Historische Themenfahrt mit der Lokalbahn: Die beiden NS-Lager Weyer und ihr Umfeld

Samstag, 20. September 2014, Abfahrt: 13.15 Uhr Lokalbahnhof Salzburg; Zustieg an allen Haltestellen möglich. Rückkunft: 20.00 Uhr. Aufgrund der begrenzten Platzanzahl ist eine Anmeldung bei der SLB erforderlich!
20.09.2014  |  13:15  -  20:00   |  

Preis: Erwachsene € 19,-- Kinder (6 - 14 Jahre) € 9,-- (inkl. Führung, Farbbroschüre, Jause und Getränk)

Aufgrund der begrenzten Platzanzahl ist eine Anmeldung bei der SLB erforderlich: +43/662/4480 – 1500; slb-nostalgie@salzburg-ag.at

Wie das Personenkomitee Stolpersteine in Salzburg versucht 30 km weiter nördlich der Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer/Innviertel, die Opfer des Naziterrors dem Vergessen zu entreißen. Die Spuren der beiden NS-Lager im kleinen Weiler Weyer, damals Gemeinde Sankt Pantaleon, heute (wieder) Haigermoos, zeichnet eine vom Verein mit der Salzburger Lokalbahn gemeinsam organisierte geführte Exkursion nach, die am 20. September um 13.15 Uhr vom unterirdischen Lokalbahnhof Salzburg ihren Ausgang nimmt. Mit einer Nostalgiegarnitur, die damals schon eingesetzt wurde, geht es zunächst nach St. Pantaleon. Der anschließende Fußmarsch führt zu zahlreichen Orten, die mit den unfassbaren Ereignissen von damals verknüpft sind. Auf spannende und nachdenklich machende Weise wird einem dabei ein weitgehend unbekanntes Stück Heimatkunde nahegebracht, das zudem mehrere direkte Salzburg-Bezüge aufweist.

Der Schriftsteller Ludwig Laher, dessen international erfolgreicher Roman „Herzfleischentartung“ die Ereignisse von damals akribisch nachzeichnet, wird dabei von den grotesken Einweisungsgründen berichten, die Durchschnittsbürger ins sogenannte Arbeitserziehungslager brachten. Häufig aus rein privaten Gründen waren sie NS-Bürgermeistern oder Funktionären der Deutschen Arbeitsfront ein Dorn im Auge. Als Zwangsarbeiter bei der Entsumpfung des Ibmer Moors ausgebeutet, wurden sie zusätzlich oft gefoltert, etliche sogar ermordet. Laher wird an den mutigen Staatsanwalt Josef Neuwirth erinnern, der mitten im Dritten Reich trotz massiver Drohungen der NSDAP Ermittlungen gegen das Wachpersonal aufnahm und über einige besonders brutale SA-Leute die Untersuchungshaft verhängte, bis Hitlers Reichskanzlei kurz vor Prozessbeginn die Verfahren niederschlug. Das eilig geschlossene Lager wurde nur zehn Tage später als Zigeuneranhaltelager neu eröffnet. Die neuen Opfer waren Sinti, die in Oberösterreich schon lebten, als Christoph Columbus in See stach und und Amerika „entdeckte“. Jetzt waren auch über 250 Kinder und Jugendliche in Weyer interniert. Sie starben mit ihren Eltern und Großeltern entweder schon hier im Lager oder später im Gas von Litzmannstadt (Lodz).

Die Wanderung  führt von St.Pantaleon-Reith über Zwischenstationen zur Erinnerungsstätte an der Moosach und dann vier Kilometer weiter (diese Strecke mussten die unterernährten Zwangsarbeiter winters wie sommers viermal am Tag in Holzpantoffeln, Nazilieder singend, zurücklegen) zum ehemaligen Lagergelände in Weyer. Dort befindet sich jetzt wieder ein Gasthaus im Besitz jener Familie, der das große Gebäude und das gesamte Lagergelände einst von den Nazis abgepresst wurde. Mehrere Stolpersteine erinnern an einige der jüngsten Lageropfer. Eine Jause und ein Getränk sind im Pauschalpreis der Exkursion ebenso wie eine informative Farbbroschüre inbegriffen. Die Führung endet schließlich beim Bahnhof Trimmelkam, von wo es zurück nach Salzburg geht. Die Ankunft ist für 20 Uhr vorgesehen.

Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer/Innviertel
Wildshuter Straße 12
5120 Sankt Pantaleon
Tel.: 06277 / 7212
E-Mail: office@lager-weyer.at
Homepage: www.lager-weyer.at
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Personenkomitee Stolpersteine
c/o Dachverband Salzburger Kulturstätten
Dreifaltigkeitsgasse 3/3
5020 Salzburg
Tel: 0650 - 970 29 08
http://www.stolpersteine-salzburg.at

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