Rolle rückwärts. Zur Konstruktion rechtskonservativer Geschichtsbilder

FPÖ, Burschenschafter, Südtirol, Antisemitismus, Erinnerungskultur stehen im Mittelpunkt der Tagung.
24.10.2019  |  09:00  -  18:00   |  

Tagung, 24. Oktober 2019, 09:00-18.00 Uhr, Claudiana

09:00 – 09:30 Uhr
Begrüßung und Einleitung
Dirk Rupnow / Margit Reiter / Oliver Rathkolb

09:30 – 10:30 Uhr
Moderation: Margit Reiter

Dirk Rupnow (Universität Innsbruck)
Ritual und Vereinnahmung. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik im Erinnerungs- und Gedenkjahr 2018

Florian Wenninger (Historisches Institut der Österreichischen Arbeiterkammer / Wien)
Schuldkontroversen und kein Ende. Die Erste Republik als historiografischer Zankapfel

11:00 – 12:30 Uhr
Moderation: Oliver Rathkolb

Margit Reiter (Universität Salzburg)
Personelle und ideologische NS-Kontinuitäten in der FPÖ

Anton Pelinka (Universität Innsbruck)
Auf der Suche nach Respektabilität. Die FPÖ ab 1970

Gabriella Hauch (Universität Wien)
Zum Geschlecht des Populismus der FPÖ – Jörg Haider ff.

14:00 – 15:30 Uhr
Moderation: Oliver Rathkolb

Wolfgang Häusler (Universität Wien)
Schubumkehr. Von der Akademischen Legion in der demokratischen Revolution 1848 zum Deutschnationalismus und Antisemitismus der Burschenschaften

Bernhard Weidinger (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes / Wien)
Akademisches Rückgrat und Liberalisierungshemmer. Zum Verhältnis von FPÖ und völkischen Verbindungen

Linda Erker (Universität Wien)
Vom Deutschen zum Neuen Klub. Rechtsintellektuelle „Ehemalige“

16:00 – 17:00 Uhr
Moderation: Margit Reiter

Günther Pallaver (Universität Innsbruck)
Die FPÖ und Südtirol. Vom innenpolitischen Parteienkonsens zum populistischen Export

Christoph Franceschini (Journalist, Autor und Filmemacher / Bozen)
FPÖ, Burschenschaften und die Südtirol-Attentate

17:00 – 18:00 Uhr
Moderation: Dirk Rupnow

Oliver Rathkolb (Universität Wien)
VdU/FPÖ aus Sicht der US-amerikanischen Diplomatie und Geheimdienste

Helga Embacher (Universität Salzburg)
Israel-Annährungen und Antisemitismus in der FPÖ

 

Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, ist die österreichische Zeitgeschichte nach wie vor ein umstrittenes Feld und von hoher politischer Brisanz. So gibt es zum einen wieder Deutungskämpfe über das Jahr 1934, das von konservativer Seite revisionistisch umzudeuten versucht wird. Zum anderen ist in jüngster Zeit die Geschichte der FPÖ vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Noch bevor im März 2018 das Erinnern und Gedenken an den „Anschluss“ 1938 in Gang kommen konnte, eröffnete im Januar völlig unerwartet die so genannte „Liederbuch-Affäre“ das Jahr: Nur wenige Tage vor der niederösterreichischen Landtagswahl berichtete die Wiener Stadtzeitung „Falter“ vom Liederbuch der deutschnationalen Burschenschaft „Germania“ in Wiener Neustadt, deren stellvertretender Vorsitzender der FPÖ-Spitzenkandidat war. Das Liederbuch mit antisemitisch-rassistischen und den Holocaust verharmlosenden Texten wurde noch 1997 nachgedruckt und war seitdem Teil der Traditionspflege der Verbindung. Aufgeworfen wurde damit erneut die Frage, welches Verhältnis die zwischenzeitliche österreichische Regierungspartei FPÖ zum Deutschnationalismus und Nationalsozialismus unterhält. Die Causa führte letztlich dazu, dass sich die FPÖ genötigt sah, eine „Historikerkommission“ einzurichten, um ihre Parteigeschichte aufzuarbeiten. Über deren Zusammensetzung und Arbeitsweise herrschte lange Unklarheit und die Veröffentlichung des wiederholt angekündigte Zwischen- bzw. Endberichtes ließ lange auf sich warten.

Die Tagung greift diese Kontroversen auf und präsentiert schon lange bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Forschungsergebnisse von ausgewiesenen ExpertInnen, die jenseits tagespolitischer Polemik zu einer wissenschaftlichen Vertiefung der Debatte beitragen sollen.

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