27. Jänner: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Vor 73 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit. Hintergründe zum Gedenktag.

Über den Gedenktag

Im November 2005 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Jänner, den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945, zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt. In Deutschland und vielen anderen, nicht nur europäischen Ländern ist dieser Tag zu einem Fixpunkt im jährlichen Gedenkkalender geworden. Österreich hat sich 1997 mit einem Beschluss des Nationalrates nicht für den 27. Jänner als Holocaust-Gedenktag entschieden, sondern für den 5. Mai, den Tag der Befreiung des KZ Mauthausen. Seit einigen Jahren finden auch in Österreich zahlreiche Veranstaltungen um den 27. Jänner statt.

Roman Herzog, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, erklärte im Jänner 1996 den 27.01 zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Österreich folgte 1997: In einem einstimmigen Beschluss aller Parlamentsparteien wurde am 11. November 1997 der 5. Mai als jährlich zu begehender nationaler „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ beschlossen. Hintergrundinformationen zum Gedenktag 5. Mai: -link

 

Eine Veranstaltungsübersicht zum Internationalen Holocaust-Gedenktag finden sie hier: - link


Österreichisches Gedenken im Wandel

Der internationale Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Das KZ Auschwitz-Birkenau ist das Synonym für die industrielle Massenvernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden und nimmt damit eine herausragende Stellung in der Erinnerung an den Holocaust ein. Der Gedenktag an den Holocaust (hebräisch Shoah) steht für die weltweite Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Antisemitismus und Rassismus und trägt diese Bedeutung auch im Titel.

Österreich entschied sich dafür, den Begriff Holocaust aus dem Namen des Gedenktages zu streichen. Stattdessen wird im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus das Augenmerk auf den Kampf gegen Gewalt, Rassismus und Antisemitismus gelegt. Somit soll das Gedenken und Erinnern zur Stärkung der demokratischen Grundrechte beitragen.

 

UNO Resolution von 2005

Anlässlich des 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2005 den 27. Jänner zum "International Holocaust Remembrance Day" (Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust).

Darin erklärt die Generalversammlung, „dass der Holocaust, bei dem ein Drittel des jüdischen Volkes sowie zahllose Angehörige anderer Minderheiten ermordet wurden, auf alle Zeiten allen Menschen als Warnung vor den Gefahren von Hass, Intoleranz, Rassismus und Vorurteil dienen wird“. Die Resolution fordert „die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Erziehungsprogramme zu erarbeiten, die die Lehren des Holocaust im Bewusstsein künftiger Generationen verankern werden, um verhindern zu helfen, dass es in der Zukunft wieder zu Völkermordhandlungen kommt“ und „verurteilt vorbehaltlos alle Manifestationen von religiöser Intoleranz, Verhetzung, Belästigung oder Gewalt gegenüber Personen oder Gemeinschaften auf Grund ihrer ethnischen Herkunft oder religiösen Überzeugung, gleichviel wo sie sich ereignen“.

 

KZ Auschwitz- Birkenau

Am 27.01.1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Hier ermordeten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen. Im Herbst 1941 kam es zur ersten Menschentötung durch Giftgas, die Krematorien und Gaskammern wurden mit Beteiligung österreichischer Architekten nach und nach ausgebaut. Das KZ Auschwitz-Birkenau ist das Synonym für die industrielle Massenvernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden. Die antisemitisch Verfolgten machten die größte Opfergruppe aus. Insgesamt kamen in Auschwitz nach Schätzungen des DÖW zufolge etwa 1,1 Millionen Menschen um: rund 1 Million Jüdinnen und Juden, ca. 21.000 Roma und Sinti, 15.000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr als 80.000 aus politischen und anderen Gründen nach Auschwitz Deportierte.

Am 17. Juli 1942 führte ein Deportationszug mit etwa 1.000 Menschen von Wien direkt nach Auschwitz, 4.100 ÖsterreicherInnen wurden vom KZ Theresienstadt und 500 Personen in Einzeltransporten dorthin deportiert. Insgesamt wurden 2900 österreichische Roma und Sinti nach Auschwitz deportiert. Wieviele ÖsterreicherInnen aus anderen Ländern oder Lagern dorthin deportiert wurden, kann nicht genau festgestellt werden.

 

ZeitzeugInnen über Auschwitz – über Auschwitz unterrichten

Die Lern-DVD "Das Vermächtnis" von _erinnern.at_ bietet das Modul "Deportation, Lager, Massenmord" mit Hintergründen, Fakten, Quellen und Arbeitsimpulsen: - download

Auf der Lern-DVD finden sich auch ZeitzeugInnen-Video-Interviews:

Sonja Waitzner, geb. 1926 in Wien, kann 1939 mit ihrem Vater und den zwei Brüdern nach Brüssel flüchten. Von dort wird sie 1944 in das KZ Auschwitz deportiert. Sie überleben, ihre Mutter kommt um.

Franz Rosenbach, geb. 1927 in Horatitz, wird 1943 gemeinsam mit seiner Sinti-Familie in das KZ Auschwitz deportiert. Außer Franz überleben nur zwei Schwestern, fünf Mitglieder der Familie werden ermordet.

Ausschnitte der Video-Zeugnisse von Sonja Waitzner, Franz Rosenbach und anderen Auschwitz überlebenden finden Sie hier: - link

 

Über Gedenktage:

Leitfaden der International School for Holocaust Studies zur Vorbereitung und Gestaltung von Holocaust-Gedenktagen. Der Text enthält Vorschläge für die Gestaltung von Aktivitäten im Zusammenhang mit den jährlichen Holocaust-Gedenktagen. - link

Yad Vashem Materialien zum 27.01. - link

Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE/ODIHR): Übersicht über “Holocaust Memorial Days in the OSCE Region - An overview of governmental practices” - link

Gedenkfahrten für österreichische Schulen nach Auschwitz:
„March of Remembrance and Hope – Austria“ (MORAH) - link

 

Weiterführende Links:

Beschluss der UN-Generalversammlung zum Holocaust-Gedenken (2005): Auf Deutsch I auf Englisch

DÖW Ausstellung über Auschwitz - link

ZeitzeugInnen berichten über Auschwitz - link

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
ZeitzeugInnen erinnern sich an Auschwitz
ZeitzeugInnen erinnern sich an Auschwitz
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