Neue Gedenktafel im Gedenkraum des Landesgerichts Graz

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgerichts Graz wurde eine neue Gedenktafel für die dort ermordeten Opfer der NS-Justitz enthüllt.

Die Erinnerung stirbt nie

Neue Gedenktafel im Gedenkraum des Landesgerichts Graz enthüllt


Enthüllung der neuen Gedenktafel im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgerichts Graz: Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl (Mi.) mit Vertretern der Kriegsopferverbände, Ernest Kaltenegger (l.), hintere Reihe (v. l.) Magistratsdirektor Mag. Mag. Martin Haidvogl, Bezirksvorsteher-Stv. Hardy Macher, Prof. Dr. Karl-Albrecht Kubinzky, Historiker Dr. Heimo Halbrainer (Foto: Stadt Graz/Fischer)
Das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes findet immer zu Allerheiligen statt. Auch heuer nahmen am 1. November Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl als Vertreter der Stadt Graz, Bürgermeister-Stellvertreterin Dr. Martina Schröck und Stadträtin Kahr sowie Ass.-Prof. Mag. Dr. Gerald Lamprecht als Vertreter für die Verbände der politisch Verfolgten und Mag. Tomaž Kancler, Stadtrat in Maribor, daran teil. Als Ort wurde traditionell der Gedenkraum des Landesgerichts Graz für Strafsachen in der Conrad-von-Hötzendorf-Straße 41 gewählt - dort, wo zwischen August 1943 und März 1945 mehr als hundert mutige Frauen und Männer wegen ihres Widerstandes gegen das Nazi-Regime ihr Leben lassen mussten. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten, in Syrien, im Irak und in der Ukraine sehe ich uns in der Pflicht, Erinnerungskultur zu pflegen. Vor allem unseren Kindern und Jugendlichen müssen wir zeigen, dass ein friedliches Miteinander der Völker, so wie wir es in der Europäischen Union glücklicherweise erleben, nicht selbstverständlich ist. Dazu gehört ein gewissenhafter Umgang mit unserer Geschichte", betonte Bürgermeister Nagl.

Auf eines der traurigsten Kapitel der Geschichte weist die neue Gedenktafel hin, auf der sich seit heute im ehemaligen Hinrichtungssaal alle Opfer des Landesgerichts Graz vollständig aufgelistet finden. Sie wurde anstelle der vier ehemaligen kleinformatigen Gedenktafeln, auf denen offenkundig Namen falsch geschrieben standen und Personen angeführt waren, die nicht wegen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus hingerichtet worden waren, angebracht. Neben den politischen Widerstandkämpfern finden sich hier nun auch erstmals jene Männer verewigt, die den Wehrdienst verweigert haben - wie beispielsweise der aus Maribor stammende Franc Pen, für den derzeit ein Verfahren zur Seligsprechung läuft. Auch die Namen derer, die desertiert sind, um sich beispielsweise in ihrem Heimatort gegen das Regime aufzulehnen, sind angeführt.

Viel Herzblut und Recherchearbeit

Aufwendig recherchiert wurden die Daten der Opfer mit korrekten Namensangaben, sowie der Geburts - und Hinrichtungsdaten im Auftrag des Kulturamtes der Stadt vom Grazer Historiker Dr. Heimo Halbrainer. Dieser forscht am Centrum für Jüdische Studien der Uni Graz (CJS) und ist auch wissenschaftlicher Leiter von CLIO - Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit. Gemeinsam mit Dr. Lamprecht betreut er das "erinnern.at"-Netzwerk in der Steiermark. Besonders die richtige Schreibweise der in der NS-Zeit eingedeutschten slowenischen Namen machte Halbrainer zu schaffen: "Die slowenischen Opfer wurden einmal so, dann wieder anders geschrieben. Ich hoffe, die richtige Namensschreibung auf der Tafel festgehalten zu haben. Im Buch, das ich begleitend dazu schreibe, werde ich die unterschiedlichen Schreibweisen der Namen angeben. So finden sich etwa in den Geburtsmatrikeln andere Schreibweisen als in den Meldezetteln bzw. dem Todesurteil.

 

Die Neuerungen

Gegenüber den alten Tafeln - es waren vier Stück -  hat Dr. Halbrainer folgende Korrekturen vorgenommen:

  • Sieben Namen, die auf der "alten" Tafel standen, kommen nun nicht mehr vor
  • 25 neue Namen sind dafür hinzugefügt worden
  • Bei 21 Namen wurde die Schreibung korrigiert
  • Bei acht Namen wurden Geburts- bzw. Hinrichtungsdatum korrigiert

Text: Ulrike Lessing-Weihrauch, Michaela Krainz

 

http://www.graz.at/cms/beitrag/10242407/1618648/

 

Eine neue Tafel gedenkt aller Opfer des Landesgerichts Graz.  (Stadt Graz/Fischer)
Eine neue Tafel gedenkt aller Opfer des Landesgerichts Graz. (Stadt Graz/Fischer)
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