Erklärung zum Polizeieinsatz an der Gedenkstätte und im Museum Peršman am 27.07.2025

Wir, die Vorbereitungsgruppe für das „Erinnerungsjahr 2025 / Leto spominjanja“ als Initiative des Kärntner Kulturgremiums in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Landes Kärnten / Pobuda Koroškega kulturnega gremija v sodelovanju z oddelkom za kulturo deželne vlade, sind entsetzt über den Polizeieinsatz an der Gedenkstätte und im Museum Peršman in der Gemeinde Eisenkappel-Vellach/Železna Kapla-Bela am 27.07.2025.

Am Peršmanhof findet wie bereits im Vorjahr zurzeit ein mehrtägiges internationales antifaschistisches Bildungscamp statt. Dieses beschäftigt sich mit Themen anlässlich des 80. Gedenkjahres an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Dabei wurden in Form von Vorträgen und Workshops sowohl die Rolle des Antifaschismus in Österreich und Europa, als auch Formen des würdigen Gedenkens diskutiert.

Der Polizeieinsatz richtete sich gegen dieses, vom Klub Slowenischer Studierender in Wien (KSŠŠD) ausgerichtete internationale Antifa-Camp. Dabei fragen wir uns, warum für die Einsatzleitung dieses Polizeieinsatzes mit Gerold Taschek, der Leiter vom Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung betraut wurde? Außerdem: Was qualifiziert einen Einsatzleiter dieser Abteilung zu der vorgenommenen Einschätzung, dass antifaschistische Bildungsarbeit die Würde des Erinnerungsortes und Museums verletzen würden? 

Die unterzeichnenden Mitglieder des Kulturgremiums betonen im Gegenteil: Wir begrüßen diese Bildungsarbeit an der Gedenkstätte und im Museum. Das ist im Sinne der Anstrengungen zum Erinnerungsjahr 2025.

Der Peršmanhof ist eine zentrale Gedenkstätte in Kärnten/Koroška, die an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnert. Sein Gedenken gilt insbesondere der slowenischen Zivilbevölkerung Kärntens sowie den Frauen und Männern des Widerstandes gegen das NS-Regime.

Die Institution verbindet auf vorbildliche Weise drei unverzichtbare Säulen der Erinnerungskultur:

  1. Das ehrende Gedenken an die Opfer.
  2. Die wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der historischen Ereignisse.
  3. Die historisch-politische Bildung, die die demokratischen und antifaschistischen Grundwerte der Republik Österreich an junge Generationen vermittelt.

Durch seine grenzüberschreitende Bildungsarbeit leistet der Lern- und Gedenkort Peršmanhof einen wesentlichen Beitrag zur Festigung der demokratischen Gesellschaft. Die hohe staatspolitische Relevanz dieser Arbeit wird durch die Würdigung von höchsten Repräsentanten der Republik Österreich, wie Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen, und der Republik Slowenien, wie dem ehemaligen Staatspräsidenten Borut Pahor, unterstrichen.

Im Kontext des diesjährigen Erinnerungsjahres 2025 ist die Rolle des Peršmanhofs als Ort der Mahnung und der demokratischen Wertevermittlung von herausragender Bedeutung für das Land Kärnten/Koroška. Der Društvo/Verein Peršman wird im Rahmen des Erinnerungsjahres aus Mitteln des Landes Kärnten/Koroška gefördert und erhielt für sein Engagement auch bereits den Anerkennungspreis des Landes Kärnten für besondere Leistungen im Bereich der freien Kulturinitiativen.

Das Vorbereitungsteam „Erinnerungsjahr 2025 / Leto spominjanja“ bestehend aus Mitgliedern des Kulturgremiums des Landes Kärnten 

Leon Bernhofer, Nadja Danglmaier (Koordinatorin ERINNERN:AT Kärnten), Geraldine Klever, Emil Krištof, Ute Liepold, Edith Payer, Margit Pohl, Klaus Schönberger, Valentin Sima, Dominik Srienc

Veröffentlicht am 29.07.2025, zuletzt geändert 07.08.2025