Jetzt anmelden: Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminar 2026 – Der lange Weg der Anerkennung von NS-Opfern

Am 8. und 9. März 2026 findet das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenseminar in Wien statt, die österreichweit größte Fortbildung für Lehrpersonen zu den Themen Zeitzeugenarbeit und Lernen aus und mit Lebensgeschichten. Die Anmeldung ist ab dem 1. Dezember möglich.

Über das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm fördert das Bundesministerium für Bildung bereits seit den 1970er Jahren Gespräche von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unterschiedlicher NS-Opfergruppen an Schulen. Es wird vom OeAD - Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung - im Programm ERINNERN:AT umgesetzt. Fester Bestandteil ist das jährlich stattfindende Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminar. Während der Fortbildung bereiten sich Lehrkräfte fachlich, reflexiv und praktisch auf die Vor- und Nachbereitung von ZeitzeugInnengesprächen im eigenen Unterricht vor und kommen mit Überlebenden der NS-Diktatur ins Gespräch.

Auch der Jahresschwerpunkt von ERINNERN:AT findet sich in den Inhalten des Seminars (in den Vorträgen, Workshops und beteiligten AkteurInnen) wieder: Anlässlich des 50. Jahrestages des Beschlusses des Volksgruppengesetzes und mit dem Ziel, das Wissen über Minderheiten und deren Rechte insbesondere bei Schülerinnen und Schülern zu steigern, setzt ERINNERN:AT 2026 seinen Jahresschwerpunkt auf nationale Minderheiten in Österreich und nimmt dabei speziell die Geschichte und Gegenwart der Kärntner Sloweninnen und Slowenen/Koroški Slovenci in den Blick. Aus politischen Gründen wurde ihre Geschichte an Schulen lange nicht gelehrt, wie auch ihre Verfolgung während der NS-Zeit die längste Zeit beschwiegen und nicht aufgearbeitet wurde.

Erster Seminartag: Am Beginn des Seminars steht der Austausch zu den eigenen Erfahrungen mit und Erwartungen an Zeitzeuginnen- und Zeitzeugengespräche im Unterricht. Teilnehmende werden mit wichtigen Aspekten der Gestaltung von Lernräumen für Zeitzeugenerzählungen vertraut gemacht und praktische Fragen zu Organisation und Ablauf von Schulterminen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen können erörtert werden. Danach folgt ein Podiumsgespräch zum Thema „Minderheitenstimmen in Oral History, Erinnerungskultur und Pädagogik“. Der lange Weg der Anerkennung von NS-Opfern sowie die Rolle und Funktion von Minderheitenstimmen in Forschung und Bildungspraxis werden aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven diskutiert. Anschließend lernen die Teilnehmenden in vier parallelen Workshops thematisch passende Unterrichtsmaterialien und aktuelle Fortbildungsangebote kennen.

Zweiter Seminartag: Eröffnet wird der zweite Tag mit einem Vortrag von Daniel Wutti zum Thema „Kärntner Sloweninnen und Slowenen im und nach dem Nationalsozialismus“. Über 500 Kärntner Sloweninnen und Slowenen/Koroški Slovenci starben in Lagern, wurden nach Urteilen der NS-Justiz hingerichtet oder im Widerstandskampf erschossen. Die Rückkehr der Überlebenden gestaltete sich schwierig. Sie mussten den enteigneten Besitz zurück erkämpfen und ihre Verfolgungsgeschichte fand keine Anerkennung. Die auch nach Kriegsende anhaltende Diskriminierung gipfelte im Oktober 1972 im sogenannten „Kärntner Ortstafelsturm“, ein Konflikt, der bis heute andauert. Mit den Kindern und Enkelkindern wurden die Verfolgungserfahrungen nicht immer geteilt, aber sie prägen das Leben der Familien bis heute.

Nach einer feierlichen Eröffnung und Begrüßung der aktuell im Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Programm aktiven Referentinnen und Referenten finden moderierte Gesprächskreise („Erzählcafés“) statt. Seminarteilnehmende können jeweils an den Erzählcafés zweier Zeitzeuginnen und Zeitzeugen teilnehmen und deren Lebensgeschichten kennenlernen.

Einen ersten Eindruck zum Fortbildungsformat bekommen Sie in unserem Kurzfilm über das Zeitzeuginnen- und Zeitzeugenseminar 2022 (© OeAD, 2022) sowie im Bericht zum Seminar 2025. Jedes Jahr variieren einbezogene Expertinnen und inhaltliche Schwerpunkte ein wenig.

  

Seminarzeiten

Sonntag, 8. März 2026, 13.00 bis 18.30

Montag, 9. März 2026, 9.00 bis 16.00

Seminarort: Kardinal-König-Haus, Kardinal-König-Platz 3, 1130 Wien

Seminarleitung: Julia Demmer, Gert Dressel

Sonntag, 8. März 2026 

ab 12.00                       
Registrierung

13:00 – 14.30               
Einführung für Lehrkräfte: Warum lade ich Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in den Unterricht ein?

15.00 – 16.15               
Podiumsgespräch: Minderheitenstimmen in Oral History, Erinnerungskultur und Pädagogik

16.45 – 18.30               
Parallele Workshops zu Lernmaterialien und aktuellen Fortbildungsprojekten

19:00                           
gemeinsames Abendessen (Teilnahme optional und auf eigene Kosten)

Montag, 9. März 2026 

09.00 – 10.00               
Wissenschaftlicher Impulsvortrag: Kärntner Sloweninnen und Slowenen im und nach dem Nationalsozialismus

10.30 – 16.00               
Feierliche Eröffnung und moderierte Gesprächsrunden mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in parallelen Kleingruppen (Mittagspause 12.45 – 13.45)

 

Zusatzangebot am Sonntag, 8. März 2026 10:00 bis 11:30 Uhr

Ausstellungsführung: Schwarze Juden, Weiße Juden? Über Hautfarben und Vorurteile
Adresse: Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien
Der Eintritt ins Museum von € 11,- pro Person ist vor Ort zu bezahlen. Die Führung selbst ist kostenlos für Seminarteilnehmende.
Es sind begrenzt Plätze verfügbar. Bitte um Anmeldung unter tours@jmw.at bis 7. März 2025.

 

Programmvorschau

Teilnahme

Die Teilnahme am Seminar richtet sich an PädagogInnen im aktiven Schuldienst in ganz Österreich. Wenn Plätze frei sind, sind auch Interessierte aus der außerschulischen Bildungsarbeit willkommen. Nach dem Seminar kann bei Bedarf eine Teilnahmebestätigung ausgestellt werden. 

   

Anmeldung

Die Anmeldung ist ab 1.12.2025 hier möglich.
Anmeldefrist: 10. Februar 2026
Maximal zu vergebende Seminarplätze: 50


Zum Anmeldeformular 

 

Betrifft Lehrkräfte

Für ein erfolgreiches Ausfüllen des Anmeldeformulars benötigen Sie das bereits unterschriebene Bestätigungsformular (inkl. Stempel der Dienstbehörde und Unterschrift der Direktion). Das Bestätigungsformular wird hier ab Start der Anmeldung zum Download bereitgestellt. 

Kosten

Die Teilnahme ist kostenlos. Die Verrechnung der Reise- und Aufenthaltskosten erfolgt für LehrerInnen direkt über die zuständige Dienstbehörde. Konferenzpauschale sowie Mittagessen werden vom OeAD-Programm ERINNERN:AT übernommen. Die Teilnahme am Abendessen (Selbstzahlerbasis) am Sonntag ist optional.

Kontakt

OeAD – Agentur für Bildung und Internationalisierung
Bereich Holocaust Education, Programm ERINNERN:AT
Ebendorferstraße 7, 1010 Wien

Noy Brock
noy.brock@oead.at
+43 1 53408-565

Veröffentlicht am 25.11.2025, zuletzt geändert 29.01.2026