VERSCHOBEN AUF 2021: Zentrales Seminar: "Unter Zwang arbeiten" – Nationalsozialistische Zwangsarbeit in Landwirtschaft und Rüstungsindustrie

Das Zentrale Seminar ist die größte LehrerInnenfortbildung zum Thema Nationalsozialismus, Holocaust und Antisemitismus in Österreich. Es ist aufgrund der epidemiologischen Situation in den Frühsommer 2021 verschoben wurden.

Themen: Geschichte und Gegenwart der Zwangsarbeit, Regionale Erinnerungskulturen und Chancen der schulischen Vermittlung.

Wir sind heute einem großen, dynamischen Wandel der Arbeitswelt unterworfen, der mit den Begriffen „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ nur unzulänglich beschrieben ist. War über Jahrhunderte die Disziplinierung der Individuen bestimmend, so zielt die Sozialisation heute auf den/die selbstbestimmte/n, eigenorganisierte/n und dazu noch kreative/n und emotional kompetente/n Einzelunternehmer/in, der/die ihre hochqualifizierte Persönlichkeit in den Arbeitsprozess gerne einbringt. Ist heute auch die Vorstellung vom freien Vertragsverhältnis bestimmend, so kam und kommt die Ausbeutung der Arbeitskraft oft ungeschminkt ans Licht. In unserem Raum in jüngerer Vergangenheit am massivsten in der NS-Zwangsarbeit: Während der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich mussten mindestens 937.500 Menschen Zwangsarbeit leisten. Am Zentralen Seminar 2020 untersuchen wir die Geschichte und die Nachwirkung der Zwangsarbeit im internationalen, nationalen und regionalen Kontext.

Im Herbst 1944 waren fast die Hälfte aller in der oberösterreichischen Industrie und Landwirtschaft Beschäftigten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, dh. „fremdvölkische Zivilarbeiter“, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Sie waren in Lagern zusammengepfercht und marschierten zur Arbeit oder sie lebten in den Haushalten der lokalen Bevölkerung mit. Wie es ihnen ging, hing von ihrer Herkunft und ihrer rassistischen Einordnung ab: In der Hierarchie ganz oben jene von „germanischer Abstammung“, ganz unten die „Ostarbeiter“, sowjetische Kriegsgefangene und die KZ-ZwangsarbeiterInnen. Ob sie Gewalt erlitten oder angemessen ernährt wurden und Ruhezeiten hatten, ob sie als Menschen behandelt wurden oder als „Untermenschen“, das hing auch von jenen „Volksgenossen“ ab, für die sie arbeiteten. Den „Deutschen“ waren menschlicher Umgang und Beziehungen zu den „Fremdarbeitern“ untersagt, besonders hart bestraft wurden Liebesbeziehungen. Tausende Schwangerschaftsabbrüche wurden erzwungen und Kinder von Zwangsarbeiterinnen wurden in „fremdvölkischen Kinderheimen“ untergebracht, wo viele zu Grunde gingen.

Das Programm

Themen des Seminars: Über Zwangsarbeit allgemein und in der Landwirtschaft sprechen wir mir Univ. Prof. Dr. Ernst Langthaler, die Situation von Frauen in der Zwangsarbeit erläutert Univ.Prof.in Dr.in Martina Gugglberger, Mag. Martin Kranzl-Greinecker spricht über die Kinder der Zwangsarbeiterinnen und schlägt die Brücke ins Heute.

Workshops sind der didaktischen Umsetzung des Themas gewidmet und stellen aktuelle Lernmaterialien von _erinnern.at_ vor. In Exkursionen wird die Zwangsarbeit in der Region verortet. Das Seminar umfasst auch einen Besuch der von Harald Welzer und Robert Misik kuratierten Ausstellung „Arbeit ist Unsichtbar“ im Museum Arbeitswelt sowie des „Stollens der Erinnerung“ zu Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit.

Programm Zentrales Seminar 2020

Wie kann ich mich anmelden?

Anmeldung abgeschlossen, Anmeldeschluss war der 08. Oktober. Ob Sie einen Seminarplatz erhalten, erfahren Sie bis 15. Oktober 2020.


Covid-19-Prävention
Die Gesundheit der Teilnehmenden liegt uns sehr am Herzen, weswegen der Ablauf des Zentralen Seminars in diesem Jahr modifiziert wurde, um den gesetzlichen COVID-19 Regelungen zu entsprechen. Alle Vorträge, Workshops, Exkursionen und Paneels finden daher unter Einhaltung der von der Bundesregierung verordneten Sicherheitsmaßnahmen statt. Außerdem wurde die Zahl der TeilnehmerInnen reduziert. 

Die Teilnahme ist kostenlos. Konferenzpauschale sowie Mittag- und Abendessen werden von _erinnern.at_ übernommen. Übernachtungskosten werden nach Abschluss des Seminars über _erinnern.at_ refundiert. Die Fahrtkosten können nach Zustimmung der Dienstbehörde (Schule) über diese verrechnet werden.
_erinnern.at_  organisiert die Übernachtungsmöglichkeiten der SeminarteilnehmerInnen. Weitere Informationen erfolgen nach erfolgreicher Seminarplatzvergabe.

 

Das Zentrale Seminar 2020 wird von _erinnern.at_ im Auftrag des BMBWF durchgeführt und vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus finanziell unterstützt. Das Seminar gilt als Fortbildung für LehrerInnen im Sinne des BMBWF.

An wen richtet sich das „Zentrale Seminar“?

Das Zentrale Seminar 2020 richtet sich an LehrerInnen aller Schultypen und Fächer, insbesondere Geschichte und Politische Bildung, aus ganz Österreich. Ein Platzkontingent steht für VermittlerInnen aus dem außerschulischen Bildungsbereich (Gedenkstätten-PädagogInnen) sowie für Studierende zur Verfügung. Das Seminar gilt als Fortbildung für LehrerInnen im Sinne des BMBWF.

 

Links:
Programm Zentrales Seminar Steyr 2020
_erinnern.at_ in Oberösterreich: - Link
Museum Arbeitswelt https://museum-steyr.at/

Erstellt am 2020-08-25T15:16:24+01:00, zuletzt geändert 2020-10-20T16:14:37+01:00