„Unter Zwang arbeiten": Webinar am 24. Juni ersetzte ausgefallenes Zentrales Seminar 2020

2020 wurde das Zentrale Seminar von _erinnern.at_ aufgrund der Pandemie auf 2021 verschoben. Aufgrund der epidemiologischen Lage konnte das Seminar auch heuer nicht wie ursprünglich geplant nachgeholt werden. Um die Fortbildung zum Thema Nationalsozialistische Zwangsarbeit in Landwirtschaft und Rüstungsindustrie dennoch zu ermöglichen, ludt _erinnern.at_ zu einem Webinar am 24. Juni.

Die größte LehrerInnenfortbildung zu den Themen Nationalsozialismus, Holocaust und Antisemitismus in Österreich, das Zentrale Seminar von _erinnern.at_, wurde letztes Jahr aufgrund der epidemiologischen Situation verschoben. Es hätte im November 2020 unter dem Titel „Unter Zwang arbeiten – Nationalsozialistische Zwangsarbeit in Landwirtschaft und Rüstungsindustrie“ im Museum Arbeitswelt in Steyr (Oberösterreich) stattfinden sollen. Als Ersatz und Ergänzung bot _erinern.at_ seit November 2020 bis Mai 2021 eine Online-Vortragsreihe zum selben Themenschwerpunkt an. Präsentationen und Materialien einzelner Vorträge sind auf unserer Website verfügbar. Da das Zentrale Seminar nun nicht wie geplant im Frühsommer 2021 in Steyr nachgeholt werden konnte, ermöglichte ein Webinar am 24. Juni Fortbildung und Austausch zum Thema Zwangsarbeit mit den zentralen Inhalten des geplanten Seminarprogramms.

Als Hauptreferent des Webinars sprach Univ. Prof. Dr. Ernst Langthaler über Zwangsarbeit in der „Ostmark“; mit seinem Input zum Thema Zwangsarbeit hätte er auch das reguläre Seminarprogramm bereichert.
Seine Präsentation sowie Fallbeispiele aus seinem Vortrag stehen Ihnen hier zu Verfügung.

Trotz der Verschiebung des Seminarformats in den digitalen Raum warfen wir darüber hinaus einen Blick auf den ursprünglich geplanten Seminarort uns dessen Bildungsangebote zum Thema Zwangsarbeit: das Museum Arbeitswelt in Steyr. Der ursprüglich geplante Beitrag von Univ.Prof.in Dr.in Martina Gugglberger fiel leider aus. Stattdessen sprach Dr. Maria Ecker-Angerer über  „Fremdvölkische Kinderheime“ im Gau Oberdonau, woran Martin Hagmayr mit einem Input zu den Neueste Forschungsergebnisse dazu in Steyr anknüpfte.


Termin & Ort

24.06.2021 | 17:00 – 19:00 | Zoom (Teilnahme auch über Facebook-Livestream möglich)

Teilnahme

Das Webinar richtete sich ebenso wie das Zentrale Seminar an LehrerInnen aller Schultypen und Fächer, insbesondere Geschichte und Politische Bildung, aus ganz Österreich. Das Webinar gilt nicht als Fortbildung für LehrerInnen im Sinne des BMBWF. Die Online-Veranstaltung war für alle Interessierten offen – eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Es fand auf Zoom statt und wurde ebenso live auf der Facebookseite von _erinnern.at_ übertragen.

Programm

Martin Hagmayr
Das Museum Arbeitswelt Steyr - Ausstellungs- und Bildungsprojekte

Das ursprünglich für 2020 geplante Zentrale Seminar hätte im Museum Arbeitswelt in Steyr stattgefunden. Durch seinen Beitrag ermöglicht uns Martin Hagmayr, der Leiter der Abteilung Vermittlung und Wissenschaft, einen Einblick in das Museum und dessen Arbeit - insbesondere mit Blick auf die bisher durchgeführten Ausstellungs- und Bildungsprojekte: So zeigte das Museum Arbeitswelt 2016 die Ausstellung „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ der deutschen Stiftung EVZ und betreut seit 2013 den regionalen Lern- und Gedenkort „Stollen der Erinnerung. Zwangsarbeit und KZ in Steyr“.  

Martin Hagmayr ist Zeithistoriker und Mitglied des Mauthausen Komitee Steyr. Der ehemalige Mitarbeiter des Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim ist seit 2015 beim Verein Museum Arbeitswelt beschäftig und seit 2018 Leiter der Abteilung Vermittlung und Wissenschaft.

Vortrag von Ernst Langthaler
Zwangsarbeit in der "Ostmark": Landwirtschaft und Rüstungsindustrie im Vergleich

Zwangsarbeit prägte die Kriegswirtschaft in der nationalsozialistischen „Ostmark". Landwirtschaft und Rüstungsindustrie bildeten die Haupteinsatzbereiche der ausländischen ZivilarbeiterInnen, Kriegsgefangenen, KZ-Häftlinge und ungarischen Juden. Die Arbeits- und Lebensverhältnisse der ZwangsarbeiterInnen unterschieden sich auch nach Wirtschaftszweigen. Doch die verbreitete Ansicht, die Zwangsarbeit in der Landwirtschaft sei gegenüber jener in der Industrie ein "leichteres Los" gewesen, ist durch die Forschung differenziert worden. Der Vortrag beleuchtet Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Zwangsarbeit in Landwirtschaft und Rüstungsindustrie aus System- und Lebensweltperspektiven.

Ernst Langthaler ist Universitätsprofessor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Vorstand des gleichnamigen Instituts an der Johannes Kepler Universität Linz und Vorstand des Instituts für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten. Er war Gastprofessor an den Universitäten Innsbruck, Wien und Santiago de Compostela und Research Fellow am Rachel Carson Center for Environment and Society in München. Er ist Mitherausgeber mehrerer Fachzeitschriften, darunter „Zeitgeschichte“, „Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften“ und „Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes". Er ist Secretary der European Rural History Organisation (EURHO), Mitglied der Kommission für Interdisziplinäre Ökologische Studien (KIÖS) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Beiratsmitglied des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek. Bücher zum Tagungsthema: (mit Stefan Eminger und Klaus-Dieter Mulley), Nationalsozialismus in Niederösterreich. Opfer – Täter – Gegner (2021); Schlachtfelder. Alltägliches Wirtschaften in der nationalsozialistischen Agrargesellschaft 1938–1945 (2016); (mit Ela Hornung und Sabine Schweitzer), Zwangsarbeit in der Landwirtschaft in Niederösterreich und dem nördlichen Burgenland (2004).


Den Vortag von Ernst Langthaler können Sie hier noch einmal nachlesen: *

* Die Texte und Präsentationen wurden für das Vortragsformat der Webinar-Reihe erstellt und unterliegen nicht den Auflagen einer Veröffentlichung

 

Vortrag von Martina Gugglberger (ausgefallen)
Geschlechtergeschichte der NS-Zwangsarbeit

Im Mai 1944 waren im „Reichsgau Oberdonau" 34.000 ZwangsarbeiterInnen eingesetzt. Die meisten von ihnen kamen aus Russland, der Ukarine und aus Weißrußland und wurden in der NS-Terminologie als „OstarbeiterInnen" bezeichnet. Mehr als die Hälfte davon waren Frauen, die in Haushalten und in der Landwirtschaft, aber auch in der Industrie arbeiten mussten. Der Vortrag thematisiert geschlechtsspezifische Aspekte des Zwangsarbeitseinsatzes in Oberösterreich und beleuchtet die Lebenssituation von betroffenen Frauen. Am Beispiel von ZwangsarbeiterInnen und ihrer Behandlung wird außerdem die Verwobenheit von nationalsozialistischer Rassenhierarchie und Geschlechterpolitik verdeutlicht.

Martina Gugglberger, Assoziierte Universitätsprofessorin am Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz; Studium der Romanistik und Geschichte an der Universität Salzburg; Forschungsaufenthalte u.a. in Frankreich, Südafrika, Großbritannien, Nepal und Deutschland; Auszeichnungen u.a.: 2019 Käthe Leichter Preis, 2016 Routledge Best Paper Award; Publikationen (Auswahl): Grenzen im Aufstieg. Frauenexpeditionen in den Himalaya (1955-2014), (Reihe Geschichte und Geschlechter), Campus Verlag, Frankfurt/New York 2021; Reguliertes Abenteuer. Missionarinnen in Südafrika nach 1945 (L’Homme Schriften 22), Böhlau Verlag, Köln/Wien 2014; „Versuche, anständig zu bleiben“. Widerstand und Verfolgung im Reichsgau Oberdonau, in: Gabriella Hauch (Hrsg.), Frauen im Reichsgau Oberdonau. Geschlechtsspezifische Bruchlinien im Nationalsozialismus (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 5), Linz 2006, 281–343; Den Feind lieben. Geschorene Frauen in Frankreich 1944-1945, in: Ingrid Bauer/Christa Hämmerle/Gabriella Hauch (Hrsg.), Liebe und Widerstand. Ambivalenzen historischer Geschlechterbeziehungen (L’Homme Schriften 10), Wien/Köln/Weimar 2005, 362–375.





Erstellt am 2021-04-28T11:36:14+01:00, zuletzt geändert 2021-06-30T16:51:37+01:00