Wer trägt das Feuer? Erin­nern an Wolf­gang Tscher­nutter

Wanderausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ mit Führungen von Schulklassen und Rahmenprogramm
Wann

03.11.2026 00:00 bis 13.11.2026 00:00 (Europe/Vienna / UTC100)

Bundesland

Tirol

Wo

Campus Innrain Ágnes-Hel­ler-Haus und Franz-Gschnitzer-Promenade Innrain 52a 6020 Innsbruck

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Führungen für Schulklassen und Interessierte

5.11. | von 11.00 bis 13.00 Uhr
5.11.| von 15.00 bis -17.00 Uhr
10.11.| von 13.00 bis 15.00 Uhr
11.11. | von 10.00 bis 12.00 Uhr

ANMELDUNGEN bis 30.10.2026 bei: Judith Goetz  (Universitätsassistentin am Institut für Fachdidaktik der Universität Innsbruck)

Rahmenprogramm:

5.11.2026

Uni­ver­sität Inns­bruck, Franz-Gschnitzer-Prome­nade, 17:00 Uhr

 Aktion am Mahnmal für Wolf­gang Tscher­nutter

 5.11.2026

Universität Innsbruck, Hauptgebäude, Aula, 1. Stock, Innrain 52, 18:00 – 20:00

 Vortrag Merle Stöver: Sozi­aldar­wi­nis­ti­sche Zustände. Tödliche Gewalt gegen wohnungs­lose Menschen

Merle Stöver ist Sozialarbeiterin, Antisemitismusforscherin und promoviert am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld zu Tötungsdelikte an wohnungslosen Menschen zwischen 1989 und 2022. Sie lebt und arbeitet in Berlin als freie Journalistin und schreibt regelmäßige Kolumnen über Wohnungslosigkeit in der Jungle World.

Moderation | Judith Goetz

 11.11.2026

Universität Innsbruck, Ágnes-Heller-Haus, Seminarraum 8, Innrain 52a, 1. Stock, 18:00 – 20:00

 Vortrag Ina Friedmann / Michael Haupt / Bernhard Schneider: Dem Wander­trieb ein Mäntel­chen umhän­gen. Die Verfol­gung un|­frei­willig '­nicht­sess­haf­ter' Personen im Nati­o­nal­so­zi­a­lismus

Ina Friedmann ist Senior Scientist am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, Michael Haupt und Bernhard Schneider leiten gemeinsam das Jenische Archiv Innsbruck

Aktu­elle Gewalt gegen wohnungs­lose Menschen im Lichte rechten Denkens

Jedes Jahr werden wohnungs­lose Menschen Opfer tödli­cher Gewalt. Doch obwohl in zahlreichen Fällen die rechten Tatmo­tive auf der Hand liegen, bleiben eine poli­ti­sche und gesell­schaft­liche Aus­ein­an­der­set­zung mit den Taten und ein Erin­nern an die Opfer meist aus. Die Margi­na­li­sie­rung, die wohnungs­lose Menschen in allen Lebens­be­rei­chen erfah­ren, setzt sich auch nach ihrem Tod fort.

Der Vortrag von Merle Stöver macht auf die langen Kontinuitäten sozialdarwinistisch begründeter Verfolgung und Gewalt aufmerksam, beleuchtet einerseits Gewalterfahrungen von wohnungslosen Menschen und diskutiert andererseits Motive und Motivationen für solche Gewalthandlungen.

Um zu verstehen, wie tief verwurzelt diese gesellschaftliche Kälte ist, lohnt der Blick zurück: Die historische Wanderausstellung der BAG Wohnungslosenhilfe, kuratiert von Wolfgang Ayaß, dokumentiert den rücksichtslosen Umgang mit jenen Menschen, die im Nationalsozialismus als „asozial“ gebrandmarkt wurden – ein Verfolgungseifer, der am Beispiel der Gewalt gegen Menschen, die als Homosexuelle oder Jenische außerhalb der akzeptierten gesellschaftlichen Normen wandernd lebten, eine bedrückende regionale Dimension erhält. Der gemeinsame Vortrag von Ina Friedmann, Michael Haupt und Bernhard Schneider präsentiert Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten zu Tirol während der NS-Zeit.

Unter dem Leitmotiv „Wer trägt das Feuer?“  - nach Cormac McCarthys post-apokalyptischem Roman „Die Straße“, in dem das Bewahren des Feuers als Metapher für den Erhalt der Menschlichkeit dient -, fragt diese Veranstaltungsreihe: Wie durchbrechen wir das Schweigen und die Gleichgültigkeit angesichts von Gewalt gegen Wohnungslose? Wo liegen ihre ideologischen Wurzeln? Wer verteidigt den Funken der Humanität und den Schutz durch das Recht in einer Gegenwart, in der Ausgrenzung wieder gesellschaftsfähig wird?

Veranstalter: DOWAS in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte und dem Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck