Vortrag: Deserteure der Wehrmacht: Zwischen „Verrat“ und Rehabilitierung

28.05.2019  |  18:00  -  20:00   |  

Geschätzte 30-50.000 österreichische Soldaten kündigten Adolf Hitler und der Wehrmacht den Gehorsam auf. Sie wurden von einer ideologisierten Militärjustiz gnadenlos verfolgt. Etwa 1.400 österreichische Wehrmachtssoldaten wurden von der Wehrmachtsjustiz hingerichtet. Obwohl das wiedererrichtete Österreich unmittelbar nach Kriegsende die Deserteure gegenüber den Alliierten dem antinazistischen Widerstand zurechnete, wurden sie innerhalb der österreichischen Gesellschaft diskriminiert und als „Verräter“ verfemt. Die Deutungshoheit über das Verhalten im Krieg übernahmen sehr bald die Kameradschaftsverbände; der Staat würdigte den Wehrmachtsdienst als „Pflichterfüllung“. Erst Ende der 1990er Jahre begann der zähe Kampf um die Rehabilitierung der ungehorsamen Soldaten. Bis heute ist ihr Nonkonformismus umstritten.

Ein Vortrag von Peter Pirker

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe Mythos „Saubere“ Wehrmacht? Verbrechen – Verdrängung – Aufarbeitung

Vor knapp zwanzig Jahren diskutierte ganz Salzburg über ein Thema: Die sogenannte Wehrmachtsausstellung gastierte in der Stadt. Erstmals wurden mit dieser Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht in der Zeit des Nationalsozialismus, vor allem im Krieg gegen die Sowjetunion, öffentlich thematisiert. Die Wanderausstellung hatte seit der Erstpräsentation bereits in anderen Städten in Deutschland und Österreich für Polarisierung gesorgt. Vor allem überlebende Kriegsteilnehmer fühlten sich von der Ausstellung kollektiv angegriffen. In Salzburg spitze sich die Situation besonders zu, da der damalige Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger zugleich in seiner Rolle als Landespolitiker und als Historiker an der Universität Salzburg führend Position gegen die Ausstellung ergriff. Schausberger war aber bei weitem nicht alleine: PolitkerInnen von ÖVP und FPÖ, Mitglieder des Kameradschaftsbunds, Offiziere des Bundesheers und auch Teile der Medien (allen voran die Kronenzeitung) machten gemeinsam gegen die Ausstellung mobil.

Nicht zuletzt deshalb wurde die Ausstellung in Salzburg von mehr Menschen besucht als in irgendeiner anderen österreichischen Stadt. Menschen unterschiedlicher Generationen setzten sich in diesem Rahmen (teilweise zum ersten Mal überhaupt) mit den Verbrechen der eigenen Wehrmacht und damit oftmals auch der eigenen düsteren Familiengeschichte auseinander.

Mit der Veranstaltungsreihe „Saubere“ Wehrmacht? Verbrechen – Verdrängung – Aufarbeitung möchten wir die Fragen, die mit der Wehrmachtsausstellung öffentlich im größeren Rahmen diskutiert wurden, 20 Jahre später noch einmal aufgreifen und analysieren, ob und wie sich der Blick auf die Wehrmacht seit dem entwickelt hat.

Termin: 28.5., 18:00 Uhr
Ort: GesWi, Rudolfskai 42, HS 389

Eintritt frei!

Veranstaltungsplakat
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