Maria Ecker-Angerer auf neuen beruflichen Wegen

Die Historikerin und Pädagogin Maria Ecker-Angerer war seit 2003 Teil des Teams von _erinnern.at_ und leitete das ZeitzeugInnen-Programm. Sie wechselt mit Jänner 2022 in die psychosoziale Arbeit. Für die Israel-Seminare wird Maria Ecker-Angerer im Begleitteam aktiv bleiben.

Bereits kurze Zeit nach der Gründung von _erinnern.at_ im Jahr 2000 kam Maria Ecker-Angerer 2003 ins Team. Was zunächst als Projekt des Bildungsministeriums begann, wurde 2009 zum Verein _erinnern.at_, dem Holocaust Education Institut des BMBWF. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von _erinnern.at_ begleitete Maria Ecker-Angerer in hohem Maße mit. 

Maria Ecker-Angerer rückblickend: „Es ist für mich sehr schön, zu sehen, was aus dem ‚kleinen Projekt‘ geworden ist, wie es gewachsen und quasi erwachsen geworden ist. Gleichzeitig hat _erinnern.at_ auch zu meinem beruflichen Erwachsenwerden ganz viel beigetragen. Ich habe von Projektmanagement über Seminarkonzeption bis hin zu Moderationen sehr, sehr viele Erfahrungen gemacht und gelernt. Besonders wichtig war mir, auch aufgrund meiner Ausbildung bzw. Fachwissen, immer die Arbeit mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und deren Erzählungen.“

„So hat es eigentlich begonnen...“

Ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Man hat sich hier sehr fremd gefühlt...“  basierte auf Interviews mit zehn KZ-Überlebenden, die in Mitteleuropa geboren sind und nach 1945 nach Palästina emigrierten. Für ihre Dissertation „Tales of Edification and Redemption“ forschte sie in der Austrian Heritage Collection in New York. Einzelne Fallgeschichten der Sammlung wurden ausgewählt und durch Follow-Up Interviews erweitert. Im Fokus standen Fragen zur Veränderung von Erinnerungserzählung und Widersprüchen zwischen zeitlich auseinanderliegenden Narrativen.

Im multidisziplinären Team von _erinnern.at_ war Maria Ecker-Angerer zunehmend als Pädagogin und Didaktikerin gefragt. Ihr erstes Projekt war die Lern-DVD „Das Vermächtnis“. Mit diesem Projekt begann _erinnern.at_erstmals, digitalisierte ZeitzeugInnenerzählungen für den schulischen Unterricht didaktisch aufzubereiten. Darauf folgte das Projekt „Neue Heimat Israel", eine Lernwebsite zum Thema Flucht und Verfolgung und schließlich parallel dazu „Ein Mensch ist ein Mensch..." – ein Lernheft, mit dem SchülerInnen sich zu den Themen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzen. Viele weitere Projekte folgten bis heute. Werner Dreier – langjähriger Geschäftsführer von _erinnern.at_ – schätzte Maria Ecker-Angerers Mitarbeit im Team sehr:

„Maria Ecker-Angerer ist eine ausgezeichnete Historikerin – und eine großartige Vermittlerin. Ihr geht es nicht nur um die historische Analyse und Darstellung, sondern immer auch um die AdressatInnen dieser historischen Projekte. Der von ihr und ihrem Mann Christian Angerer verfasste Band Nationalsozialismus in Oberösterreich belegt das ausgezeichnet. Ganz besonders tragend erleben wir ihre Zuwendung zum Gegenüber in den Begegnungen mit ZeitzeugInnen und allen Projekten, die sich damit beschäftigen, seien es die Besuche von ZeitzeugInnen in Schulen oder seien es Zeitzeugen-Berichte im Internet. Ihren Texten und Projekten wohnt ein interessierter, menschlicher Ton inne, auch wenn sie Kritisches anzumerken hat.“ - Werner Dreier

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Maria Ecker-Angerer verabschiedet sich mit Jänner 2022 von _erinnern.at_. Sie war seit 2003 im Team. Hier mit Manfred Wirtitsch, Werner Dreier sowie Martina Maschke und Moritz Wein (v.l.n.r.).

Leitung und Weiterentwicklung des „ZeitzeugInnen-Programms“

Als eine der wichtigsten Aufgaben kam für Maria Ecker-Angerer das „ZeitzeugInnen-Programm“ hinzu. Im Zentrum der Arbeit steht das „ZeitzeugInnen-Seminar“, welches seit 1978 jährlich stattfindet. WissenschaftlerInnen, Lehrpersonen und ZeitzeugInnen treffen zusammen, Inhalte für den Geschichtsunterricht werden erarbeitet und ein Kennenlernen zwischen ZeitzeugInnen und Lehrkräften wird unterstützt. Mit dem Historiker, Biografieforscher und Erwachsenenbildner Gert Dressel erarbeitete Maria Ecker-Angerer 2014 ein neues Seminarkonzept, welches bis heute erfolgreich weitergeführt wird.

„Maria Ecker-Angerer hat mit großem psychologischem Gespür und ebensolchem historischem Fachwissen ein Konzept für die Arbeit mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen entwickelt. Dieses gibt den biographischen Erzählungen breiten Raum und ermöglicht Schülerinnen und Schülern gleichermaßen wie Lehrkräften viele gewinnbringende historisch-politische Lernerkenntnisse“, so Manfred Wirtitsch, Leiter der Abteilung Politische Bildung des BMBWF, wo seit den 1980er Jahren die Zuständigkeit für das ZeitzeugInnen-Programm „ReferentInnenvermittlungsdienst Zeitgeschichte“ liegt.


Als Leiterin des ZeitzeugInnen-Programms folgt Maria Ecker-Angerer die Bildungswissenschaftlerin Julia Demmer nach.

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In zahlreichen Workshops zu den Lernmaterialien von _erinnern.at_ arbeitete Maria Ecker-Angerer mit ZeitzeugInnen und Lehrpersonen aus ganz Österreich zusammen. Sie prägte das fachliche und personelle Profil von _erinnern.at_ nachhaltig mit, wir danken für ihr Engagement und wünschen ihr alles Gute. Hier mit den ZeitzeugInnen Elisabeth Scheiderbauer und deren Schwester Helga Feldner-Busztin (v.l.n.r.).

Neue Wege: Psychosoziale Arbeit in Oberösterreich

Maria Ecker-Angerer widmet sich nun ganz ihrem zweiten beruflichen Standbein, der psychosozialen Arbeit. Sie befindet sich seit mehreren Jahren in der Ausbildung zur Psychotherapeutin und engagierte sich seit der Covid-19-Pandemie in der sozialen Freiwilligenarbeit in Oberösterreich.

Das gesamte Team von _erinnern.at_ wünscht Maria alles Gute für ihren neuen beruflichen Weg. Patrick Siegele, seit Juni 2021 Geschäftsführer von _erinnern.at_, bedankt sich zum Abschied:

„Liebe Maria, danke für dein langjähriges Engagement, mit dem du das ganze Netzwerk von_erinnern.at_ inhaltlich und menschlich bereichert hast. Wir freuen uns sehr, dich künftig im Begleitteam der Israel-Seminare als Expertin zur Seite zu haben!“

Erstellt am 2022-01-10T12:43:09+01:00, zuletzt geändert 2022-01-11T17:24:36+01:00