Interview mit Cornelia Kogoj: Warum der Begriff Minderheit nicht nur eine Frage der Zahlen ist…
Können Sie kurz erläutern, wofür die Initiative Minderheiten steht, und welche Ziele sie verfolgt?
Die Initiative Minderheiten wurde 1991 gegründet, also zu einer Zeit, in der man unter Minderheiten meist nur Volksgruppen verstand. Wir wollten den Begriff Minderheiten bewusst weiter fassen und so kamen unsere GründerInnen aus unterschiedlichen diskriminierten Gruppen wie zum Beispiel aus der lesbisch/schwulen Bewegung, aus der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung oder aus migrantischen Communities. Es ging darum eine Plattform mit unterschiedlichen Minderheiten zu schaffen, um „minoritäre Allianzen“ zu bilden. Sprich Minderheiten sind miteinander solidarisch und setzen sich für gemeinsame Interessen ein, ohne dabei Unterschiede zwischen den Gruppen zu ignorieren.
Die Gründung der Initiative Minderheiten ist auch in einem historischen Kontext zu sehen und kann als Antwort auf die politische Stimmung Anfang der 1990er- Jahre verstanden werden. Jörg Haider wurde 1989 Kärntner Landeshauptmann, die Waldheim-Affäre wirkte nach und geopolitisch kam es mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Jugoslawienkrieg zu einem Umbruch. Zugleich erstarkte die Zivilgesellschaft. Es entstanden Organisationen wie SOS-Mitmensch, das Romano Centro, die Asylkoordination Österreich.
Der Begriff „Minderheit“ wird im Alltag häufig verwendet, aber selten definiert. Was versteht man aus Ihrer Sicht unter einer Minderheit?
Wir definieren Minderheiten nicht aufgrund ihrer geringeren Zahl, sondern es geht um Gruppen, die diskriminiert werden. Die subjektive Erfahrung allein genügt aber nicht, sonst können Leute sagen: Moment ich bin Brillenträgerin und werde auch benachteiligt …
Moment, ich bin Linkshänder …
Ja, genau (lacht). Deswegen geht es uns unter anderem auch darum, historische Bedingungen einzubeziehen. Es ist kein Zufall, dass viele Minderheitengruppen zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden.
Wie beurteilen Sie die Situation der Volksgruppen heute?
Wie die slowenische Sprache erhalten werden kann, ist sicherlich auch heute noch eine der zentralen Fragen. Auch wenn sich die Akzeptanz der Mehrheitsbevölkerung in Bezug auf das Slowenische in den letzten Jahren positiv verändert hat und vermehrt deutschsprachige Kinder zum zweisprachigen Unterricht angemeldet werden.
Aber, letztendlich hat sich dadurch leider nicht die deutschnationale Kultur in Kärnten geändert: So hetzen die beiden „Heimatverbände“, Kärntner Heimatdienst –mit seinem Vorsitzenden Andreas Mölzer – und Abwehrkämpferbund, immer noch gegen die slowenische Minderheit. Weitere Beispiele: letztes Jahr wurden in zwei Südkärntner Gemeinden zweisprachige Ortstafeln beschmiert, oder es gab wegen der Verwendung der slowenischen Sprache eine gelbe Karte bei einem Fußballspiel des slowenischen Klubs SAK. Und der traurige Höhepunkt: die Polizeirazzia an der Gedenkstätte Peršmanhof. Das alles hat dazu geführt, dass in der Volksgruppe Wunden aufgerissen wurden, von denen man geglaubt hatte, sie seien verheilt. Um Bewusstsein dafür zu schaffen, wäre es wichtig, das Thema Volksgruppen im Geschichtsunterricht in ganz Österreich zu behandeln.
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