Buchpräsentation: Der Jude von Schaffa

Buchpräsentation, Kunsthistorikerin und Autorin Ilse Krumpöck, Samstag, 9. Dezember, 16 Uhr Stift Geras, Niederösterreich, Marmorsaal .
09.12.2017  |  16:00  -  18:30   |  

 

LANGAU. Ein einsamer Besuch des alten, mystischen Friedhofs von Schaffa im Nebel hat die Kunsthistorikerin und Autorin Ilse Krumpöck zu ihrem neuesten Werk, einem Dokumentarroman über die Geschichte der jüdischen Bevölkerung, inspiriert.

Kaum jemand im Waldviertel weiß, dass nur drei Kilometer von Langau entfernt ein alter, jüdischer Friedhof existiert, dessen
geheimnisumwobene Grabsteine die Geschichte der Juden von Schaffa, dem heutigen Šafov, widerspiegeln. Prior Andreas Brandtner vom Stift Geras entdeckte die verfallenen Grabsteine aus vergangenen Tagen, nachdem sie lange Zeit unbeachtet ihr Dasein fristeten.

Vierzig Jahre hindurch trennte der Eiserne Vorhang den Westen von diesem stillen „Haus der Ewigkeit“ im heutigen Tschechien. Die Begräbnisstätte in Schaffa ist wie alle Friedhöfe im Judentum ein „Haus des Lebens“ und wie alle Gräber der Israeliten waren diese einst für die Ewigkeit gedacht. Sie dürfen niemals aufgelöst werden und wurden auch in der Vergangenheit nie neu belegt. Schon seinerzeit, im 18. und 19. Jahrhundert, als die Judengemeinde noch hier lebte, trug man bei Bedarf aus Platzgründen nur eine Erdschicht auf und bestattete die Toten übereinander.

Sehr vereinzelt künden heute noch kleine Steinchen, die irgendjemand zum Gedenken an einen Ahnen auf seinen Grabstein gelegt hat, davon, dass dieser nicht ganz in Vergessenheit geraten ist.

Um den Begräbnisplatz von Schaffa ist es mittlerweile still geworden, einer Judengemeinde, aus deren Vergangenheit die Autorin die Mär von Mordechai, dem Pinkeltrager (fliegender Händler), erzählen möchte.

 

Von Mordechai und den Zündstofflieferanten

Im Gespräch mit Tips erzählt sie über den Entstehungsprozess des neuesten Werkes: „Die Idee zum Buch entwickelte sich in jener Zeit, als die “Aula„, ein rechtsgerichtetes Blatt, mein Buch “Werwölfe im Waldviertel. Das Jahr 1945 im Granithochland„ für seine antisemitischen Zwecke missbraucht hat.“

Die Kunsthistorikerin hatte damals mit Unterstützung von Harald Walser (Nationalratsabgeordneter der Grünen) Klage gegen die Zeitung erhoben, da sie falsch zitiert wurde. Ihre Aussagen wurden dort ins Gegenteil verkehrt. „Da mich diese ganze Situation sehr geärgert hat, schrieb ich über den Antisemitismus des 19. Jahrhunderts im Waldviertel. Das Buch handelt vom Aufstieg und Fall des Mordechai ben Abraham Diamant, dem Leben und Gebräuchen der Juden, aber primär vom Nährboden der Zündstofflieferanten für die Verbrennungsöfen des Holocaust, dessen Oberbrandstifter Adolf Hitler ebenfalls seine Wurzeln im Waldviertel hat.“

Die Juden von Schaffa, zu denen auch die Vorfahren der Politiker Herta Firnberg und Bruno Kreisky zählten, gibt es nicht mehr, denn die meisten, für die dieser geschichtsträchtige Ort in Mähren gezwungenermaßen zur Heimat wurde, mussten den abgelegenen Markt aus wirtschaftlichen Gründen wieder verlassen. Als ihnen durch die Franz Josephs-Bahn und die Nordwestbahn die Lebensgrundlage entzogen wurde, gab es keine Perspektive mehr für sie, denn der Handel, von dem sie lebten, entwickelte sich ab nun entlang der Schienenwege. Die Bewohner des Judenviertels von Schaffa wanderten ab, viele davon ins angrenzende Waldviertel oder nach Wien. Nur die Toten blieben.

 

Buchpräsentation

Samstag, 9. Dezember, 16 Uhr

Stift Geras, Marmorsaal

Link: https://tips.at/news/horn/land-leute/407256-buchneuerscheinung-aus-dem-haus-krumpoeck-der-jude-von-schaffa

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