Pädagogische Angebote zum Themenkomplex "50 Jahre Volksgruppengesetz"

Wie lässt sich das Thema nationale Minderheiten in Österreich im Unterricht behandeln? Hier finden Sie eine stetig wachsende kuratierte Sammlung an pädagogischen Materialien und Medien, die ERINNERN:AT empfiehlt. Die Bildungsangebote bieten verschiedene Formate und inhaltliche Schwerpunktsetzungen an.


Zweisprachig/ dvojezično – Jetzt erst recht!? Zur Zweisprachigkeit Kärntens

Diese Unterrichtseinheit, die vom Haus der Geschichte Österreich in Kooperation mit ERINNERN:AT entwickelt wurde, behandelt drei markante historische Ereignisse im zweisprachigen Kärnten, die besonders einschneidend waren: die Volksabstimmung von 1920, die Machtübernahme durch das NS-Regime und der Zweite Weltkrieg sowie der Ortstafelstreit ab 1972. Mit Arbeitsblättern und kurzen Video-Ausschnitten aus dem Film „Das Dorf an der Grenze“ arbeiten SchülerInnen die Themen auf. Die drei Gruppen sollen die erhaltenen Informationen zu dem jeweiligen historischen Ereignis in ihrer Präsentation so wieder- und weiterzugeben, dass die gesamte Klasse mithilfe dieser Ausführungen am Ende der Einheit einen vorbereiteten Fragenkatalog beantworten kann. In einer anschließenden Diskussionsrunde soll ein Bezug zu heute hergestellt werden: Wie wirken sich diese Ereignisse auf das heutige zweisprachige Kärnten/Koroška aus? 

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Lernmodul zu Katja Sturm-Schnabl auf ueber-leben.at

Sieben österreichische ZeitzeugInnen sprechen auf ueber-leben.at in Video-Interviews darüber, wie sie trotz widrigster Bedingungen die NS-Zeit überleben konnten: in Konzentrationslagern, im Versteck, in der NS-Kindereuthanasieanstalt, im Fluchtland, als „Halbjüdin“ in Wien, als Kärntner Slowenin. Sie erzählen von Schlüsselerlebnissen und davon, wie diese Erfahrungen sie in ihrem späteren Leben geprägt haben. Zu jeder Person gibt es zwei Videos und zwei Lernmodule. Die Videos basieren auf lebensgeschichtlichen Interviews: Ein kurzes Videoporträt führt in die Lebensgeschichte des Menschen ein. Ein längeres Interview gibt anschließend die Möglichkeit, sich vertiefend mit den Erfahrungen der ZeitzeugInnen zu beschäftigen. Darüber hinaus berichten ExpertInnen über die Arbeit mit Interviews und die Besonderheiten von Erzählungen von ZeitzeugInnen. Ein eigenes Lernmodul widmet sich der Kärntner Slowenin Katja Sturm-Schnabl, über das sich SchülerInnen mit ihrer Lebensgeschichte und den Themen Identität und Trauma auseinandersetzen können. 

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Vermittlungsangebote zu Erinnerungszeichen auf DERLA

Die Digitale Erinnerungslandschaft Österreich – DERLA dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen für die NS-Opfer und die Orte des NS-Terrors in Österreich und verknüpft diese Dokumentation mit der Vermittlung an Schulen. Auf DERLA werden Vermittlungsangebote bereitgestellt, die sich mit der Geschichte und Gegenwart der Kärntner Sloweninnen und Slowenen/Koroški Slovenci in Slovenke auseinandersetzen. Ausgangspunkt ist jeweils ein Erinnerungszeichen, das an die Opfergruppe der Kärntner Sloweninnen und Slowenen/Koroški Slovenci in Slovenke und die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen erinnert. So erarbeiten sich SchülerInnen im Lernmodul „Widerstand, Zivilcourage und ich“ vertiefendes Wissen über den Widerstand der Kärntner PartisanInnen im Nationalsozialismus, wobei die Arbeitsaufträge vor Ort am Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla oder im Klassenzimmer bearbeitet werden können. „Slowenisch in Kärnten – Unter Druck vor, im und nach dem Nationalsozialismus“ heißt ein weiteres Modul, mit dem sich SchülerInnen vertieft mit der Geschichte des zweisprachigen Bundeslands Kärnten/Koroška auseinandersetzen. 

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Wanderausstellung: Das österreichische Minderheitenschulwesen. Sprachliche Vielfalt mit Geschichte

Die Wanderausstellung des Demokratiezentrums Wien zielt darauf ab, die Identität und das eigene Geschichtsbewusstsein der österreichischen Minderheiten zu stärken sowie die verstärkte Wahrnehmung dieser in der Mehrheitsgesellschaft. Akzeptanz, Wertschätzung und Respekt, die Anerkennung einer vielfältigen Gesellschaft und die Bekämpfung von Vorurteilen sowie eine Stärkung der Mehrsprachigkeit sind weitere wichtige Zielsetzungen der Ausstellung. Diesen kann von Schulen im Burgenland und in Kärnten kostenlos bestellt werden. Ein Übersetzungsguide steht in Tschechisch, Kroatisch, Ungarisch, Romanes, Slowakisch und Slowenisch zu Verfügung. Ein Begleitheft zur Ausstellung für Lehrkräfte beinhaltet praktische Hinweise zur Ausstellung, methodische Annäherungen an die Ausstellung und ihre einzelnen Plakate sowie mehrere Unterrichtsbeispiele.

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Demokratikum – Erlebnis Parlament: Vielfalt der Volksgruppen wird im Parlament sichtbar

Das Parlament nimmt das 50-jährigen Bestehen des Volksgruppengesetzes 1976 zum Anlass, um unter dem Motto „wir sind demokratie“ die autochthonen Volksgruppen Österreichs stärker in den Fokus zu rücken und ihren Beitrag zu Geschichte, Kultur und Identität des Landes hervorzuheben. 2026 werden unterschiedliche Formate und Aktivitäten zum Themenschwerpunkt Volksgruppen angeboten. Herzstück im Demokratikum – Erlebnis Parlament ist eine Ausstellung, die sich der langen Geschichte es Ringens um Rechte und Anerkennung widmet und außerdem zeigt, wie sich Lebenswelten und Identitäten der Volksgruppen heute darstellen. Ergänzt wird sie durch ein Video, in dem Jugendliche in den Volksgruppensprachen wichtige Gedanken zum Thema „Vielfalt leben“ formulieren. Gleich am Beginn eines möglichen Rundgangs führt eine interaktive Medienstation in das Thema „Vielfalt, Volksgruppen und Identitäten“ ein. Ergänzt wird das Angebot um Plakate mit Fragen zu den Themen Sprache und Vielfalt, die zum Mitmachen einladen. Wie die Demokratie Minderheiten schützt, zeigt ein Video in der Station „Unsere Stimmen“ und in der Station „Momente unserer Demokratie“ werden im Hinblick auf Volksgruppen wichtige historische Ereignisse aufgegriffen und erklärt. Zudem bietet die Bibliothek für Interessierte einen eigenen Bereich mit umfassender historischer und aktueller Literatur zu und aus den Volksgruppen an. Im Lauf des Jahres sind mehrere Veranstaltungen mit Volksgruppenbezug geplant.

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Demokratiebildung im Parlament mit Volksgruppenschwerpunkt 2026

Auch im Bereich Demokratiebildung bietet das Parlament anlässlich des 50-jährigen Bestehens des österreichischen Volksgruppengesetzes spezielle Formate an. Die Themenführung „Volksgruppen in Österreich“ spannt einen zeitlichen Bogen vom Ende der Monarchie bis in die Gegenwart. Erzählt wird der Weg zur Anerkennung der sechs autochthonen Volksgruppen, mit besonderem Blick auf parlamentarische Initiativen und gesetzliche Meilensteine. Die Führung greift zentrale Fragen auf: Wie funktionierte die Sprachenregelung in der Monarchie? Seit wann bestehen Volksgruppenrechte in Österreich und für wen? Warum wurden zweisprachige Ortstafeln eingeführt und welche aktuellen oder ehemaligen Mandatarinnen und Mandatare des Parlaments gehören Volksgruppen an? Der Rundgang führt unter anderem in den Historischen Sitzungssaal, die Sitzungssäle von Bundesrat und Nationalrat sowie in das Plenarium und dauert rund 85 Minuten. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Generationenformate sowie durch einen Volksgruppenschwerpunkt im zugehörige Web-Angebot.

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Lernwebsite zum Genozid an den europäischen Roma und Sinti während der NS-Zeit

Die Website romasintigenocide.eu bietet Informationen über den Genozid an den Roma und Sinti während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Seite stellt einzelne Biografien vor und informiert über Orte der Verfolgung und Vernichtung. Die lange Verfolgungsgeschichte der Roma und Sinti wird ebenso thematisiert wie der Versuch, sich dagegen zu widersetzen. Die Folgen des Genozids für die Überlebenden und die Erinnerung an diesen stellen weitere Schwerpunkte der Lernwebsite dar. Zu den einzelnen Themen stehen insgesamt über 70 Arbeitsblätter bereit. Diese bauen nicht aufeinander auf und können je nach eigenem Unterrichtsschwerpunkt ausgewählt werden. Die Aufgabenstellungen auf den Arbeitsblättern regen dazu an, neue Fragen zu stellen und sich kritisch mit den geschichtlichen Quellen auseinanderzusetzen. Die Website steht in insgesamt 12 Sprachen zur Verfügung.

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Lernmaterialsammlung und Hintergrundinformationen zum Genozid an den Roma und Sinti 

ERINNERN:AT widmete sich 2024 in einem Jahresschwerpunkt dem Genozid an den europäischen Roma und Sinti sowie der schulischen Vermittlung dieses Themas. In diesem Zuge wurde eine Themenseite entwickelt, auf der geschichtliche Hintergrundinformationen sowie eine eigene Lernmaterialsammlung zum Thema zur Verfügung stehen. Mit darunter sind beispielsweise eine Unterrichtseinheit zum Thema Genozid an den Roma und Sinti im KZ Auschwitz sowie ein digitales Lernmodul, dass sich der Geschichte der Roma und Sinti nach 1945 und Kontinuitäten des Antiziganismus widmet. Sie Materialsammlung wird noch laufend erweitert und mit neu entwickelten Bildungsangeboten ergänzt. 

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