Gedenkstätte Karajangasse

(Wien)

Seit Mai 1999 gibt es in den Kellerräumlichkeiten des Brigittenauer Gymnasiums auf 200m² Ausstellungsfläche zwei umfassende zeitgeschichtliche Ausstellungen zu sehen: die Ausstellung „Als Schulen zu Gefängnissen wurden“, gestaltet von Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums (in Etappen seit 1988) sowie  "Die verlorene Insel" - gestaltet vom Aktionsradius Augarten. Die Gedenkstätte kam auf Initiative dieser beiden Institutionen zustande.

Der Standort hat einen historischen Bezug - in der ehemaligen Volksschule war im 38er Jahr ein Gestapogefängnis eingerichtet. Die Häftlinge waren hier bis zu ihrem Transport nach Dachau zu Hunderten in den Klassenräumen eingepfercht - unter ihnen Dr. Bruno Kreisky und Fritz Grünbaum. Ein Raum in der Ausstellung ist diesem traurigen Kapitel der Schulgeschichte gewidmet.

Man kann in der Ausstellung auch die Ergebnisse eines Schulprojekts sehen, das sich mit der Erforschung der Lebensgeschichten der über 350 ehemaligen vertriebenen  jüdischen Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums befasst. Eine Mappe mit 60 Briefen aus aller Welt zeugt von den schrecklichen Tagen nach dem Anschluss und der Zeit danach für die Betroffenen.

Das Projekt zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, wie SchülerInnen zu einer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, anknüpfend an ihren Wohnbezirk und ihre Schule, motiviert werden können. In vielen Medien wurde von dieser bleibenden Dokumentation jugendlichen Engagements berichtet, da die Schule eine der ersten war, die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der eigenen Schule und der Vertreibung ihrer jüdischen SchülerInnen auseinandersetzte.

Weitere Räume der Gedenkstätte befassen sich mit den innenpolitischen Bedingungen für den „Anschluss“ und weiteren Dimensionen des Nationalsozialismus.

Öffnungszeiten

Die Gedenkstätte ist jeden Donnerstag (nur an Schultagen!) von 16:00-20:00 geöffnet.
Schulklassen oder LehrerInnen können auch außerhalb dieser Zeit einen Termin vereinbaren.

Ansprechpartner und Kontakt

Karajangasse 14, 1200 Wien
Tel. +43 (0)1 / 3303141
gedenkstaette.bg20@gmx.at
www.borg20.at/a_gedenkst/index_gedenkst.html

Mag. Renate Prazak, renate.prazak@chello.at
Brigittenauer Gymnasium, sekretariat@borg20.at

Anfahrt: U4 bis Friedensbrücke, dann Straßenbahn Linie 5 bis Rauscherstraße oder U1 bis Nestroyplatz, dann Autobus Linie 5A bis Wasnergasse

Zielgruppe

Die Gedenkstätte ist für alle Altersgruppen (ab 14 Jahre) gedacht – manchmal - in Abhängigkeit von der Reife der SchülerInnen - kommen auch jüngere Kinder.

Schulklassen sind die Hauptzielgruppe.

Der Besuch der Ausstellung kann als starker Impuls dienen – also als Einstieg in die Thematik gewählt werden oder für Spezialthemen (z.B. Schule und Nationalsozialismus) als Informationsquelle dienen. Die Einbettung in eine größere Behandlung des Themas ist wünschenswert aber keine Voraussetzung für den Besuch. Bei Kontaktaufnahme kann auch Zusendung von Material vereinbart werden oder eine Führung etc.

Unterlagen

Es gibt eine ausführlichere Beschreibungen der Gedenkstätte, ihrer Räume und ihrer Aktivitäten (digitalisiert) eine Kurzbeschreibung auch auf Englisch sowie ein Buch zur Gedenkstätte:
"Die verlorene Insel. Als Schulen zu Gefängnissen wurden..." Das Buch zur Gedenkstätte Karajangasse (Hrg. Robert Sommer, Wien 1999)

Infoblatt zur Gedenkstätte Karajangasse

Trägerinstitution

Bei der Errichtung der Gedenkstätte waren zwei Institutionen federführend beteiligt (Aktionsradius Augarten, Brigittenauer Gymnasium), bei der Adaptierung der Räumlichkeiten das Polytechnikum Vorgartenstraße und ein BFI- Projekt. Als Hauptsponsoren konnte neben dem Bezirk Brigittenau die Stadt Wien, das Bundesministerium für Unterricht und Kunst und der Nationalfonds der Republik für Opfer des Nationalsozialismus gewonnen werden.

Seither ist das Brigittenauer Gymnasium für die Gedenkstätte und  für die organisatorischen und administrativen Aufgaben zuständig. Eine Lehrerin des Gymnasiums leitet die Gedenkstätte (Einrechnung in die Lehrverpflichtung) und zwei Betreuer, die einen Vertrag mit der Schule haben, wechseln sich in der Betreuung der Gedenkstätte ab (einmal wöchentlich ist sie für die Allgemeinheit zugänglich). Diese Leistungen sowie zwei bis drei Veranstaltungen pro Jahr werden vom Kulturbudget des Bezirks gezahlt.

Arbeitsschwerpunkte

Die Gedenkstätte dient der Schule selbst (ca. 1000 SchülerInnen) als zentraler Anknüpfungs- und Ausgangspunkt in der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus, da sie Themen wie „Schule im Nationalsozialismus“ oder aktuelle wie „Rechtextremismus der Gegenwart“ sowie Einzelbiographien ehemaliger jüdischer SchülerInnen sehr anschaulich dokumentiert.

Diese Möglichkeit steht auch Klassen von anderen Schulen offen und wird auch mit guter Resonanz genützt.

In der Gedenkstätte gibt es einen Veranstaltungsraum, in dem Lesungen, Vorträge oder Präsentationen für die Öffentlichkeit angeboten werden und der auch SchülerInnen die Möglichkeit bietet, Ergebnisse von Projekten zum Thema einem breiteren Publikum vorzustellen.

Einmal wöchentlich ist die Gedenkstätte öffentlich zugänglich.

Die Gedenkstätte ist auch Anlaufstelle für viele ehemalige jüdische SchülerInnen und ihre Familien bzw. für deren Bekanntschaft bei Wienbesuchen (Aufnahme in die Broschüre des JWS)

Auch in der Lehrerfortbildung konnte die Gedenkstätte bereits produktive Beiträge liefern.

Weitere Forschungstätigkeiten von SchülerInnen und andere Projekte sind geplant.

Betreuungsangebot

Auf Anfrage gibt es kostenlose Führungen bzw. die Möglichkeit zum Besuch der Gedenkstätte auch außerhalb der Öffnungszeiten. Bereits von SchülerInnen entworfene Fragebögen zu einzelnen Räumen können helfen den Besuch der Ausstellung von Klassen zu strukturieren. Die SchülerInnen können in Gruppen die Fragen beantworten.

Es gibt auch eine Vitrine mit Büchern, Tonträgern und Filmen zu ausgewählten Inhalten, die auch in der Gedenkstätte behandelt werden (Romaverfolgung, Fritz Grünbaum – u.v.m.) sowie eine Mappe mit den Kopien der Briefe.

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