seinem Bruder. Nach der Schule studierte er Rechtswissenschaften, später Romanistik und Geschichte, und wurde Hochschullehrer. Sowohl im schulischen Bereich als auch im späteren familiären Umfeld der Schwiegereltern erlebte er Antisemitismus. Siegfrieds Erinnerungen wurden 2022 unter dem Titel „Versteckt und verschwiegen“ veröffentlicht. Seitdem engagiert er sich als Zeitzeuge an Schulen.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt, in Ausnahmefällen auch weitere Distanzen möglich

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: Gespräche im Präsenzformat möglich

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Buchempfehlung: Rudolf Leo (2022): Versteckt und verschwiegen. Erinnerungen von Siegfried Loewe.

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Foto: Cornelia Smolik

Eveline Elisabeth (Liesl) März wurde am 7. August 1938 in Wien geboren. Durch die Firma IBM war ihrem Vater Eduard März unmittelbar nach dem „Anschluss“ die Flucht in die Schweiz geglückt, dann eine Weiterreise in die Türkei. 1940 gelangte er über die Sowjetunion in die USA. Seine Frau Gertraud Ruth März (geb. Bleier) konnte mit Liesl im Dezember 1938 in die Schweiz flüchten. Mit dem berüchtigten Schiff „Nyassa“ erreichten sie im April 1941 New York, wo Liesl ihren Vater kennenlernte. Im Jänner 1947 kam ihr Bruder zur Welt. Die Rückkehr nach Wien (1952/53) bedeutete für sie eine schwere Zeit: Sprachwechsel, Antisemitismus. Eveline Elisabeth fand Gleichgesinnte in der Jugendbewegung „Haschomer Hazair“. Die Eltern verfolgten ihre Berufe als Wirtschaftswissenschaftler und Ärztin. Liesl verwirklichte ihren Traum nach Israel zu gehen 1957. Dort lebte sie in Kibbutzim, studierte in Jerusalem Anglistik, Romanistik, Pädagogik, später Romanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft in den USA. Sie war in den USA und in Israel an Mittelschulen und an der Hochschule tätig. Seit 1975 lebt Liesl kontinuierlich in Österreich. Im Pensionsjahr 1998 übersiedelte sie nach Baden bei Wien. Seither ist die Erforschung von "Arisierungen" ein Vermächtnis für Eveline Elisabeth März.

Region: persönliche Schulbesuche in Baden, Wien und Großraum Wien bevorzugt

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: flexibel

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: Gespräche im Präsenzformat möglich, auch Exkursion in Baden möglich

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Historischer Rückblick zur Familie Bleier: https://www.geosphere.at/de/ueber-uns/portraet/geschichte-des-hauses-hohe-warte-40

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Foto: OeAD / Georg Oberweger

Liesl Nitsch wurde als Liesl Spira in Glasgow (Schottland) 1944 als Tochter jüdischer Flüchtlinge aus Österreich geboren. Ihr Vater Leopold Spira war im austrofaschistischen Ständestaat knapp ein Jahr in Wien als politischer Häftling inhaftiert, da er sich auf der Seite der politischen Linken engagierte. 1938 kam er durch eine Amnestie der Regierung Schuschnigg frei. Nach dem Einmarsch Hitlers schloss er sich den internationalen Brigaden Spaniens an. Das Lager Gurs (Südfrankreich) konnte er noch mit dem letzten Transport nach Großbritannien verlassen. Die Mutter Eva (geb. Zerner) kam mit einem Kindertransport nach London. Ende 1946 kehrte die Familie nach Wien zurück. Liesl absolvierte die Volksschule und das Gymnasium in Wien und arbeitete im sozialen Bereich. Sie wurde bereits für mehrere zeithistorische Publikationen interviewt, stellte Quellen zur Verfügung und beteiligte sich als kritische Korrekturleserin. Seit 2024 engagiert sie sich im ERINNERN:AT Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenprogramm.

Region: persönliche Schulbesuche in Wien und Umgebung

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mindestens 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1 - 4 Schulklassen, Gespräche nur im Präsenzformat

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Buchempfehlung: Stefanie Panzenböck (2022): Die Spira. Eine Biografie.

Buchempfehlung: Ernst Berger/Ruth Wodak (2018): Die Kinder der Rückkehr

Buchempfehlung: Sonja Frank (2012): Young Austria: ÖsterreicherInnen im Britischen Exil 1938 bis 1947

Buchempfehlung: Claudia Kuretsidis-Haider (2017): Österreichische Pensionen für jüdische Vertriebene

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Interview auf weitererzählen

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Ludwig („Lutz“) Elija Popper wurde kurz vor der nationalsozialistischen Machtergreifung 1938 in Wien geboren. Sein Vater Ludwig, ein jüdischer Arzt, flüchtete daraufhin in die Schweiz. Seine Mutter, Christin und von Beruf Krankenschwester, bereitete die Flucht für sich und die zwei Söhne vor. 1939 emigrierte die ganze Familie nach Bolivien, wo Popper seine Kindheit bis zum Alter von neun Jahren verbrachte. 1947 kehrte die Familie nach Wien zurück, wo kaum noch Verwandte lebten. Diese waren entweder ebenfalls geflüchtet, verstorben, hatten wegen der anstehenden Deportation Selbstmord begangen oder waren ermordet worden. Popper studierte nach der Matura Medizin. Ab 1973 war er als Facharzt in Oberwart im Burgenland tätig. Poppers Selbstverständnis als Arzt ist von der sozialmedizinischen Ausrichtung seines Vaters beeinflusst, dessen biografische Aufzeichnungen er veröffentlichte. Popper spricht als Zeitzeuge öffentlich, auch an Schulen, über seine Familiengeschichte.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt; in Ausnahmefällen auch weitere Distanzen

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1-3 Schulklassen; Gespräche im Präsenzformat oder via Zoom möglich

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Buchempfehlung: Briefe aus einer versinkenden Welt, 1938/1939. 2008

Buchempfehlung: Bolivien für Gringos. Exil-Tagebuch eines Wiener Arztes, 2005

Interview auf weitererzählen

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Eva Ribarits wurde als Eva Nürnberger 1943 in London als Tochter jüdischer Flüchtlinge aus Österreich geboren. Ihr Vater Arthur Nürnberger war Häftling in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald. Durch die Unterstützung der Quäker erhielt er im Frühjahr 1939 eine Einreiseerlaubnis nach England und wurde aus dem KZ entlassen. Er wurde mit Kriegsbeginn als „feindlicher Ausländer“ auf der Isle of Man interniert und trat später in die englische Armee ein, um gegen die Nationalsozialisten zu kämpfen. Die Mutter Hilde Nürnberger verließ Österreich 1938 mit einem falschen Pass und landete in London. Die Familie kehrte 1947 nach Österreich zurück. Sämtliche Familienmitglieder, die in Österreich geblieben waren, wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Eva absolvierte Volksschule und Gymnasium in Wien und studierte Sozialwissenschaft und Philosophie. Sie übte unterschiedliche berufliche Tätigkeiten aus, u.a. Journalistin, Verlagslektorin, Seminarleiterin und Mediatorin. In den letzten Jahren beschäftigte sich Eva Ribarits vorwiegend mit wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Literarität und Wissen. Für die Ausstellung im Wiener Jüdischen Museum „Genosse.Jude“ verfasste Eva Ribarits einen Beitrag über ihren Vater. Seit 2024 engagiert sich Eva Ribarits als Zeitzeugin bei ERINNERN:AT.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt, in Ausnahmefällen auch weitere Distanzen möglich

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: Gespräche im Präsenzformat möglich

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Ausstellung und Buch: Genosse. Jude. Wir wollten nur das Paradies auf Erden. Jüdisches Museum Wien (2017-18)


Foto: Elisabeth Köpl

Peter (Laci) Ribarits wurde 1939 in Wien geboren. Als Kind erlebte er die Kriegsjahre in Wien mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Eva und seiner Mutter Margit. Der Vater Imre musste als Soldat an der Westfront (Frankreich) kämpfen. In den letzten Kriegstagen 1945 erlebte die Familie die Bombardierungen und schweren Kämpfe in Wien. Das einschneidendste Erlebnis passierte, als Peter fünf Jahre alt war: Er, seine Mutter und seine Schwester wurden verhaftet und mussten drei Wochen lang in einer engen Gefängniszelle der Gestapo ausharren. Es gab kaum Wasser, wenig Licht, und die Mutter wurde jeden Tag verhört. Vermutet wurden Verbindungen zur Widerstandsgruppe um ihren Cousin Joschi. Er hatte sich mit Absicht selbst verletzt, um nicht mehr in den Krieg zu müssen und verteilte Flugblätter gegen den Krieg. Einer seiner engsten Freunde war bereits gefasst und hingerichtet worden und auch ihm drohte die Todesstrafe. Peter, Eva und Margit hatten Glück: Margit verriet ihren Cousin nicht und die Gestapo erfuhr durch einen Brief, dass Peters Vater an der Front kämpfte. Dadurch wurden sie freigelassen. Viele Jahre wurde über dieses Erlebnis nicht gesprochen. Peters Vater kam 1946 aus der britischen Gefangenschaft nach Hause. Peter erzählt seine Lebensgeschichte heute als Zeitzeuge an Schulen. 2018 erschien ein illustriertes Büchlein („Der Sprung aus der Straßenbahn“) für Kinder und Jugendliche, das sich mit seinen Erlebnissen beschäftigt und historische Hintergründe erläutert.

Region: persönliche Schulbesuche in Wien bevorzugt

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: 2-3 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1 bis 2 Schulklassen

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Graphic Novel: Der Sprung aus der Straßenbahn

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Elisabeth (Betsy) Claudia Schipek (geb. Strom) wurde 1943 in Rio de Janeiro in eine Familie mit jüdischen und katholischen Wurzeln geboren, die aus der ehemaligen Tschechoslowakei und der heutigen Ukraine nach Wien gezogen war. Elisabeths Eltern Helene Louise (geb. Pelc) und Albert Strom lernten sich in einem Englisch-Konversationsklub in Wien kennen, zogen 1935 nach St. Pölten und heirateten dort evangelisch. Elisabeths Vater war 1930 aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten und zum evangelischen Glauben übergetreten; ihre Mutter konvertierte anlässlich der Hochzeit ebenfalls. Im Mai 1938 wurde Elisabeths Bruder Peter geboren. Im Juli gelang mit dem Neugeborenen die Flucht per Bahn nach Hamburg und von dort per Schiff nach Brasilien – die Überfahrt dauerte fünf Wochen. 1943 wurde Elisabeth geboren, die stets „Betsy“ genannt wurde. Ihr Vater war beruflich erfolgreich und gründete nach dem Krieg mit Freunden ein deutschsprachiges Theater. Im Club Austro-Brasileiro, dem Treffpunkt der Exil-Community, betreute Elisabeths Mutter die Bibliothek. 1958 kehrte die Familie nach Wien zurück. Elisabeth besuchte die Modeschule Hetzendorf, heiratete und bekam zwei Söhne. Ihr Vater konnte in Wien nicht mehr Fuß fassen; die Eltern kehrten nach Rio zurück. Seit Juni 2025 berichtet Elisabeth Schipek als Zeitzeugin an Schulen über ihre Geschichte.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien bevorzugt

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 10 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: 2-3 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1 bis 3 Schulklassen

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Interview auf weitererzählen

Foto: OeAD / APA-Fotoservice / Rastegar

Katja Sturm-Schnabl wurde 1936 in Zinsdorf/Svinča vas bei Klagenfurt geboren. Ihre Familie gehörte der Volksgruppe der Kärntner SlowenInnen an. Sturm-Schnabl wuchs in den ersten Jahren ihrer Kindheit auf dem Gutshof der Familie auf. 1942 wurde sie mit zahlreichen anderen slowenischen Familien ins Lager Ebenthal bei Klagenfurt deportiert. Die folgenden drei Jahre war sie u.a. in Renice bei Szczecin/Polen und in Eichstätt/Bayern inhaftiert. Diese Lager wurden von der nationalsozialistischen „Volksdeutschen Mittelstelle" betrieben. Sturm-Schnabls Schwester starb während der Haft – sie wurde Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. 1945 kehrte Katja Sturm-Schnabl nach Klagenfurt zurück. Erst 1946 konnte sie mit der Volksschule beginnen. Später studierte sie Slawistik, Russisch, Kunstgeschichte und Byzantinistik in Wien. Katja Sturm-Schnabl wurde Universitätsprofessorin mit dem Schwerpunkt südslawische Literatur- und Kulturgeschichte am Institut für Slawistik der Universität Wien und war Mitglied zahlreicher Kurien sowie der Gleichstellungskommission. 2015 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich für ihre Tätigkeit als Zeitzeugin.

Region: persönliche Schulbesuche im Großraum Wien und in Kärnten bevorzugt; in Ausnahmefällen auch Niederösterreich, Steiermark oder Oberösterreich

Altersgruppe: ab 8. Schulstufe

Zeiten: ab 11 Uhr vormittags

Empfohlener Zeitrahmen: mind. 2 Unterrichtseinheiten

Mögliches Setting: 1-2 Schulklassen; Gespräche im Präsenzformat oder via Zoom möglich

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Buchempfehlung: Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus. Band 2. Hg. von Renate S. Meissner im Auftrag des Nationalfonds. Wien, 2012. 

Videoporträt und Lernmaterial zu Katja Sturm-Schnabl

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