STALAG XVII B Krems-Gneixendorf

(Niederösterreich)

Während des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem Gebiet des heutigen Österreich eines der größten Kriegsgefangenenlager des Dritten Reiches – das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) XVII B Krems-Gneixendorf. Seine Gründung erfolgte am 26. Oktober 1939 in der Nähe des Dorfes Gneixendorf, sechs Kilometer nordwestlich von Krems an der Donau.  Die Bezeichnung des Lagers ergab sich aus der römischen Ziffer des zuständigen Wehrkreises, einem in der Reihenfolge der Aufstellung fortlaufenden Großbuchstaben sowie dem Namen der nächsten Ortschaft.

Der äußeren Organisation nach gliederte sich Krems-Gneixendorf in mehrere Bereiche: Das im Westen gelegene „Vorlager“ bestand aus Büros für die Lagerführung und Abwehrgruppe, einem Gefängnis, Unterkünften für Ärzte sowie Quarantänebaracken für Neuankömmlinge. Ein etwa ein Kilometer entferntes „Truppenlager“ diente als Unterkunft für die Wachmannschaft. In seiner Nähe entstand im Frühjahr 1941 ein Kriegsgefangenen-Lagerlazarett mit dreihundert Betten. Im Südosten des Lagergeländes, am Rande des heutigen Flugfeldes Gneixendorf, lag der als „Waldfriedhof Krems-Gneixendorf“ bezeichnete Lagerfriedhof, wo mehr als 1.600 sowjetische Kriegsgefangene beerdigt wurden.

Zum Stalag XVII B gehörten zeitweise bis zu 66.000 Kriegsgefangene unterschiedlichster Nationalität, darunter vor allem Franzosen, Belgier, Serben, Polen, Briten, sowjetische Gefangene und italienische Militärinternierte. Ihr überwiegender Großteil war auf einem der zahlreichen Arbeitskommandos außerhalb des Lagers untergebracht, wo sie in der Land- und Forstwirtschaft, im Bergbau, in Industrie und Gewerbe oder im Bauwesen arbeiteten. Im Oktober 1943 wurde für die Aufnahme von insgesamt 4.300 amerikanischen Fliegerunteroffizieren ein eigenes „Teillager der Luftwaffe“ eingerichtet, eine Besonderheit unter den Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlagern im Dritten Reich. Hier entstanden unter anderem das Theaterstück „Stalag 17“, die literarische Vorlage für Billy Wilders gleichnamigen Spielfilm, sowie zahlreiche Gedichte, Zeichnungen oder Lagerzeitungen.

Das Über-Leben der Gefangenen war durch eine von rassisch-ideologischen Motiven geprägte unterschiedliche Behandlung der einzelnen Nationalitäten gekennzeichnet, die sämtliche Bereiche des Lageralltages maßgeblich beeinflusste. Dieses Spezifikum der Kriegsgefangenschaft im Dritten Reich wird etwa anhand der ungleich höheren Mortalität unter den sowjetischen Insassen, ihrem allgemein schlechteren Gesundheitszustand oder ihrem Ausschluss von der Betreuung durch internationale Hilfsorganisationen sichtbar. Aber auch die Lebensbedingungen der übrigen Nationalitäten richteten sich nach einer klar strukturieren Gefangenenhierarchie.

Mit dem Herannahen der Roten Armee begann Anfang April 1945 die Evakuierung aller gehfähigen Gefangenen aus Krems-Gneixendorf in das dreihundert Kilometer entfernte Auffanglager Weilhartsfort bei Braunau. Ihre Befreiung erfolgte am 3. Mai 1945 durch die 13. US-Panzerdivision. Das Stalag XVII B wurde am 9. Mai 1945 von der Roten Armee befreit und diente nach der Repatriierung der ehemaligen Lagerinsassen vorübergehend zur Unterbringung von sowjetischen Besatzungssoldaten. Noch im Jahre 1945 erfolgte die Exhumierung von 1.640 im „Waldfriedhof“ bestatteten sowjetischen Kriegsgefangenen. Die vergleichsweise geringe Zahl an Verstorbenen der übrigen Nationalitäten war davon ausgenommen. Die Baracken wurden bald nach Kriegsende abgerissen und das Lagerareal dem Erdboden gleichgemacht.

55 Jahre nach Kriegsende verweisen vier, an signifikanten Punkten des einstigen Lagerareals errichtete Tafeln mit der Aufschrift „Stalag XVII B“ auf die Dimensionen des weitgehend unsichtbar gewordenen Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlagers. Sie sollen gemeinsam mit mehreren Gedenksteinen auf der Flughafenstraße an das einst größte Kriegsgefangenenlager in Österreich und an das Schicksal der darin untergebrachten Menschen erinnern.

Öffnungszeiten

Die Besichtigung ist ganzjährig möglich.

Anmeldungen / Kosten: Da Krems eine Schul- und Universitätsstadt ist, lassen sich Unterbringungsmöglichkeiten leicht organisieren.

Ansprechpartner und Kontakt

3500 Krems-Gneixendorf, Flughafenstrasse Gneixendorf, Gelände 1 km2
Tel./Fax: +43 (0)2732 / 75077 (Gmeiner)
cgmeiner@aon.at
http://www.nextroom.at/building_article.php?building_id=817

Dr. Barbara Stelzl-Marx, Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung,
8010 Graz, Schörgelgasse 43
Tel. +43 (0)316 / 82 25 00
barbara.stelzl-marx@bik.ac.at

Mag. Christian Gmeiner  
Kulturamt der Stadt Krems/Donau, Dominikanerplatz, 3500 Krems
Dir. Dr. Robert Streibel, VHS Hietzing, 1130 Wien

Anfahrt: 50 Minuten von Wien, ÖBB (70km), Stadtbus Krems (Bahnhof-Gneixendorf)

Zielgruppe

Schüler aus NÖ, Wien, BGLD, Erwachsenenbildung

Unterlagen

Barbara Stelzl-Marx, Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft. Amerikanische und sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XVII B Krems-Gneixendorf. Tübingen 2000.

Barbara Stelzl-Marx, Unter den Verschollenen, Erinnerungen von Dmitrij Čirov an das Kriegsgefangenenlager Krems-Gneixendorf 1941 bis 1945. Horn – Waidhofen/Thaya 2003.

Hubert Speckner, In der Gewalt des Feindes. Kriegsgefangenenlager in der „Ostmark“ 1939–1945

Zu beziehen u.a. über:
Verein zur Förderung der Forschung von Folgen nach Konflikten und Kriegen
8010 Graz, Schörgelgasse 43, Tel: +43 (0)316 / 82 25 00, Fax: +43 (0)316 / 82 25 00-33

Betreuungsangebot

Schüler- und Erwachsenenführungen

Eine der insgesamt sechs vom Kremser Künstler Christian Gmeiner entworfenen Stahltafeln, die am  5. Mai 2000 der Öffentlichkeit übergeben wurden.
Eine der insgesamt sechs vom Kremser Künstler Christian Gmeiner entworfenen Stahltafeln, die am 5. Mai 2000 der Öffentlichkeit übergeben wurden.
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